Interview mit Ryota Hayafuji

Jakub Królikowski: Was hat Sie dazu angetrieben, Schuhmacher zu werden?

Ryota Hayafuji: Ich mochte es schon immer, Sachen mit der Hand herzustellen, z.B. Zeichnungen oder kleine Modellbauten; wohingegen ich mich nie sonderlich für Dinge wie Physik, Mathematik etc. interessiert habe. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit, ich fühle mich für sie berufen.

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JK: Und wie sind Sie Schuhmacher geworden?

RH: Mit 27 Jahren habe ich meine Ausbildung am Cordwainer’s College in England angefangen, dort verbrachte ich zwei Jahre und schloss die Schule mit einem Higher National Diploma in Footwear Technology ab. Während dieser Zeit lerne ich einen Hilfsarbeiter von John Lobb, George Cleverley etc. kennen, er wurde mein persönlicher Lehrer. Von ihm habe ich die Techniken gelernt, welche man nicht in Büchern finden kann.

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JK: Haben Sie besondere Erlebnisse in Bezug auf Ihren Beruf gehabt?
RH: Als ich nach Paris gezogen bin, hatte ich keine Arbeitserlaubnis und habe in der Werkstatt eines Freundes ausgeholfen. Eines Tages, während ich arbeitete, kam ein Mann herein, welcher Englisch sprach, was mich sehr erfreute, da ich zu dieser Zeit kaum Französisch konnte. Ich traf ihn später bei einer Geburtstagsparty wieder, auf welcher jeder Französisch sprach – außer ihm. Also fing ich an mit ihm zu reden, und er erzählte mir, dass er früher Kleidung für Musiker im Sloane Square und dem Londoner West End genäht hat. Es stellte sich heraus, dass es Malcolm McLaren [ein Freund von Vivienne Westwood und ehemaliger Manager der Sex Pistols, Anm. d. Red.] war. Ich bereue es immernoch, kein Autogramm mitgenommen zu haben (lacht).

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In Paris mochte ich ebenfalls sehr, Flohmärkte zu besuchen. Dort hatte ich eine Freundin, welche mich mit einem Mann verabredete, der mich wegen meiner Arbeit sehen wollte. Ich wartete wie verabredet vor dem Louis Vuitton Gebäude bei der Pont Neuf auf ihn; ich trug eine Adidasjacke und Jeans, war etwas schlampig angezogen. Der besagte Herr nahm mich mit in den sechsten Stock des Gebäudes – zur Berluti Werkstatt.

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JK: Warum haben Sie sich für München entschieden?
RH:  Es war per Zufall. Zuerst war ich zwei Jahre in London, dann zwei Jahre in Paris, danach zog ich wieder nach Japan zurück und arbeitete mehrere Jahre bei Tie Your Tie, aber ich vermisste Europa. Ich wusste das es sehr schwer war, eine Arbeitserlaubnis zu kriegen, ich recherchierte und fand heraus, dass es in Deutschland nicht ganz so unwahrscheinlich war. Ich kaufte mir einen Reiseführer, öffnete die Deutschlandkarte, und tippte blind mit dem Finger darauf – er zeigte auf München. Also versuchte ich ein Hotel zu finden, doch es war beinahe unmöglich, da es die Zeit vom Oktoberfest war. Ich blieb dann letztendlich erst nur einen Tag in München, aber es gefiehl mir sehr. Besonders das Bier (lacht).

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Text: Jakub Królikowski
Bilder: Marius Winterstein

Kategorie: Herrenschuhe

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