Welche Schuhe für Einsteiger? Ein Vergleich.

In den letzten Jahren drängen zunehmend Anbieter hochwertiger Schuhe der sogenannten Einstiegsklasse zwischen 150 und 250 € auf den Markt. Die Zielgruppe, die diese Schuhe kaufen soll, sieht sich jedoch oft verwirrt: „Worauf sollte ich beim Kauf achten? Wann passt der Schuh? Welche Stilrichtung möchte ich einschlagen? Was Bedeutet rahmengenäht eigentlich?“ Das sind nur einige der Fragen, die Einsteiger ins Thema Herrenschuhe nicht nur sich sondern auch der Stilmagazin-Redaktion häufig stellen. Hier sollen nun anhand zweier Anbieter konkrete Einblicke gegeben werden, worauf der Käufer achten kann oder soll, um den richtigen —und vor allem passenden— Schuh zu finden.

Um lange Freude an und Nutzen von den Schuhen zu haben, sollten sie, bevor auch nur ein Wort über Optik und Preis, Stilschulen und Macharten fällt, eines: gut passen. Achten Sie auf einen festen Sitz an Rist und Ferse, ausreichend Platz um den Vorfuß (hier gilt die Faustregel: Ihre Zehen sollten „Klavier spielen“ können), eine sauber schließende Schnürung und ausreichend Halt um den Mittelfuß. Gehen Sie einige Schritte: Haben Sie Probleme beim Abrollen? Zu wenig oder zu viel Platz —beides resultiert in Schmerzen auf den Zehen— am Vorfuß? Dann nichts wie weg mit den Schuhen! Ein gut passendes Exemplar sollte den Fuß stützen, aber weder unnötig einengen noch zu locker sitzen. Der Lederschaft sollte möglichst glatt am Fuß anliegen, um Druckstellen zu vermeiden. Sind diese elementaren Fragen geklärt, können Sie sich sprichwörtlich einen Schritt voran wagen: Dabei sollten Sie sich bewusst machen, wofür Sie den Schuh benötigen. Wetterfeste Norweger sind für den Geschäftsalltag wohl ebenso schlecht geeignet wie grazile Oxfords für Waldspaziergänge.

Im beruflichen Umfeld ist man mit einem offen oder verdeckt geschnürten Captoe mit nur sehr wenig gestanztem Zierwerk meist gut beraten. Die Form des Schuhs sollte nicht nur zu derjenigen Ihres Fußes, sondern auch zu Ihrem gesamten Erscheinungsbild passen: Kleine Füße vertragen sich beispielsweise besser mit verlängerten Leistenformen als große, besonders weite Hosenschnitte verlangen eher massives Schuhwerk, und so weiter. Hier nun also ganz konkret zwei Empfehlungen für Schuheinsteiger:

Oxford mit Plastron in braunem KalbslederJ. Loic Orange bietet französisch inspirierte, maschinell rahmengenähte (Goodyear-Verfahren) Herrenschuhe ab 189 € an. Die Schuhe sind, um dem Kunden ansprechende Preise bieten zu können, ausschließlich im Versandhandel erhältlich. Um eine optimale Passform sicherzustellen, können zwei Paare unterschiedlicher Größe Preis von einem bestellt und das nicht passende kostenlos retourniert werden. Schuhe von J. Loic Orange sind stilistisch ganz unverkennbar der französischen Schule verpflichtet: Die Leistenform ist insgesamt schmal und verlängert, mit leicht zugespitzter Karréekappe. Die gesamte Erscheinung des Schuhs ist, von der dünnen Sohle mit getunnelter Dopplernaht über das weiche Leder bis hin zur schlanken Gelenksregion, dezidiert elegant. Zum schmal geschnittenen Anzug aus feinem Schurwolltuch passen sie hervorragend, zum sportlichen Outfit mit schwerer Kordhose und grober Tweedjacke eher weniger.

Klassisch: Wiener Modell mit gelochter ZehenkappeDie stilistische Gegenposition vertritt einer der Pioniere auf dem Sektor der Einsteigerschuhe. Die lange Tätigkeit in diesem Markt bringt es mit sich, dass Handmacher mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum im Einzelhandel vertreten ist. Viele Schuhmacher bieten Schuhe von Handmacher als Abrundung ihres Sortiments an. Der Vorteil dieses Vertriebsmodells liegt darin, dass der potentielle Kunde vor Ort und vom Fachmann hinsichtlich der optimalen Größe beraten wird. Handmacher bietet drei verschiedene Leistenformen in je drei Weiten und zwei Risthöhen an. Zusätzlich stehen diverse Zuberhörteile zur Verbesserung der Passform zur Verfügung. Die Modellpalette deckt das gesamte Spektrum der österreichisch-ungarischen Schuhkultur ab: Derbies als full- oder halfbrogue, plain oder captoe, Norweger oder Loafer. Jedes Modell ist in zahlreichen Ledervarianten mit passendem Gürtel und komplementärer Aktentasche erhältlich. Die Formensprache bei Handmacher ist dezent und nah am Fuß: Die Leistenform ist leicht asymmetrisch und rundlich, mit eher breiter Gelenksregion und hoher Zehenkappe. Als Besonderheit bleibt noch zu erwähnen, dass Handmacher seine Schuhe nicht mit Rahmennaht, sondern grundsätzlich maschinell holzgenagelt anbietet. Bei dieser traditionellen ungarischen Machart ersetzt die Rahmen- und Dopplernaht eine oder mehrere Reihen gekochter Buchenholznägel. Der Vorteil liegt in erster Linie in einer einfacheren Reparatur (die übrigens beim Hersteller selbst durchgeführt werden kann). Zu einem Preis am oberen Ende des gesetzten Rahmens von 250 € und aufwärts bekommt man bei Handmacher einen soliden und zum Country-Outfit hervorragend tragbaren, zum scharf taillierten italienischen Anzug allerdings nicht ganz optimalen Schuh.

Jeder der vorgestellten Schuhe und Hersteller hat seine Vor- und Nachteile. Für welchen Sie sich entscheiden hängt damit in erster Linie vom persönlichen Geschmack und bevorzugten Einsatzgebiet ab. In jedem Fall sind beide Hersteller empfehlenswerte Anlaufstellen für den Einsteiger in die Welt der klassischen Herrenschuhe.

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Florian S. Küblbeck

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.