Tweed Magazin

Newton

Well-Known Member
Nun ja, der Buchmarkt ist ja wegen der elektronischen Medien nicht eingebrochen. Auch die EBooks haben sich bis heute nicht wirklich durchgesetzt. Irgendwas scheint das bedruckte Papier wohl doch zu haben, was den flimmernden Pixels fehlt ... Keine Ahnung, warum das für Zeitschriften offenbar nicht gleichermaßen gilt.

Ich kaufe keine gedruckten Bücher mehr, nicht einmal Fachliteratur und ich habe seit Jahren keine Zeitschrift mehr ausgedruckt erworben.

MeineTochtet mag noch gebundene Bücher. Zeitschriften kauft sie keine. Mein Sohn kauft weder das eine noch das andere. Das mag nicht für alle gelten, aber es ist eine Indikation.

Eine Bekannte besitzt einen Buchladen. Sie ist zufrieden mit dem Umsatz, sagt aber auch, dass es inmer schwieriget wird, die jungen Erwachsenen für gebundene Bücher zu begeistern und ein wesentlicher Teil des Umsatzes aus Dekoartikeln unf ähnlichem stammt.
 

Diplomjodler

Well-Known Member
Keine Ahnung, warum das für Zeitschriften offenbar nicht gleichermaßen gilt.
Abgesehen davon, dass da nix flimmert:

Der Unterschied wurde aus meiner Sicht schon oben erwähnt. Es ist die miese Qualität der Inhalte. Wo auch immer Henne und Ei liegen, aber den Inhalt von Zeitschriften bekomme ich in einer schnellen Onlinerecherche selbst und zwar umsonst. Und jedesmal, wenn ich mich in den letzten Jahren dazu hinreißen ließ, einige Euros in einer Zeitschrift zu investieren, war ich hinterher ob des Inhaltes maßlos enttäuscht und habe mich geärgert. Meist hatte ich den Eindruck, dass die Recherche hinter dem Artikel ein googlen war und das Resultat die Zusammenfassung unterbrochen von 70 Prozent Werbung. Dafür sollte kein Baum sterben müssen.
 

Lektor

Well-Known Member
... Es ist die miese Qualität der Inhalte. Wo auch immer Henne und Ei liegen, aber den Inhalt von Zeitschriften bekomme ich in einer schnellen Onlinerecherche selbst und zwar umsonst ...
Statt unoriginell darauf hinzuweisen, dass einige Zeitschriften bessere Qualität liefern würden, wenn man sie denn kaufte – Henne und Ei – wende ich aus meiner Perspektive Folgendes ein:

In den vergangenen Wochen habe ich neben einigem Kleinkram vier größere Artikel für Zeitschriften verfasst und mit produziert. Ob sie wohlgeraten sind, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, du hättest ihren Inhalt kaum online recherchieren können. Einmal abgesehen davon, dass ich bei der Beobachtung meines Spezialgebiets diese Geschichten selbst entwickelt und, ganz gut vernetzt, die Auswahl tauglicher Quellen vorgenommen habe – es ist ja eine Funktion der Zeitschriften, Dich auf Themen aufmerksam zu machen, die Dir eben noch nicht bekannt sind – standen die von mir eingeholten wesentlichen Informationen eben nicht im Netz herum. Ich lasse Gesprächspartner zu Wort kommen, die sich sonst ungern, vor allem nicht zu heiklen Themen äußern. Für zwei Geschichten war ich mit einem buchstäblich ausgezeichneten Fotografenteam unterwegs, dazu kommen Bilder aus Datenbanken, aus denen sich auch andere Journalisten bedienen, die Dir aber nicht offen stehen. Von den in den Texten erwähnten Unternehmen übrigens, den Luxus leiste ich mir möglichst, wird sich kein Inserat im Heft finden.

Die Geschichten erscheinen in den kommenden Wochen. Bald darauf findet sich die ein oder andere davon sicherlich auch im Online-Auftritt des jeweiligen Magazins – mir sehr recht, kriege ich doch dort viel mehr Leserbriefe als im Print – und reichert dann kostenfrei Deine etwaigen Rechercheergebnisse an. Ich hoffe natürlich, dass dabei neben den Fakten auch ein wenig Lesegenuss transportiert wird, für den zu sorgen ich mir stets Mühe gebe. Weil aber manches nur hinter der „Bezahlschranke“ zu erreichen ist, anderes um Infokästen und Bilder verschlankt wird, bleiben Deine Recherchen, zumindest die schnellen, halt inaktuell und oberflächlich. Das macht nichts, wenn man mit 80, 60 oder 40 Prozent auch zufrieden ist. Nur muss man das dann wissen. Was Du beruflich so treibst, weiß ich nicht, denke aber, dass ich nach einer schnellen Netzrecherche und dem Konsum diverser Youtube-Tutorials ein paar Deiner Produkte/Dienste durch Eigenleistung ersetzen könnte – im vollen Bewusstsein, dass das Ergebnis irgendwo zwischen „na ja“ und „katastrophal“ läge.

