Sartoriales in der Literatur

Niels Holdorf

Active Member
Ich freue mich immer, wenn ich beim Lesen auf das eine oder andere sartoriale Detail stoße, sei es die Beschreibung eines ganzen Ensembles oder nur die korrekte Benennung des einen oder anderen Kleidungsstücks.
Da ich denke, dass es anderen Foristen ebenso geht, dachte ich, dass es interessant sein könnte, Leseerfahrungen zu teilen.

In letzter Zeit ist mir vor allem aufgefallen, dass Haruki Murakami ein Auge für Kleidung haben muss; obwohl seine Helden meistens eher unauffällige und nicht allzu erfolgreiche Typen sind, finden sich doch viele Beschreibungen von Eleganz in seinen Büchern, so z.B.:
- Tanz mit dem Schafsmann: der Sekretär des Yakuza (?)-Bosses wird als sehr elegant beschrieben, glänzende Schuhe, anderthalb Zentimeter Ärmel aus dem Jacket
- Naokos Lächeln: Der Held "wirft sich nur schnell ein hellblaues button-down-Hemd und ein Tweedjacket" über
- Mister Aufziehvogel: desert boots und Dufflecoats werden erwähnt; außerdem wird der Held von einer geheimnisvollen Dame neu eingekleidet, Mit Anzügen, die er "nie im Büro hätte tragen können", da sie viel zu elegant waren; sowie englische Schuhe
 

RichardS

Member
In sämtlichen Ian Fleming-Romanen finden sich verhältnismäßig detaillierte Kleidungsbeschreibungen. Interessanterweise wird die Kleidung der "villains" sehr genau (zT auch mit Herstellerfirma) beschrieben, während die Kleidung von Bond eher oberflächlich behandelt wird.
 

Florian S. Kueblbeck

Active Member
In sämtlichen Ian Fleming-Romanen finden sich verhältnismäßig detaillierte Kleidungsbeschreibungen. Interessanterweise wird die Kleidung der "villains" sehr genau (zT auch mit Herstellerfirma) beschrieben, während die Kleidung von Bond eher oberflächlich behandelt wird.
Sinngemäß (wenn auch aus einem der Filme):

Someone: Nice suit, who made it?
Bond: My tailor. In Savile Row.
 

Dedalus

Member
Eine wahre Fundgrube detaillierter (und ironisch überspitzter) Kleidungsbeschreibungen ist der Roman "American Psycho" von Bret Easton Ellis. Auch unabhängig davon ein trotz seines zweifelhaften Rufs sehr lesenswertes Buch.

Grüße

Dedalus
 

Niels Holdorf

Active Member
Sinngemäß (wenn auch aus einem der Filme):

Someone: Nice suit, who made it?
Bond: My tailor. In Savile Row.

Welcher Film denn?

Eine wahre Fundgrube detaillierter (und ironisch überspitzter) Kleidungsbeschreibungen ist der Roman "American Psycho" von Bret Easton Ellis. Auch unabhängig davon ein trotz seines zweifelhaften Rufs sehr lesenswertes Buch.

Grüße

Dedalus

Klar, hier ist das Thema omnipräsent. Mich interessieren allerdings mehr beiläufige Einflechtungen, das signalisiert, dass es einfach ein natürlicher Bestandteil des Alltagslebens ist.
Fitzgeralds The Great Gatsby kann man natürlich auch nennen, Daisys Tränenausbruch über Gatsbys "beautiful shirts" sind sicher jedem bekannt, der sich für Stil und Literatur interessiert; hier ist das Thema aber auch wieder sehr präsent.
 

Jerick

Well-Known Member
@Sander: Wenn meine Erinnerungen mich nicht täuschen, dürfte das Zitat aus Dr. No stammen. Da kommt es jedenfalls mE zu einer ähnlichen Situation.
 

flamboyance

Gast
Christian Kracht schildert in "1979", wie Schuhe von Berluti einen Härtetest im Iran nicht bestehen.
In "Faserland" wird noch mehr mit Marken umhergeworfen, Barbourjacken, Kiton-Sakko etc.
 

bertone

Well-Known Member
Thomas Bernhard hat auch einiges zu bieten (Masskleidung/-fertigung war teilweise recht bedeutend in seinem Leben).
Zum Beispiel die Episode aus "Wittgensteins Neffe":
Paul Wittgenstein hat sich bei Knize zwei weisse Fracks anmessen lassen.
Als diese fertig sind bestreitet er die Bestellung, da dies doch absurd sei, "ob die Firma gar glaube, er sei verrückt?" -
Tatsächlich hat er monatelang Änderungen der Fracks vornehmen lassen und "landete nach dieser Affäre wieder in Steinhof".

oder: Zegna und Zimmerli in "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen"
 

Florian S. Kueblbeck

Active Member
Thomas Bernhard hat auch einiges zu bieten (Masskleidung/-fertigung war teilweise recht bedeutend in seinem Leben).
Zum Beispiel die Episode aus "Wittgensteins Neffe":
Paul Wittgenstein hat sich bei Knize zwei weisse Fracks anmessen lassen.
Als diese fertig sind bestreitet er die Bestellung, da dies doch absurd sei, "ob die Firma gar glaube, er sei verrückt?" -
Tatsächlich hat er monatelang Änderungen der Fracks vornehmen lassen und "landete nach dieser Affäre wieder in Steinhof".

oder: Zegna und Zimmerli in "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen"
Th. Bernhard war selbst auch ein Stilafficionado.
 
Oben