Verschlissene Hemden zu neuem Leben erwecken

Als ich meine ersten Vollmaßhemden beim Atelier Bechtloff bestellte, kreiste vorab einer meiner Gedanken ganz sicher um die Wirtschaftlichkeit eines Maßhemdes. Im Hinterkopf hatte ich, dass ein Hemd mit der Zeit verschleißt und einem gewissen Lebenszyklus unterliegt. Würde es Sinn machen deutlich mehr als 200€ für ein einziges Hemd auszugeben? Der Preis erschien mir zu hoch, um ein Hemd durch häufiges Tragen dem schnellem Verschleiß hinzugeben und gleichzeitig kann man solch ein besonderes Hemd ja auch nicht nicht tragen.

Hemdkragen kaputt

Der Hemdkragen zeigt deutliche Verschleissspuren – so ist das Hemd nicht mehr tragbar.

Nun, wovor graute mir? Meist nutzt sich der Kragen mit der Zeit ab. Der Stoff, insbesondere im oben Kragenteil wo er verstärkt mit Haut und Barthaaren in Berührung kommt, scheuert durch. Je nach Häufigkeit des Tragens passiert das früher oder später. Gleiches gilt für die Manschette, in der Regel sind die Kanten irgendwann abgestoßen und unschön. Andere Hemdteile sind in der Regel nicht so stark vom natürlichen Verschleiß betroffen. Der Rücken, oder der Brustbereich etwas sind häufig noch makellos, wenn sich an Kragen und Manschetten bereits Abnutzungserscheinungen zeigen.

Der Stoff an der Umschlagkante der Manschette ist abgestoßen.

Manschette kaputt

Hemdmanschette kaputt

Hier sieht man die Verschleißspuren am Umschlag.

Der Ärmel und der Ärmelschlitz wären noch eine typische Stelle an der es zu Beeinträchtigungen kommen kann. Gelegentlich reißen Ärmelschlitze ein. So ist es mir jedenfalls passiert, als ich die Ärmel an einem Hemd hochkrempelte. Bei eine „falschen“ Bewegung riss der Stoff dann am Schlitz ein. Herr Bechtloff half mir anschließend ein Kurzarmhemd daraus zu machen – zum Wegschmeissen war mir das Hemd schlicht zu schade!

Wenn das Hemd schon einem solchen Lebenszyklus unterliegt, stellt sich die Frage wie man diesen möglicherweise verlängern kann. Dass sich Kragen und Manschetten abnutzen kann kein Grund sein den gesamten Hemd-Corpus zu entsorgen und ein neues Hemd anzuschaffen. Es wird Ihnen da vermutlich wie mir gehen, dass man auf manche Hemden auch nur sehr ungerne verzichten möchte, schließlich hat man sie ja vorher auch mit Bedacht ausgewählt und in seine Garderobe aufgenommen.

Eine einfache Antwort auf den Verschleiß von Kragen und Manschette: Ersetzen. Es ist für einen Hemdenschneider eine der leichteren Arbeiten den Kragen und die Manschetten sauber abzutrennen und einen neuen Kragen und/oder neue Manschetten aufzubauen und zu vernähen.

In der Realität trifft dieses Vorhaben auf eine Hürde. Insbesondere Stoffe aus gefärbten Garnen verlieren über die Zeit durch häufiges Waschen ihre Brillanz. Wenn man also einen neuen Kragen und neue Manschetten aus dem gleichen Stoff fertigt, selbst wenn es sich um eine Reserve vom gleichen Stoffbündel handelt, kann das bedeuten, dass man einen leichten Farbunterschied zwischen den älteren und den neueren Teilen ausmachen kann. Die Idee beim Bestellen eines Maßhemdes gleich eine Stoffreserve auf Seite zu legen, oder gar einen zweiten vollständig aufgebauten Kragen, ist zwar naheliegend empfiehlt sich jedoch aus diesem und weiteren Gründen nicht.

Was also tun?

Ein einfacher Ausweg aus diesem Dilemma: Den neuen Kragen und die neuen Manschetten aus weißem Stoff fertigen lassen – möglichst in gleicher Webart. Sprich ein Popeline-Hemd erhält einen neuen Kragen und neue Manschetten aus weißer Popeline. So entsteht ein Hemd mit Kontrastkragen und Kontrastmanschetten.

Ein zweites Hemd, das bereits mit Kontrastkragen und -manschetten ausgestattet wurde.

Derjenige, der sich bisher noch nicht an ein Hemd mit Kontrastkragen gewagt hat, der wird möglicherweise etwas Mut fassen müssen. Der Austausch verschlissener Krägen oder Manschetten gegen neue „Bauteile“ ist ein einfacher und günstiger Weg ein verschlissenes Hemd zu neuem Leben zu erwecken. Durchforsten Sie mal Ihren Kleiderschrank!

 

In Category: Hemden

Andreas Gerads

Andreas Gerads ist Gründer und Inhaber von Stilmagazin.de. Er schreibt seit 2008 regelmäßig über Stil, Kleidung und Genuss. Sein erste Inspirationsquelle ist das Buch "Dressing the Man" von Alan Flusser.

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