Tweed Magazin

Tittapå

Well-Known Member
Ist das ernst gemeint oder Satire?
Je tiefer man in das Thema eintaucht, desto mehr wird aus Satire Ernst ...
Die originäre Aufgabe der Presse ist es objektiv und unvoreingenommen über Themen zu berichten.
Daß man für Artikel bezahlt oder durch Werbung indirekt dafür sorgt, daß gewisse Themen überhaupt behandelt werden, ist eine Krankheit unserer Zeit und sorgt dafür, daß sich der Journalismus ad absurdum geführt hat und deshalb in vielen Bereichen auf dem Sterbebett liegt.
Problem erkannt und gut umschrieben.
Wie könnte man über ein Produkt, eine Firma oder eine Person schreiben, ohne Werbung dafür zu machen?
Antwort: Man könnte kritisch berichten und keine Hofberichterstattung durchführen.
Je logischer die Theorie, desto schwieriger die Praxis.

Je tiefer der Einblick, desto näher der Kontakt. Je näher man kommt, desto mehr wird gegengelesen. Übrig bleibt nur Positives. ergo, Werbung :)
 

Durlach

Member
Wie könnte man über ein Produkt, eine Firma oder eine Person schreiben, ohne Werbung dafür zu machen?

Antwort: Man könnte kritisch berichten und keine Hofberichterstattung durchführen.
Exakt. Und wenn man über Produkte berichtet, die nun mal naturgemäß von irgendjemandem hergestellt werden, müssen, dann könnte man wenigstens mehrere Anbieter berücksichtigen! Das hatte das alte TWEED 1.0 oft ganz gut hinbekommen ...
 

Tittapå

Well-Known Member
Sorry, Blödsinn!
Mag sein. Dann nenne mal ein Gegenbeispiel.

Allgemein bekannt sind ja die Leiden der Autozeitungen und auch der Technikzeitschriften.
Weder ein Autohersteller noch ein anderer Produzent würde in einer Zeitung eine Werbung schalten, wenn etwas schlechtes darin stehen würde.

Und wenn der Crocket&Jones Verantwortliche Einblicke gibt, und im Text dann steht wo es gleiche Qualität für weniger Geld gibt, wird es erst mal das letzte Interview gewesen sein, und die Werbung wird dann auch nicht geschaltet. Und da die Mitbewerber sich dem nicht stellen wollen, wars das für die Zeitschrift.
 

jabbadoo

Well-Known Member
Auch ich habe beim überfliegen dieser Zeitschrift oft den Eindruck „Gefälligkeitsartikel“ zu lesen.

In jeder Ausgabe werden Angebote der immer gleichen kleinen Geschäfte,
die relativ unspektakläres Whitelabeling betreiben
(irgendwo günstig einkaufen, dann eigene Etiketten einnähen lassen und das Erzeugnis unter dem eigenen Markennamen viel teurer weiterverkaufen)
vorgestellt.

Auch festigt sich bei mir seit längerer Zeit mein Eindruck,
dass ein von vielen sehr geschätzter Gentleman-Buchautor & Influencer,
der auch Verfasser nicht weniger Beiträge im TWEED-Magazin ist,

zusätzlich seinen „Freunden“ durch Interviews auf seinem Blog sowie dutzender nicht als Werbung gekennzeichneter Instagram-Postings in seiner Eigenschaft als Influencer zu großer Bekanntheit verhilft.
Dass diese Gefälligkeiten natürlich in jeder denkbaren Weise erwidert werden ist öffentlich bekannt.

Wer möchte kann sich gerne mal ein solches Interview durchlesen, für mich hat die Fragestellung einen sehr faden Geschmack.
Ob ein objektiver, unabhängiger, selbsternannter „feiner Herr“ und Journalist diese Fragen so stellen würde,
geschweige denn diese sonderbaren Antworten so veröffentlichen würde wage ich zu bezweifeln.

M.E. gibt sehr viele wenig bekannte, aber künstlerisch und handwerklich höchst anspruchsvolle Inhaber kleiner Manufakturbetriebe etc. zu entdecken,
deren Werke, Persönlichkeit, und oftmals interessante Lebenswege neue (Stil-)Inspirationen und Anreize bieten..

Kann ich nur bestätigen. Ich halte das Ding für fürchterlich flach und eigentlich eher eine Anzeigensammlung. So nach dem Motto: Produktmanager möchte Präsenz -> Advertorial. Auch Roetzel nehm ich hierbei längst nicht mehr ernst.

Wo sind denn da redaktionell richtig recherchierte Dinger, echte Knaller, die auch was voraussetzen? Bspw. ne Story über die Manufakturen bis hin zu meinetwegen einer Auflistung von Ripani und äquivalenten Kollegen? Sehr, sehr wenig.

