Traumpaar Sakko und Hose

In den Neunzigern war sie bei jungen Leuten völlig out: Die Kombination aus Sportsakko (oder Blazer) und Flanellhose. Gegen die coolen neuen Anzüge wirkte diese Paarung irgendwie nur noch bieder und altbacken. Heute ist die Kombination wieder voll im Trend und wird allerorten propagiert. Wer bisher mit Sakko und Hose keine Erfahrung gesammelt hat, sollte sich zunächst informieren. Denn es lauern ein paar Fallen.

Drei Arten von Sakkos eignen sich. Die authentische Tweedjacke aus England, das elegante italienische Sakko und der Blazer. Die Tweedjacke ist sozusagen das Original, die Briten haben es mal als Weekend-Outfit erfunden. Die Italiener machten das Landei stadtfein, indem sie den rauen Tweed gegen feines Kammgarn, Kaschmir oder Leinen austauschten. Da der zweireihige Blazer ursprünglich bei der Marine zu Hause war, kommt er meist in Dunkelblau daher. Die einreihige Variante diente ursprünglich als Clubuniform bei Rudervereinen, deswegen wird sie oft aus verrückt gestreiften Stoffen geschneidert. Beide Blazertypen glänzen häufig mit Goldknöpfen.

Der große Vorteil der Kombination ist ihre Vielseitigkeit. Denn ein und dasselbe Sakko wirkt mit jeder Hose ganz anders. Beispiel dunkelblauer Blazer. Das Teil, einreihig oder zweireihig geschnitten, kann mit diesen Hosen getragen werden: Dunkelgraue Wolle, hellgrauer Flanell, beiger Gabardine, Khaki-Chino, weinroter Cord, hellblaues Moleskin, rosa Twill oder Denim. Das ergibt acht Looks mit einem Sakko! Und wir haben noch lange nicht alle Farben durchgespielt.

Tweed bietet noch mehr Möglichkeiten. Schließlich gibt es das rustikale Streichgarngewebe in zahllosen Farben und Dessins. Das potenziert die Kombi-Möglichkeiten mit den Hosen. Aber Vorsicht: In einfallslosen Zusammenstellungen kann so ein kariertes Tweedteil reichlich bieder aussehen. Das gilt auch für den Marineblazer mit Goldknöpfen. Wenn Sie nicht aufpassen, sehen Sie damit aus wie die Karikatur eines Playboys. Deshalb bitte folgende Tipps beachten:

1. Bei Tweed authentische Teile kaufen
Ob nun aus dem Secondhandladen oder vom englischen Herrenausstatter – Tweedsakkos müssen authentisch sein. Pseudo ist bei den Teilen ganz fatal. Authentisch bedeutet leicht tailliert, Schlitz (in der Mitte) oder Schlitze (an den Seiten), drei Knöpfe aus Horn, leicht angeschrägte Taschen. Der Stoff ist rau und so hart im Nehmen, dass Sie ihn im Leben nicht abnutzen.

2. Vorsicht mit Anzugjacken
Auch wenn die Mode derzeit das Gegenteil behauptet: Anzugjacken sollten keinesfalls mit anderen Hosen als denen zu ihnen gehörenden kombiniert werden. Ausnahme sind natürlich blaue Anzugjacken, denn sie lassen sich nicht von blauen Blazern unterscheiden. Jacken aus typischen Businessanzugstoffen sind dagegen tabu, besonders Dessins. Also bitte niemals Chino und grauer Nadelstreifen.

3. Das sieht spießig aus
Was ist spießig, was nicht? Darüber lässt sich lange streiten. Über die folgenden Punkte gibt es aber keine Diskussion: Zweireihige Karosakkos, Blazer in Petrol, Senfgelb und Dunkelviolett, nagelneue Tweedjacken mit Lederflicken an den Ellenbogen, eingestickte Wappen auf Blazer-Brusttaschen, blaue Schalkragenstrickjacken mit Goldknöpfen.

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Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel schreibt über Herrenmode und verschiedene Stilfragen. Der Bildband "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" ist seine bekannteste Publikation, sie liegt in fast 20 Übersetzungen vor.