Orte und Events für einen Smoking

Newton

Well-Known Member
Vor ca. 1 Jahr war ich mit meinem lieben Schwiegermonster und meiner noch lieberen Frau beim Musical "Das Wunder von Bern".
Ich hatte das Gefühl die Attraktion des Nachmittags zu sein. Ich trug wohl als einzigster Besucher einen Anzug. Es wurde beobachtet und getuschelt und auch offen auf mich gezeigt.

Fast alle anderen Besucher hatten Jeans, T-Shirt oder Polo und dazu Sneaker an. Selbst die Leute, die in teuren Kategorien saßen, waren Kleidungstechnisch eine Katastrophe.

Es ist eine Schande.

Wobei ich auch am Abend nur Anzug tragen würden und keinen Smoking, selbst wenn ich einen hätte.



Ach, der Anzug war vermutlich gar nicht das Auffälligste, aber eine Krawatte und dann auch noch ein Einstecktuch! Das sind Dinge, von denen sich der Normalbürger doch zunehmend entfremdet [emoji6]
 

Siphunculus

Well-Known Member
Nach dem gestrigen Theaterbesuch mit meiner Frau waren wir geschockt wie die meisten Besucher erschienen sind.

Man hatte teilweise das Gefühl es würden umfangreiche Baumassnahmen durchgeführt bei denen sich die Handwerker locker unter die Theatergäste gemischt hätten.

Ich hatte lediglich einen dunklen Anzug mit Schleife aufgetragen und war so wahrscheinlich mit Abstand der bestgekleidetste männliche Besucher, das hat mich in diesem Fall allerdings nicht gefreut, sondern eher betroffen gemacht.

Gibt es denn überhaupt keinen Anstand, keinen Respekt mehr, sind wir in unserer "es ist doch ohenhin alles egal Gesellschaft" mittlerweile so weit gesunken.

Ist es tatsächlich völlig aus der Mode gekommen sich für einen besonderen Abend ein wenig zu bemühen um dem Anlass gerecht zu werden.

Ich habe hier im Forum irgenwo einmal den Satz gelesen "früher hatte jeder Arbeiter für Sonntags wenigstens noch einen Anzug im Schrank", daran musste ich gestern spontan denken.



Ich werde bei der kommenden Theaterveranstaltung ganz bewusst zum Black Tie greifen getreu dem Motto von able_archer "Es kommt wirklich darauf an, dass man sich darin wohlfühlt und den Smoking mit der entsprechenden Selbstverständlichkeit trägt." Für mich ist dies durchaus ein Statement gegen die Stillosigkeit...



Darf ich annehmen, dass sich aus Ihrer Empörung deuten lässt, Sie besuchen nicht allzu häufig ein Theater? Woher kommt sonst das Erstaunen? Die Gäste der Oper, und vielmehr des Theaters, tragen seit Jahren Freizeitkleidung zur gesellschaftlichen Abendveranstaltung.

Es juckt mich persönlich wenig, was die Herrschaften anzuhaben pflegen. Sehe ich (außer im Spiegel) einen Herrn im Anzug oder Smoking, freue ich mich jemanden zu sehen, der gerne Wert auf so etwas legen mag. Mich interessiert jedoch eher das ästhetische Hör- und Sehempfinden im Saal. Da ist meist das Licht knapp und ich muss niemanden außer die Schauspielerinnen und Schauspieler sehen. Ist mir sehr recht.
Wenn Sie gerne Smoking tragen, dann tun Sie das um Himmels willen doch bitte (ich trage ihn sehr gerne!). Aber kümmern Sie sich doch nicht so sehr um andere und ärgern Sie sich nicht über diese alte Leier à la 'Sittenverfall' und 'früher war mehr Lametta'

Und um zu Respekt zu kommen: Sicher haben ziemlich viele der 'Bauarbeiter' (warum soll der Bauarbeiter eigentlich so schrecklich uninteressiert sein?) ein Theaterabonnement und halten dem Haus seit Jahrzehnten(!) die Treue und helfen kräftig, den Laden zu finanzieren. Die gehen da nicht wegen des gesellschaftlichen Ereignisses hin, sondern recht häufig, weil es Ihnen um die Kunst, die sie dort erfahren wirklich ernst ist. Das ist mir eigentlich lieber als einen zweiten Pinguin neben mir zu sehen, der ausnahmsweise mal 'korrekt' gekleidet ist


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chh

Well-Known Member
Musical "Das Wunder von Bern"

Zu einem Besuch eines Musicals mit dem Namen "Das Wunder von Bern" müsste man mich hinprügeln!

