Trinkgeld in Deutschland

#1
Nachdem die Moderation zu Recht gebeten hat, das Thema Trinkgeld nicht in einem anderen Threat auszuwalzen möchte ich es hier zur Diskussin stellen. eventuell kann auch jemand die passenden Beiträge reinkopieren.

1. es wird behauptet, dass es in Deutschland eine (ungeschriebene) Regel gibt, dass 10 % Trinkgeld im Restaurant gezahlt werden.

Obwohl meine Familie bereits in xter Generation in Deutschland essen gehe (ich habe das Glück, aus einem Haus mit bescheidenem Wohlstand seit mehreren Generationen zu kommen) und ich selbst von eigenem Geld seit mindestens 30 Jahren, kenne ich oder meine Familie diese Regel nicht. Ich kenne es so, dass aufgerundet wird, wenn der Service gut war. Es ist Trinkgeld kein Lohn, wie in den USA, wo ein Prozentsatz üblich ist. Im Ergebnis heißt das je höher die Rechnung, desto weniger Prozentual das Trinkgeld.

2. Ich habe festgestellt, dass sich Wirte (ebenso wie Friseurmeister) heute nicht mehr scheunen selbst Trinkgeld zu nehmen. Dies war früher verpönt. Wenn man sagt "für die Angestellten", wird man teilweise komisch angesehen. Wie handhabt Ihr das?
 

Duke

Active Member
#2
Ich gebe gerne Trinkgeld.
Mittlerweile allerdings vermehrt und auch mehr als die genannten 10%, meinem Frisör, Handwerkern oder anderen Dienstleistern die gute Arbeit verrichten.

In der Gastronomie wie auch sonst nur dann wenn halt guter Service geboten wurde.

Per se und nur weil man es halt macht, bekommt von mir niemand Trinkgeld.

Die Argumentation, das bestimmte Berufsgruppen in Deutschland ohne Trinkgeld zu wenig verdienen kann ich nicht ganz nachvollziehen ( verstehen schon ). Wenn ich einen Job antrete weiß ich was ich dafür bekomme.
Meist ist es halt auch so das > Qualifikation + Verantwortung > Lohn.
Und es mag arrogant klingen, vielleicht ist es das auch, aber es ist nicht so gemeint, ich bin nicht für das Auskommen eines Kellners verantwortlich.
Das ist er selbst.
 

Stromb.oli

Gast
#4
Trinkgeld gebe ich nur, wenn der Kellner besonders nett war, das Essen besonders gut etc. Liefert er mir 08/15 nur das Essen ab, sehe ich das als Dienstleistung, die in meiner Rechnung mitbeglichen wird. Ich gebe auch dem Bäcker kein Trinkgeld. Finde es seltsam, warum mit Selbstverständlichkeit Trinkgeld erwartet wird. War der Keller unhöflich etc, gibts 2 Cent.
Wenn ich irgendwo zB nur etwas für 3-5€ trinke, gebe ich kein Trinkgeld. Sehe auch ehrlich keinen Grund dafür. Wiki sagt

Die Höhe des Trinkgeldes beträgt in der Gastronomie üblicherweise 10-15 % der Rechnungssumme,[1] ist aber von der Zufriedenheit des Gastes abhängig. Ist der Gast nicht zufrieden, kann er weniger oder gar kein Trinkgeld zahlen, ohne dass er hierüber Rechenschaft ablegen muss.
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
#5
Ich lege mal selbst Hand an (ich hoffe für BeHappy ist es ok):
Ich finde die Diskussion der letzten 5 Seiten dieses Threads nur peinlich.

Wer einlädt, zahlt.

Selbstverständlich gibt es in Deutschland eine Regel die 10 % Trinkgeld besagt, wenn es sehr gut war, sogar aufgerundet auf den nächsten € 50,00 Schritt. Ich wüßte nicht wann das abgeschafft worden wäre.

Im Gegenteil ist es eine gute Idee, der Servicekraft vorab € 20,00 zuzustecken, in der Erwartung gesteigerter Aufmerksamkeit. Mir sind doch Vergütungen und Tarifverträge egal, ich möchte das meine Gäste, die auf meine Einladung mit mir speisen, sich größtmöglich wohl fühlen.

Schlechten Service mit 2 Cent vergüten macht einen selbst ja nur lächerlicher als die schlechte Servicekraft. Da gibt man 10 %, geht nicht mehr hin und erzählt auch seinen Freunden besser nicht da hinzugehen.

Was das ganze Gerede jetzt im Damenthread verloren hat, verstehe ich nicht mehr.
Einer Servicekraft 20 € vorab zu geben, damit sie Ihre Arbeit richtig macht würde ich persönlich so nicht machen. In einem guten Laden sollte das auch nicht notwendig sein.

Ich bin erstaunt, wie freigibig viele sind. Ich habe neulich von einem älteren sehr wohlhabenden Bekannten zu hören bekommen, dass ich zu großzügig mit dem Trinkgeld sei und ich bin schon echt knauserig. Scheint ein Generationenproblem zu sein. Eine Generation schafft das Geld ran, die andere gibt es aus.

