Hemden mit Kontrastkragen

Hemden mit Kontrastkragen bieten eine schöne Gelegenheit, abseits von Krawatte oder Anzug etwas Leben ins eigene Outfit zu bringen. Um damit aber nicht auszusehen wie Gordon Gekko auf Abwegen, gilt es, einige Details zu beachten. Welche, wann und warum — das erfahren Sie hier.

Historisch betrachtet war der weiße Hemdkragen Privileg derer, die ihre Kleidung nicht durch körperliche Arbeit verschmutzen konnten. In Zeiten von Waschmaschinen für Privathaushalte und vergleichsweise günstiger Kleidung sind solche Statusdifferenzierungen freilich passé. Erstaunlicherweise konnte sich das Hemd mit Kontrastkragen dennoch gerade in Branchen durchsetzen oder erhalten, die genau solche nicht körperlichen Tätigkeiten beinhalten. Die Kombination eines weißen Hemdkragens zum bunten Hemd entstammt einer Epoche, als der Kragen noch nicht Teil des Hemdkörpers war, sondern separat gekauft und an ein entsprechend konstruiertes Kragenband angeknöpft wurde. Heute ist diese Hemdform fast vollständig verschwunden. Lediglich im Bereich der festlichen Garderobe und in den Kleiderschränken einiger Liebhaber konnte sie sich noch halten.

Vor allem, wenn man den Kontrastkragen zu kräftig gemusterten Hemden trägt, sollte die Wahl der Krawatte möglichst dezent ausfallen, um das Outfit nicht zu sehr zu überfrachten. Eine groß gepunktete Krawatte aus bunter Seide zum auffälligen karierten Hemd mit Kontrastkragen wäre zu viel des Guten. Weniger ist hier mehr: Eine einfarbige Krawatte aus Wolle oder Seide fügt sich harmonisch in fast jedes Ensemble ein und hilft, die Kombination nüchtern und seriös genug für den Geschäftsalltag zu halten.

Ein Tipp zum Schluss: Der Kontrastkragen ermöglicht auch das Tragen ansonsten vielleicht etwas zu extravaganter Hemdstoffe, die durch den weißen Stoff um die Halsregion auf dem Boden der Tragbarkeit gehalten werden. Die Englische Businessmode ist seit langem bekannt für solche Hemden, namhafte Hemdenschneider in der Jermyn Street bieten sie oftmals auch in ihren ready to wear-Kollektionen an.




In Category: Hemden

Florian S. Küblbeck

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.

Show 11 Comments
  • Lars Hallatsch 14. Dezember 2010, 10:21

    Ich liebe Hemden mit Kontrastkragen – und manschette. Neben dem optisch Reiz haben diese Hemden den Vorteil, dass verschlißene Kragen und Manschetten (je nach Hersteller natürlich) auch noch dann ausgetauscht werden können, wenn der Stoff des Hemndkörpers bereits nicht mehr lieferbar ist.

    Allerdings… was ist schlecht an Gordon Gekko ;) ?!

    Herzliche Grüße

    Lars Hallatsch

  • Hans 14. Dezember 2010, 12:19

    Auf die Gefahr hin, hier verrissen zu werden: Mit Kontrastkragen lauft man sehr schnell in die Gefahr, fuer einen Geck, einen Aufschneider, einen Emporkoemling, einen arroganten Sack gehalten zu werden. Fuer understatement wuerde ich Kontrastkraegen nicht anziehen.

  • Balzac 14. Dezember 2010, 12:55

    Was ist eigentlich aus der Kolumne von Herrn Roetzel geworden?

  • Andreas Gerads 14. Dezember 2010, 13:36

    Die findet sich jetzt gelegentlich hier: http://www.gentleman-blog.de/

  • Change 15. Dezember 2010, 01:07
  • Nordlicht 15. Dezember 2010, 13:36

    Für mich gehören Hemden mit Kontrastkragen zu den Dingen, die „an sich“ ganz nett sind – aber im Zusammenhang mit dem Besitzer nicht. In 90 Prozent aller Fälle steckt in einem solchen Hemd ein unangenehmer Mensch. Deswegen fristen meine Hemden dieser Art auch ein Schattendasein im Kleiderschrank – neben den La Martina Sweatern.

  • v.K. 16. Dezember 2010, 17:17

    Wenn man nicht in die Verlegenheit kommt, den Kragen zu öffnen, finde ich anknöpfbare Krägen immer noch sehr tragbar. Bei Moville Clothing habe ich ein Hemd erworben und dazu einen Umlege- sowie einen Kläppchenkragen. – Ideal wenn man abends sich nur leicht umkleiden will; jedoch mit großem Effekt. Bromley (http://www.classicwardrobe.co.uk/Detachable-Collars.aspx) bietet eine berauschende Auswahl.

    Ob nun abknöpfbar oder nicht, die Variante blau-weiß gestreift mit weißem Kragen ist doch seriös und gut kombinierbar.

  • Ingo G. 1. Februar 2012, 18:26

    Absolut unpassend! Wie kann man für so ein Relikt auch nur ein einziges gutes Wort einlegen?

    Stilhorror frisch aus der Mottenkiste – Dabei kann man Videorecorder mit VHS und den Kassettenwalkman doch mittlerweile online versteigern damit das Zeug im Keller der Anderen rumliegt.

  • Pedro S. 25. Juni 2015, 16:43

    Meine Güte. „Nächste Haltestelle: Neonfarben und Schulterpolster!“

    Ein echter Grund, das Buch des Herrn Florian S. Küblbeck NICHT zu kaufen.

    Die Achtziger Jahre sind glücklicherweise vorbei. Ronald Reagan ist tot und VHS-Kassetten in grünen Kunstlederschubern wurden schon längst aus dem Wohnzimmer verbannt. Ein Relikt aus der Zeit von kiloschweren C-Netz-Telefonen und Autos ohne Kat und Airbag.

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