Trotzdem ein Kleidungsvorschlag: Trikot Deutschland mit kurzen Hosen und Stollenschuhe.
Ohne EST
 
Warum denn immer in Kategorien wie "besser/schlechter" denken?
Sofern auch der Bräutigam ordentlich und angemessen gekleidet ist, würde ich sagen: anders.
Meine Frage ist damit noch nicht ganz beantwortet.
Ist das legitim, wenn der Dresscode bspw. "dunkler Anzug/kurzes Kleid" lautet?
Oder wenn gar kein Dresscode angegeben ist?

Mein Anstand streubt sich dagegen, bei oben angegebenen Dresscode im Smoking zu erscheinen - bpsw. auch, weil "kurzes Kleid" nicht das weibliche Pendant zum Smoking ist, und meines Erachtens nicht stimmig aussieht, wenn die Angetraute im kurzen Kleid neben einem selbst im Smoking erscheint.

Zudem würde ich es grundsätzlich für angebracht halten, das Brautpaar vorher zu fragen, ob man im Smoking erscheinen darf.

Als Frau erscheint man auf einer Hochzeit doch auch nicht einfach in einem weißen Kleid.

Stehe ich da mit meiner Auffassung so alleine da?
 

auditus

Member
[...]


Und um zu Respekt zu kommen: Sicher haben ziemlich viele der 'Bauarbeiter' (warum soll der Bauarbeiter eigentlich so schrecklich uninteressiert sein?) ein Theaterabonnement und halten dem Haus seit Jahrzehnten(!) die Treue und helfen kräftig, den Laden zu finanzieren. Die gehen da nicht wegen des gesellschaftlichen Ereignisses hin, sondern recht häufig, weil es Ihnen um die Kunst, die sie dort erfahren wirklich ernst ist. Das ist mir eigentlich lieber als einen zweiten Pinguin neben mir zu sehen, der ausnahmsweise mal 'korrekt' gekleidet ist


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Guten Tag,

das haben Sie sehr schön gesagt.
Vor dem Studium erlernte ich den Beruf des Tischlers. Mein damaliger verehrter Meister fuhr durchaus vom Südhessischen bis tief nach Belgien hinein, um nur ja nicht eine hochspezielle Gemäldeausstellung zu verpassen. Besonders liebte er die Musik der Empfindsamkeit, einer vorklassischen Musikepoche, die auch heute, nach Harnoncourt und der Wiederbelebung historischer Aufführungspraxis, selbst eingefleischten Konzertgängern nicht ohne weiteres von den Lippen kommt.
In den frühen 1990ern hörte ich ein Konzert des Mannheimer Stamitz Orchesters (das Tubakonzert von Vaughan Williams nebst Dvoraks Neunter).
https://www.mannheim.de/de/kultur-erleben/musik/stamitz-orchester
Dessen Musiker sind allesamt Laien, das Programmheft listete stolz die Namen aller Mitglieder samt ihren bürgerlichen Berufen auf. Ich zählte nach. Mit Abstand am häufigsten im Orchester vertreten waren die Bäckermeister. Ein in vielerlei Hinsicht fordernder Beruf, mit dem schon das regelmäßige Besuchen und hellwache Durcharbeiten der Orchesterproben (Uhrzeit versus Lage der Arbeitszeit!) für viele von uns eine Herausforderung wäre. In meiner Verwandtschaft ist ein mittelfränkischen Bahnsteigabfertiger, dem Mozart und Beethoven alles sind.

Sommerliche Grüße
Peer
 
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