Stellenwechsel innerhalb der Firma

Cosmas

Active Member
Immer schön anpassen, immer mit dem Strom schwimmen, selbst mit Oberflächlichkeiten wie Kleidung bloß keine Angriffsfläche bieten.
Prinzipielle Zustimmung, allerdings weiß man als Rettungsschwimmen auch, dass es meistens eine schlechte Idee ist, gegen eine Strömung anzuschwimmen. Sicherlich gibt es Strömungen, gegen die ein geübter Sportler anschwimmen kann, aber wenn man sich unsicher ist, sollte man das lieber lassen. Und genauso darf man gerne mit seiner Kleidung (oder abweichende Meinungen) auffallen, sollte dann aber auch wissen, was man tut und das entsprechende Selbstbewusstsein dazu haben.

Ich trage auf Kongressen Anzug oder Mensware Uniform mit Krawatte, EST und beim eigenen Vortrag auch Manschettenknöpfe, einfach weil das für mich zur Atmosphäre dazugehört. Genauso, wie andere Kollegen dort konsequent in Jeans und Turnschuhen herumlaufen und weder ich noch besagte Kollegen erfahren damit irgendwelche Probleme. Allerdings sehe ich das eher als geschützten Raum an, in dem man um die gegenseitige fachliche Kompetenz weiß und diese schätzt. Ich kann dort aber auch mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein auftreten, weil ich weiß, dass sich meine Forschungen "sehen lassen können".

Auf der anderen Seite muss man gerade als (akademischer) Berufsanfänger noch viel lernen, gerade auch von nicht-akademischen Kollegen (Techniker, Pflegekraft, ...) und sollte das auch deutlich machen. Das schließt natürlich nicht aus sich vernünftig zu kleiden, ein gewisses understatement oder ja, auch eine gewisse Anpassung ist dabei meiner Erfahrung nach jedoch angebracht. Ich halte es in einer solchen Konstellation durchaus für sinnvoll, sich zu überlegen, welche Botschaft man mit seiner Kleidung sendet. Vor einigen Jahren habe ich ein Praktikum in einem Ingenieurbüro absolviert, in dem Kurzarmhemden und Jeans getragen wurden, dort selber ein langärmliges Hemd hochgekrempelt. Ich vermute, dass ich sowohl im T-Shirt als auch im Anzug zumindest in den ersten Wochen auf einige Startschwierigkeiten gestoßen wäre. Man muss sich nicht anbiedern und natürlich kann man auch im Anzug freundlich und zurückhaltend auftreten, mein Doktorvater trägt eigentlich immer Kleidung auf Forenstandard und hält trotzdem jeder Putzfrau die Tür auf. Ich denke aber, dass man zumindest für den Anfang gut damit fährt, sich vernünftig und gleichzeitig zurückhaltend zu kleiden, schließlich gibt es auch sehr schöne, weniger formelle Kleidungsstile. Wenn man dann fachlich soweit ist, dass Selbstbewusstsein nicht (mehr) wie Arroganz wirkt, freundlich auftritt und Interesse an seinen Mitmenschen hat, wird es vermutlich niemanden mehr stören, welche Kleidung man trägt.
 

bluesman528

Ruhrpotthanseat
@Cosmas: Ich bin ein großer Fan von der Vorstellung, dass jeder - völlig unabhängig von beruflicher oder sozialer Position, fachlichen Kenntnissen und den Vorstellungen einer Peer Group drumherum - eine gehobene Form von Bekleidung jederzeit mit freundlichem Wesen, Respekt für seine Mitmenschen und einem Mindestmaß an gesellschaftlicher Gewandtheit selbstverständlich vermitteln kann, weil es eben gar nicht darum geht, sich als etwas "Besseres" darzustellen, sondern einen ästhetischen Anspruch rüberzubringen. Dazu muss man den von manchen (meist unsicheren) Laien hergestellten Zusammenhang von sartorialer Kleidung und gefühlter "Rangordnung" aufbrechen und ich finde, das ist in den letzten 50 Jahren gesellschaftlich eigentlich schon so gründlich gelungen, dass man damit offene Türen einrennt, wenn man nicht gerade wie ein Pfau im Anzug herumstolziert.
 

Cosmas

Active Member
Im Ideal würde ich da zustimmen, aber in der Realität lässt sich doch nicht leugnen, dass mit einem gewissen Habitus, zu dem auch Kleidung gehört, zumindest bei neuen Kontakten eine Zuschreibung von Eigenschaften erfolgt. Im weiteren Umgang werden solche Fragen dann immer nachrangiger, insofern wird es meist bei einem im Unternehmen bekannten Mitarbeiter unabhängig von seiner Position unproblematischer sein seinen eigenen Stil zu verkörpern. Auch bei erfahrenen Quereinsteigern oder Personen, die privat an solche Kleidung gewöhnt sind, mag das funktionieren. Insofern würde ich nie jemandem raten, beruflich keine sartoriale Kleidung zu tragen oder sich zu verstellen, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man zumindest als Berufsanfänger/"Aufsteiger" immer Fehler machen wird und eine gewisse Unsicherheit ausstrahlen wird. Das kombiniert mit möglicherweise ungewohnt förmlicher Kleidung kann schnell in ungewollter Berühmtheit resultieren. Insofern würde ich in den meisten Fällen dazu raten, zunächst etwas Zurückhaltung zu üben. Das heißt nicht, dass man sich unästhetisch kleiden muss, mit Poloshirt, Chino und Raulederschuhe ist man, gute Passform und Qualität vorausgesetzt, auch gut gekleidet, sticht aber weniger heraus. Darauf kann man dann langsam aufbauen. Außerdem hat man, sofern wenig hochwertige Kleidung vorhanden ist, die Möglichkeit langsam aufzustocken, ohne ständig denselben Anzug tragen zu müssen.
 