Mir ist das Unverzichtbarkeits-Gehabe und -Gequake meines allemal sehr kritikwürdigen Berufsstands genauso unsympathisch wie das anderer erodierender Branchen. Und ich beteilige mich darum auch ungern daran. Aber ich glaube, manche Zeitschriften bieten – noch – deutlich mehr, als Du so ... merkst.
 

MBuerkle

Active Member
Dann ist es so, dass sich die traditionellen Handwerker nicht unbedingt in Magazinen präsentieren wollen, die auf deren nächsten drei Seiten sich ein Wochenendgeschulter MTM Spezialist austobt. Auch wenn er es gut macht.

Das Heft müsste daher klarer Profil zeigen.
Deine Aussage fordert ja de facto ein Magazin ausschließlich für / über Maßschneiderei, weil der gelernte Schneider eine berufsbedingte Aversion gegen MTM hat.
Das iss zwar nachvollziehbar, jedoch kommerziell für den Verlag wahrscheinlich noch deutlich sinnloser, als ein gemischtes Magazin.
 

Newton

Well-Known Member
Statt unoriginell darauf hinzuweisen, dass einige Zeitschriften bessere Qualität liefern würden, wenn man sie denn kaufte – Henne und Ei – wende ich aus meiner Perspektive Folgendes

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Mir ist das Unverzichtbarkeits-Gehabe und -Gequake meines allemal sehr kritikwürdigen Berufsstands genauso unsympathisch wie das anderer erodierender Branchen. Und ich beteilige mich darum auch ungern daran. Aber ich glaube, manche Zeitschriften bieten – noch – deutlich mehr, als Du so ... merkst.
Mir ist das Unverzichtbarkeits-Gehabe und -Gequake meines allemal sehr kritikwürdigen Berufsstands genauso unsympathisch wie das anderer erodierender Branchen. Und ich beteilige mich darum auch ungern daran. Aber ich glaube, manche Zeitschriften bieten – noch – deutlich mehr, als Du so ... merkst.

Das ist die große Herausforderung des Qualitätsjournalismus in der gegenwärtigen Zeit.

Information ist billig zu bekommen. Viele „Hobby-Journalisten“ und Influencer überschwemmen die Medienkanäle. Und zu erkennen, was wirklich originell und mehwertig ist, fällt oftmals schwer. Natürlich auch verbunden mit einer heute fest verankerten „kostenlos“ Kultur.

Zumal sich die Einstellung zur Informationsaufnahme grundlegend gewandelt hat.

Information aufmerksam zu konsumieren und darüber nachzudenken, gerät zunehmend in den Hintergrund. Information ist heute für viele eine flüchtiged Gut, welches nebenbei aufgeschnappt wird und ebenso schnell auch wieder vergessen wird.

Ich nutze beides, kostenlose Angebote und Angebot „hinter der Bezahlschranke“ jedoch beides Online. Dabei wechsle ich die Bezahlangebote immer wieder, da ich mit der Qualität teils unzufrieden bin und sich die Themen und Inhalte teils zu sehr gleichen. Manchmal findet auch hier zweite und dritte Verwertung statt, es wird leider überall gespart. Aktuell nutze ich ein Angebot, in dem auch hin und wieder ein „Lektor“ über Uhren berichtet :)

Ich habe schon den Eindruck, dass die Zeit der Printmedien dem Ende zugeht. Ähnlich der Ära gedruckter Fotos oder „gedruckter“ Musik. Auch nochmals verstärkt durch die Coronazeit, in der der Absatz von zB Tablets boomt.
 

Durlach

Member
Habe heute im Zeitschriftenladen die zweite Ausgabe von "TWEED 2.0" durchgeblättert - und wieder zurückgelegt. Das erst Mal seit Menschengedenken, dass ich das Magazin nicht kaufe. Die bieten einfach nichts mehr für ihre 9,80 Euro ...
 

Matz

Well-Known Member
Kann ich so nicht bestätigen.
Z. B. recht gutes Interview mit z.B. einem Verantwortlichen von Crocket & Jones.
Es holt auf, würde ich sagen.
 

Durlach

Member
Z. B. recht gutes Interview mit z.B. einem Verantwortlichen von Crocket & Jones.

Hm, bei derartigen Artikeln, wo eine Firma sich und ihre Produkte vorstellt, überkommt mich immer ein wenig der Verdacht der Schleichwerbung. Und was substantiell Neues konnte ich dem Artikel auch nicht entnehmen - gerade die Vorzüge von rahmengenähten Schuhen wurden in TWEED doch bereits mehrfach ausgiebig erörtert. Das dürfte nun wirklich jeder begriffen haben.
 
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