Dutt oder Alternative als Mann bei längeren Haaren?

bluesman528

Ruhrpotthanseat
Mir ist der missionarische Geist unverständlich. Warum sich in einem Forum bewegen, dessen Thema man nicht trifft, anstatt eines zu suchen, in das die eigenen Themen besser passen?
Der Geist ist hier nicht missionarisch. Es ist ein hinlänglich bekanntes Phänomen der Freizeitgestaltung im Internet, in Foren, für deren Inhalte man sich gar nicht wirklich interessiert, kontroverse Haltungen einzunehmen, um virtuelle Aufmerksamkeit und Emotion zu erfahren. ;)
 

güntherkastenfrosch

Active Member
Habe ich die Ausrichtung dieses Forums falsch verstanden? Ich hatte den Eindruck, hier gehe es um klassischen Stil. Wenn man von "klassisch" spricht, gibt es zwangsläufig einen Kanon dessen, was dazugehört, und damit auch (viele) Dinge, die nicht zu diesem Kanon gehören. Wenn man von Fundamentalismus sprechen will, ist dieser dann quasi systemimmanent. Die Alternative ist das "Anything goes". Gibt es einen Mittelweg? Die klassische Mode als ungefährer Referenzrahmen, den man als Baukasten für Experimente nimmt? Dann ist man aber schnell bei Wilvorst und Co...

Ich glaube, ich habe heute verstanden: Ich bin Fundamentalist!

Der "Kanon" fällt aber nicht gottgegeben vom Himmel, sondern entsteht im Diskurs - so er denn stattfindet.
Es war hier zum Beispiel mal keineswegs unstrittig, ob ein Anzug von Suitsupply tragbar ist oder nicht, siehe die ersten zig Seiten im entsprechenden Thread, bevor die Jubelperser um bluesman528 anfingen jegliche abweichende Meinungen niederzubrüllen, alte erfahrene Mitglieder gingen und neue ich-brauch-Anzug-schnell-max-300-Euro-Mitglieder als billige Claquere kamen. Dabei ließe dies eine unterhaltsame und lehrreiche Diskussion zum Thema Schein und Sein von Kleidung und Stil zu.
Ähnlich auch hier: Eine Diskussion über für und wider ist von einigen, leider sehr aktiven Teilnehmern mit offensichtlich viel Freizeit, schlicht und einfach nicht gewünscht. Stattdessen möchte man das bestätigt bekommen, was man selber gut findet, in diesem Fall also die gescheitelte Gel-Frise der späten Zwanziger, sofern denn dafür noch genug Haare da sind.
 

ingirum

Well-Known Member
Der "Kanon" fällt aber nicht gottgegeben vom Himmel, sondern entsteht im Diskurs - so er denn stattfindet.
Es war hier zum Beispiel mal keineswegs unstrittig, ob ein Anzug von Suitsupply tragbar ist oder nicht, […]
Ich habe nicht den Eindruck, dass das inzwischen unstrittig entschieden ist.

Ähnlich auch hier: Eine Diskussion über für und wider ist von einigen, leider sehr aktiven Teilnehmern mit offensichtlich viel Freizeit, schlicht und einfach nicht gewünscht. Stattdessen möchte man das bestätigt bekommen, was man selber gut findet, in diesem Fall also die gescheitelte Gel-Frise der späten Zwanziger, sofern denn dafür noch genug Haare da sind.
Wieviele der DAX 30 Vorstandsvorsitzenden tragen einen Dutt?
Ich denke, es geht nicht so sehr um die Pomade im Haar, sondern darum, dass mit einer bestimmten Art von Frisur eine Aussage verbunden ist. Mit dem Dutt genauso, wie mit dem Scheitel. Die Menschen mit Dutt müssen noch erreichen, was die mit Scheitel schon erreicht haben.
Einen Anzug kann jeder tragen. Das allein macht aber keine Herrengarderobe. Auch Clowns tragen Anzüge. Ab und an ist unter den Clowns mal ein Künstler - es gibt ja auch gute Clowns.
 

John_Jarndyce

Well-Known Member
Was für eine langweilige Wende des eigentlich interessanten threads.

Es reicht schon immer (also klassisch quasi) und auch hier ein einziger Langweiler, der mit den immerwährenden gleichen langweiligen Kommentaren um sich wirft, um lebhafte (und mittlerweile ja schon langdauernde) Diskurse abzuwürgen.
Na ja, was soll's.

Mit den Langweilern ist es wie mit den Touristen - es sind grundsätzlich die anderen.
 

proteus

Active Member
Wie ungewöhnlich, eine Grundsatzdiskussion ( der sich der Threadstarter bereits wieder entzogen hat ).