Um so erstaunlicher finde ich auch es deswegen, als dass man früher (vor 20 Jahren) bei weitem nicht so viele junge Menschen in Restaurants essen sah, wie heute, andererseits die Preise in der normalen Gastronomie so hoch sind, wie vor nur 14 Jahren (Währungsreform) im Puff: über 2,50 € = 5 DM für ein Bier ist heute Standard in der Großstadt.
 
#6
Wenn ich irgendwo zB nur etwas für 3-5€ trinke, gebe ich kein Trinkgeld. Sehe auch ehrlich keinen Grund dafür. Wiki sagt



Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Wiki sagt auch:
"Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm (1854) wird darauf hingewiesen, das „trinckgeld“ schon im 14.Jahrhundert überreicht wurde und definierte Trinkgeld als „kleinere Geldsumme für außer der Regel geleistete Dienstverrichtung, ursprünglich zum Vertrinken (bibale), auch Biergeld genannt“."

So sehe ich das auch. Ich bin alt :eek:
 

Stromb.oli

Gast
#9
Auch wenn ich mich ja an der Diskussion beteiligt habe, aber peinlich finde ich das "streiten" über Beträge in Höhe von +/- 5€ ja schon. Noch peinlicher finde ich es aber, die Rechnung aufzurunden oder Sprüche wie " Und 5€ sind für Sie".
Über Geld rede ich ungern, deswegen lasse ich das Trinkgeld auch einfach am Tisch liegen.
 

bertone

Well-Known Member
#10
Ich habe neulich von einem älteren sehr wohlhabenden Bekannten zu hören bekommen, dass ich zu großzügig mit dem Trinkgeld sei
Das hat mir neulich die Thekendame in dem Musik-/Wohnzimmerclub meines Vertrauens auch mitgeteilt (kennt sie sonst wohl nur von den nicht so Nüchternen bzw. eher anders, wenn letztendlich der Deckel abgerechnet wird und nur noch ein knapper bis guter € bleibt...)


Ansonsten:
Kommt darauf an, mal entsprechend aufrunden oder Wechselgeld zurückgeben lassen und bspw. einen 5€-Schein mit "Dankeschön" oder anderer wertschätzender Formulierung(Floskulierung?) als Trinkgeld-Geste geben.

Paketbote: je nach Kleingeld in Reichweite 1,50-2€, natürlich nicht immer, weil er sonst bei den Nachbarn nur Kurzvisite macht und der Flur zur (vorweihnachtlichen) Packstation wird...:rolleyes:

Schornsteinfeger: bekommt immer 2,50-3€ "für einen Kaffee", weil er i.w.S. vorweihnachtlich bei den meist schon recht niedrigen Temperaturen unterwegs ist.

Fragende am Bahnhof etc. (thematisch hauptsächlich nach Art des o.g. "Biergeldes"):
Eigentlich immer je nach Klingelgeld-Anhäufung in der Tasche und Laune.
Der OldSchool-Sandler von neulich bekam für die Frage nach "50 Pfennige" direkt mal 2€. :cool:
Die beiden Punkmädchen mit der lustigen Geschichte, dass sie nicht zu ihren Eltern nach Hause könnten, weil sie gerade "heute gemerkt haben, dass wir uns lieben und Geld für dier Hochzeit in der nächsten Woche brauchen" :D konnten sich dann über eine Handvoll Wechselgeld ~1,77€ und ein Weihnachtsfeier-Präsent (Dornfelder, 0,25l) freuen.
Der Obdachlose, den ich öfters beim nächtlichen Heimweg in seinem bevorzugten Hauseingang sehe und der einigen Menschen freundlich zunickt, wollte letzten Dezember zwischen den Jahren partout nicht 5€ annehmen, auch nicht auf direkte Nachfrage ?
Der Typ neulich, der offensichtlich auf Clubtour war (schwarzer glänzender Anzug und vermutlich nicht nur durch Getränke berauscht) und jetzt völlig pleite 7,50€ für den Fahrschein sammeln wollte, bekam 1€ inkl. der Information, dass ein defekter Bankautomat kein Hinderungsgrund ist, wenn genügend Fahrschein-Automaten mit ec-Möglichkeit vorhanden sind und sein Zug in 5 Minuten fährt - wollte er allerdings nicht einsehen und verlangte pragmatischerweise, dass ich ja wohl "mindestens 5€ geben könnte"... -
Der Dreier-Trupp mit Akkordeon, Klarinette, Zupf- oder Saiteninstrument, der rasend schnell durch die Waggons zieht und, frei nach Loriot, "den Leuten ins Gesicht dudelt", bekommt von mir ein aufmunterndes (unbezahlbares) Lächeln oder Zunicken. :)

Soweit meine aktuelle Trinkgeld-Rundschau.
 
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