bluesman528

Ruhrpotthanseat
Im Ideal würde ich da zustimmen, aber in der Realität lässt sich doch nicht leugnen, dass mit einem gewissen Habitus, zu dem auch Kleidung gehört, zumindest bei neuen Kontakten eine Zuschreibung von Eigenschaften erfolgt.
Das hoffe ich doch. ;) Ich bin damit immer gut gefahren.

Im weiteren Umgang werden solche Fragen dann immer nachrangiger, insofern wird es meist bei einem im Unternehmen bekannten Mitarbeiter unabhängig von seiner Position unproblematischer sein seinen eigenen Stil zu verkörpern. Auch bei erfahrenen Quereinsteigern oder Personen, die privat an solche Kleidung gewöhnt sind, mag das funktionieren. Insofern würde ich nie jemandem raten, beruflich keine sartoriale Kleidung zu tragen oder sich zu verstellen, aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass man zumindest als Berufsanfänger/"Aufsteiger" immer Fehler machen wird und eine gewisse Unsicherheit ausstrahlen wird. Das kombiniert mit möglicherweise ungewohnt förmlicher Kleidung kann schnell in ungewollter Berühmtheit resultieren. Insofern würde ich in den meisten Fällen dazu raten, zunächst etwas Zurückhaltung zu üben. Das heißt nicht, dass man sich unästhetisch kleiden muss, mit Poloshirt, Chino und Raulederschuhe ist man, gute Passform und Qualität vorausgesetzt, auch gut gekleidet, sticht aber weniger heraus. Darauf kann man dann langsam aufbauen. Außerdem hat man, sofern wenig hochwertige Kleidung vorhanden ist, die Möglichkeit langsam aufzustocken, ohne ständig denselben Anzug tragen zu müssen.
Wenn jemand unsicher ist und Fehler macht, wird das genauso registriert, wenn er Poloshirt trägt oder einen Anzug mit Krawatte. Vielleicht ist beim letzteren die Schadenfreude größer unter den Kollegen, die Kleidung nur als Instrument zur sozialen Distinktion verstehen, aber an den Fakten ändert es nichts. Idealerweise ist man nicht unsicher. ;) Wenn man das ist, wird einen Kleidung jedweder Form nicht retten, da stimme ich Dir vollkommen zu.

Aber ich würde formellere Kleidung nicht von beruflicher Leistungsfähigkeit abhängig machen wollen, denn da gibt es keinen Zusammenhang. Wenn man nur mal einen Tag einen Blick in die TV-Tagesschau wirft und sich Politiker in aller Welt anschaut, versteht man das auch sofort. ;) Ich glaube aber, dass sich die eigene berufliche Leistungsfähigkeit mit gut inszenierter formellerer Kleidung besser darstellen lässt, egal auf welchem Niveau. Aber das erfordert zugegebenermaßen neben der Kleidung auch eine gewisse Cleverness im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen, die ich implizit immer voraussetze, wenn ich für das Tragen sartorialer Kleidung werbe.

Davon abgesehen nehmen Menschen einen Wechsel der üblichen Kleidung viel stärker wahr als die Kleidung selbst. Von daher ist es - zumindest in derselben Umgebung/Firma - viel schwieriger, von Poloshirt zum Anzug "upzugraden" als gleich von Anfang an einen gewissen Wiedererkennungseffekt zu setzen und den dann nach Gusto weiter zu entwickeln.
 

As Time Goes By

Well-Known Member
Ich auch, vor allem Szenen wie diese, die auch sartorial eine Offenbarung ist: https://youtu.be/Iiyu9SeNTuA. Wir adaptieren das, indem wir die Dampfmaschin‘ durch „Einstecktuch“ ersetzen. Den Rest darf sich jeder dann selbst adaptiert vorstellen und die Rollen mit Protagonisten aus diesem Forum neu besetzten. Ich hätte auch eine Idealbesetzung für den lehrer, würde die aber ohne explizite Zustimmung des betreffenden Forista niemals preisgeben.
 

Lemmy1871

Well-Known Member
Ich auch, vor allem Szenen wie diese, die auch sartorial eine Offenbarung ist: https://youtu.be/Iiyu9SeNTuA. Wir adaptieren das, indem wir die Dampfmaschin‘ durch „Einstecktuch“ ersetzen. Den Rest darf sich jeder dann selbst adaptiert vorstellen und die Rollen mit Protagonisten aus diesem Forum neu besetzten. Ich hätte auch eine Idealbesetzung für den lehrer, würde die aber ohne explizite Zustimmung des betreffenden Forista niemals preisgeben.
Also haben wir schon eine Idee für ein Nach-Corona-Stilmagazintreffen: Reenactment der Feuerzangenbowle. ;)
 
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