Für mich definiert "Stil" zunächst einmal den eigenen, ich denke, so ist es bei den meisten Anwesenden ebenfalls. Und, ähnlich wie im Oldtimer / Uhren / Comic / Gartenforum, gibt es einen gewissen Minimalkonsens.
Sicher wird im Uhrforum der Casio ICE Träger wahrgenommen, seine Fragen werden beantwortet, aber ist das eine richtige Uhr? Nach Empfinden der meisten Mitglieder sicher nicht. Der Comicleser der aktuellen Superman Edition ist bestimmt nicht der gesuchte Sammler im Kreis der klassischen DC Sammler.

Es gibt in jedem Forum einen Minimalkonsens, das dürfte einfach daran liegen, das Interessierte bleiben, andere feststellen, Ihr "Stil" findet hier weder Anklang noch Würdigung. So weit, so gut.

Bleibt die Frage, wie dieser Konsens aussieht.
Ich selbst bin SuSu gegenüber nach wie vor skeptisch, das wird am Alter liegen, am Körperbau und am persönlichen Geschmack. In einer Welt, in der die allermeisten in Turnschuhen, Jeans und Pullovern rumrennen, ist der Anzug als solches offenbar schon aussergewöhnlich genug, das man froh sein kann, den Leser für SuSu zu begeistern. Die Firma bietet preiswerte Verarbeitung, moderne (sic) Schnitte, ist leicht verfügbar und, letzen Endes, eher Fashion als Mode.

Andererseits ist es mir lieber, mit ein paar Hundert Leuten im Forum zu tun zu haben, als mit den 12-15, die Maßanzüge tragen, Zigarren erst ab 50 Euro/ Stück kaufen und jeden Rotwein unterhalb Petrus verachten.

Man könnte also festhalten, der Minimalkonsens ist der Anspruch, qualitativ möglichst hochwertige Ware zu bekommen, natürlich in dem Rahmen, den man sich leisten kann oder will. Sprich: SuSu statt Boss für das selbe Geld, Zigarren für 10 Euro, die Kubanern wenig nachstehen. Ist das verwerflich? Sicher nicht. Hat es mit Stil nach Oscar Wildes Definition zu tun ( "Immer nur das Beste" )? Sicher auch nicht. Es ist aber die Realität.

Denkt man an die zahlreichen Diskussion mit (neuen ) Usern, die mit Boss / Lloyd /Wilvorst Ansatz hier ankommen, versucht das Forum, was machbar ist. Man kann aus einem Eimer nur rausholen, was drin ist.

Natürlich könnte man auch nur über die Top5% diskutieren, über Brioni, Oxxford, Savile Row, Weine von Rotschild ( na ja ) und Aston Martin und Ferrari. Das ginge aber für 99% der Mitglieder an der Lebensrealität vorbei und würde zu fanatischen Diskussionen über ungelegte Eier führen. Ich hatte letztens eine hochemotionale Diskussion mit einem Rolexhasser, der selbst noch nie eine hatte.

Worüber sicher auch Konsens besteht, ist ein gewisser klassischer Ansatz, also die Herrenmode ( und Ihre Derivate ), die in den 20-30er Jahren in UK und GB entstanden ist, mit späteren italienischen Einflüssen. Dazu zählt der Derby eher als der Turnschuh, der Cardigan eher als das Sweatshirt. Natürlich gibt es auch modernere Einflüsse. Was soll aber in einem Forum, in dem vielleicht 5 Leute eine Baseball Cap tragen, auf die Frage: "Welche Basecap trage ich am Wochenende zum Hoodie?" an Antworten kommen?
Das führt natürlich zu einer gewissen Inzucht, wie in jedem Verein, in dem sich Leute mit gleichen Interessen treffen.

Der Dutt als solches ist, meiner Meinung nach, keine Frisur für einen Mann, das hat weniger mit meinem "klassischen Forenanspruch" zu tun, ich finde das einfach lächerlich, unmännlich und albern. Mir gingen in den 80ern schon die latschentragenden, fusselbärtigen Friedensaktivisten in Ihren selbstbestrickten Pullis auf den Geist, heute sind es die fusselbärtigen, metrosexuellen Laufleichen.
Ich bin alt genug, um mir gewisse Schrullen leisten zu können. Das ist meine Meinung, andere mögen gegensätzlicher Auffassung sein, das ist ihr gutes Recht. In diesem Spannungsfeld kann man dann trefflich streiten. Ich werde keinen überzeugen, die Haare auf ein maskulines Maß zu stutzen, mich bekehrt keiner zum Rastsafari Look.

Stellt sich die grundlegende Frage, was machen wir alle hier?
Die hier stattfindende Diskussion hatten wir in den letzten Wochen schon mehrmals, mittlerweile entfacht sich diese Grundsatzdebatte an nahezu jedem "brisanten" Thema. Ist halt so.

