Wie investiert der stilsichere Mitforisti?

Lionel_Hutz

Well-Known Member
Beim Thema Kontrahentenrisiko bei synthetisch replizierenden ETFs muss man allerdings auch sagen, dass das Ausfallrisiko regulatorisch auf 10% begrenzt ist.
Das ist so nicht ganz richtig. Regulatorische Vorgabe ist, dass das Kontrahentenrisiko nur 10% des NAV betragen darf. Das nutzt aber dann relativ wenig, wenn der Kontrahent sein Margining nicht mehr bringen kann und über die Wupper geht, der PV der Derivate aber den anderen Weg. Der NAV kann sich da deutlich schneller ändern als das Collateral. Und im übrigen kann auch das Collateral selbst problematisch werden - vor allem weil der Wert von Govis aufgrund der aktuellen Zinssituation fast nur noch Potenzial nach unten hat.

Es mag bei einem Long-ETF diskutabel sein, wie wahrscheinlich Szenarien sind, in denen der Kontrahent bei einer generell positiven Marktentwicklung selbst in Schwierigkeiten gerät und auch das Collateral in Schwierigkeiten gerät, aber bekanntlich hat man schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen und so richtige Liquiditätskrisen können sehr, sehr böse ausgehen. Selbst Banken, die für Lombardkredite üblicherweise mindestens 10%, wenn nicht 20% Übersicherung verlangen, fallen mit sowas mal aus, weil die Zwangsliqudiation leider in den fallenden Markt passiert.

Man kann das Risiko ja bewerten wie man will, man muss es dafür aber verstehen und bei den meisten Anlegern scheitert es leider bereits an letzterem. Ich habe nicht wenige Stunden meines Lebens damit verbracht, Leuten zu erklären, dass es okay ist, Risiken bewusst einzugehen - mit nichts anderem kann man nämlich in der Finanzwirtschaft Geld verdienen-, dies aber durchdacht und dokumentiert gehört und nicht mit dem Argument "da passiert eh nichts" vom Tisch gewischt werden kann.
 

stilolfski

Well-Known Member
Das ist so nicht ganz richtig. Regulatorische Vorgabe ist, dass das Kontrahentenrisiko nur 10% des NAV betragen darf. Das nutzt aber dann relativ wenig, wenn der Kontrahent sein Margining nicht mehr bringen kann und über die Wupper geht, der PV der Derivate aber den anderen Weg. Der NAV kann sich da deutlich schneller ändern als das Collateral. Und im übrigen kann auch das Collateral selbst problematisch werden - vor allem weil der Wert von Govis aufgrund der aktuellen Zinssituation fast nur noch Potenzial nach unten hat.

Es mag bei einem Long-ETF diskutabel sein, wie wahrscheinlich Szenarien sind, in denen der Kontrahent bei einer generell positiven Marktentwicklung selbst in Schwierigkeiten gerät und auch das Collateral in Schwierigkeiten gerät, aber bekanntlich hat man schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen und so richtige Liquiditätskrisen können sehr, sehr böse ausgehen. Selbst Banken, die für Lombardkredite üblicherweise mindestens 10%, wenn nicht 20% Übersicherung verlangen, fallen mit sowas mal aus, weil die Zwangsliqudiation leider in den fallenden Markt passiert.

Man kann das Risiko ja bewerten wie man will, man muss es dafür aber verstehen und bei den meisten Anlegern scheitert es leider bereits an letzterem. Ich habe nicht wenige Stunden meines Lebens damit verbracht, Leuten zu erklären, dass es okay ist, Risiken bewusst einzugehen - mit nichts anderem kann man nämlich in der Finanzwirtschaft Geld verdienen-, dies aber durchdacht und dokumentiert gehört und nicht mit dem Argument "da passiert eh nichts" vom Tisch gewischt werden kann.
Vielen Dank für die Ausführung. Ja, man sollte sich des Restrisikos bewusst sein und dieses für sich bewerten. Hierbei sollte man sich neben der regulatorischen Besicherung auch anschauen, wie die SWAP-ETFs tatsächlich besichert werden. Um das Risiko zu minimieren ist es in der Branche nicht unüblich, dass die Besicherung deutlich größer als 100% ist. Der hinterlegte Sicherheitskorb gehört, wenn ich richtig informiert bin, ja zum Sondervermögen und wäre somit im Insolvenzfall des Kontrahenten für den Anleger nicht verloren.
 

soros

New Member
Im Zuge der Gamestop-Geschehnisse bin ich von kundiger Seite auf die täglichen Marktberichte von Matt Levine aufmerksam gemacht worden. Lesen sich nüchtern und mitunter auch witzig zugleich - sicher nichts für Profis (die wissen das schon alles!) und wenn man sich nur am Rande für das Thema "Wertpapiere und Börse" interessiert, könnte es auch schon viel zu genau sein, aber ich passe jedenfalls exakt ins Interessentenraster :)

https://www.bloomberg.com/opinion/authors/ARbTQlRLRjE/matthew-s-levine
 
Oben