Umlabelmarken werden gehätschelt, paar schöne Fotos, hurra es wird mit dem Chef künstlich bedeutsam gesmalltalkt - Allgemeinplätze, austauschbar. Die Leserschaft guckt ehrführchtig, während sich Chef und Blattmacher wahrscheinlich vor Lachen kringeln, dass jemand für so viel Werbung noch nen Zehner bezahlt.

P.S. Solche Grinsefotos oder ach so atmosphärische Atmosphäre schaff ich auch, hab ne 5D.
 

Sebel

Well-Known Member
Kann ich nur bestätigen. Ich halte das Ding für fürchterlich flach und eigentlich eher eine Anzeigensammlung. So nach dem Motto: Produktmanager möchte Präsenz -> Advertorial. Auch Roetzel nehm ich hierbei längst nicht mehr ernst.

Wo sind denn da redaktionell richtig recherchierte Dinger, echte Knaller, die auch was voraussetzen? Bspw. ne Story über die Manufakturen bis hin zu meinetwegen einer Auflistung von Ripani und äquivalenten Kollegen? Sehr, sehr wenig.

Umlabelmarken werden gehätschelt, paar schöne Fotos, hurra es wird mit dem Chef künstlich bedeutsam gesmalltalkt - Allgemeinplätze, austauschbar. Die Leserschaft guckt ehrführchtig, während sich Chef und Blattmacher wahrscheinlich vor Lachen kringeln, dass jemand für so viel Werbung noch nen Zehner bezahlt.

P.S. Solche Grinsefotos oder ach so atmosphärische Atmosphäre schaff ich auch, hab ne 5D.

Es gibt eigentlich nichts langweiligeres als die Szene der vermeintlich gehobenen Herrenkleidung. Ob Manufakturen oder Umlabelmarken, die erzählen alle so ziemlich die gleiche, immer wieder gehörte, platte Geschichte. Das kann doch keinen begeistern?
 

Plastronnadel

Well-Known Member
Abgesehen davon, dass da nix flimmert:

Der Unterschied wurde aus meiner Sicht schon oben erwähnt. Es ist die miese Qualität der Inhalte. Wo auch immer Henne und Ei liegen, aber den Inhalt von Zeitschriften bekomme ich in einer schnellen Onlinerecherche selbst und zwar umsonst. Und jedesmal, wenn ich mich in den letzten Jahren dazu hinreißen ließ, einige Euros in einer Zeitschrift zu investieren, war ich hinterher ob des Inhaltes maßlos enttäuscht und habe mich geärgert. Meist hatte ich den Eindruck, dass die Recherche hinter dem Artikel ein googlen war und das Resultat die Zusammenfassung unterbrochen von 70 Prozent Werbung. Dafür sollte kein Baum sterben müssen.
Man sehe sich bei der zweiten Ausgabe unter neuer Regie ganz genau die Anzeigen und Themen an.
Seltsam, seltsam, seltsam....
Letztlich bezahlt man eine toll gemachte Werbebroschüre sehr viel Geld.
Wer es braucht soll es kaufen, aber ich spare mir das Geld lieber für einen guten Espresso.
 

Matz

Well-Known Member
9,80 € für einen Espresso alle 2 Monate?
Ach, Gottchen, geht auch. :)

An alle (berechtigten) Kritiker:
Macht es besser!
 

MBuerkle

Active Member
Mag sein. Dann nenne mal ein Gegenbeispiel.

Ich komme ursprünglich beruflich aus dem Bereich Verlag/Journalismus. Die Situation kann ich schon ganz gut einschätzen.
Es ist völliger Unfug und widerspricht dem klassischen Journalismus, daß ein Journalist über gewisse Themen recherchiert und aufgrund von Sympathie Gefälligkeitsartikel schreibt, weil man sich "näher kommt" wie Du schreibst.

Dein Zitat:
Je tiefer der Einblick, desto näher der Kontakt. Je näher man kommt, desto mehr wird gegengelesen. Übrig bleibt nur Positives. ergo,

Diese Vorgehensweise ist (wenn überhaupt) die Ausnahme, nicht die Regel. "Gegenlesen" bedeut übrigens nicht, daß man den Artikel "rein wäscht", sondern das explizit auf inhaltlich Fehler geschaut wird.
Ein Artikel wird auch nicht "mehr gegengelesen", um so näher man sich kommt.
Der fertige Artikel wird dem Interviewpartner (wenn überhaupt) abschließend vorgelegt und dann ggfs. inhaltlich korrigiert.

Mir ist völlig bewusst, daß es im Bereich der Special-Interest-Titel in den letzten Jahren sehr häufig "Artikel gegen Anzeigen" umgesetzt wurden.
Aber das ist NICHT die Regel. Das würde der Leser auch schnell spüren. Daran kranken Magazine wie GQ, die fast ausschließlich Labels wie BOSS & Joop als "Gentleman"-Soße servieren.
 
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