Ich glaube dennoch nicht, das es dem Forum zuträglich wäre, wenn hier die Hipster, Metrosexuellen und Streetwear Jünger einfallen, das wäre dann eher das GQ Forum.
 

bertone

Well-Known Member
:)
Klingt nach einer angenehmen und gepflegt-entspannten Freizeitbeschäftigung...

Noch ein Aspekt zum männlichen Dutt:
abgesehen von einer Häufigkeit in modisch vielfältigen Trendbezirken, kann der Dutt -je nach Alterskohorte- insbesondere eine gewünschte jugendlichere Optik verschaffen. Der entsprechende Effekt relativ straff zurückgelegter Kopfhaare mit einhergehender Gesichtshautglättung ist in der Stilwissenschaft als "Croydon Facelift" bekannt.

Wer möchte, kombiniert dazu passende "jugendliche" Anzüge, die aufgrund ihrer Slimfit-Schnitte und mit zu kurzen und engen Jacken sowie überproportionaler Beinbetonung einen optischen Zusammenhang zu längst verklungenen Knaben-Konfirmandenzeiten herstellen.

Die angestrebte, wohl durch diverse Hersteller-Trends getriggerte, 'sartorial eternal youth' lässt sich so aber natürlich auch nicht erreichen... ;)
 

bluesman528

Ruhrpotthanseat
Noch ein Aspekt zum männlichen Dutt:
abgesehen von einer Häufigkeit in modisch vielfältigen Trendbezirken, kann der Dutt -je nach Alterskohorte- insbesondere eine gewünschte jugendlichere Optik verschaffen. Der entsprechende Effekt relativ straff zurückgelegter Kopfhaare mit einhergehender Gesichtshautglättung ist in der Stilwissenschaft als "Croydon Facelift" bekannt.

Wer möchte, kombiniert dazu passende "jugendliche" Anzüge, die aufgrund ihrer Slimfit-Schnitte und mit zu kurzen und engen Jacken sowie überproportionaler Beinbetonung einen optischen Zusammenhang zu längst verklungenen Knaben-Konfirmandenzeiten herstellen.
Der männliche Dutt ist wegen der Notwendigkeit einer noch überwiegend vollständigen Haarpracht eh' eher ein Phänomen der jüngeren Altersgruppe. Und die brauchen dann auch noch keinen Haarzug-Facelift und tragen überdies auch - wenn überhaupt - lieber jugendlich wirkende sartoriale Kleidung, um sich von den alten Säcken ohne Haare und mit Bauchspeck abzusetzen, die dann natürlich im Gegensatz dazu auch generös geschnittene Kleidung zu Verhüllung bevorzugen. ;)

Ich glaube, der innere Zwang zur äußeren Abgrenzung von Gruppen, denen man wegen gefühlter Uncoolness nicht zugerechnet werden möchte, hat in den letzten Jahrzehnten schon die ulkigsten ästhetischen Verrenkungen produziert. Da sind Herrendutt und "junge" Hedi-Slimane/Thom-Browne-Anzüge noch eher harmlose Trends. ;)
 

apparatschik

New Member
Mit dem Männer-Dutt ist es wie mit allen Sperenzchen so eine Sache; es gibt sicher einige wenige Individuen, deren Persönlichkeit so stark ist, dass sie so etwas glaubhaft in den klassischen Stil integrieren können; da passt es dann - kein Problem. Aber für die weniger Gesegneten, die Masse der Mitläufer, kann es schnell ins Affektierte abdriften.

Nun ja, meine ganz persönliche Meinung zum Dutt bringe ich wohl am besten mit einem wunderbaren Lyrik-Werk zum Ausdruck ... dem mit rosa Textmarker geschriebenen "WARUM?" auf marmoriertem Din A4, niedergelegt von einem unbekannten Mädchen an der Gedenkstätte der Lady Di in Paris.
 

Beethoven

Well-Known Member
Mit dem Männer-Dutt ist es wie mit allen Sperenzchen so eine Sache; es gibt sicher einige wenige Individuen, deren Persönlichkeit so stark ist, dass sie so etwas glaubhaft in den klassischen Stil integrieren können; da passt es dann - kein Problem. Aber für die weniger Gesegneten, die Masse der Mitläufer, kann es schnell ins Affektierte abdriften.

Heutzutage scheint es zur Standardausstattung des menschlichen Charakters zu gehören, dass man sich für eines dieser besonderen Individuen hält.
 

Phoenix

Active Member
Heutzutage scheint es zur Standardausstattung des menschlichen Charakters zu gehören, dass man sich für eines dieser besonderen Individuen hält.
Oder man hält sich für einen Mitläufer, möchte aber dennoch Dutt tragen. Warum auch nicht? Besser als die heutzutage in jedem Hörsaal anzutreffende Basecap/Beanie ist er doch allemal. [emoji6]
 
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