Dolzer unter "Schutzschirm"

MBuerkle

Active Member
In Deutschland (https://de.statista.com/outlook/90060400/137/krawatten-fliegen/deutschland) ist eh' alles auf dem absteigenden Ast, was irgendwie traditionelles kulturelles Niveau hat, das man nicht in eigener Sache direkt oder indirekt monetarisieren oder in die persönliche Statuswahrnehmung investieren kann. Das ist von Kleidung ganz unabhängig und strahlt auch in den Bildungsbereich aus.

Es ist die Frage, ob "alles" auf dem absteigenden Ast ist. Gesellschaft wandelt sich und es gibt kaum ein Kleidungsstück, dass die letzten 500 Jahre überlebt hat. Und sind es eben die Statussymbole und Kleidungsstücke des 20. Jahrhunderts, die langsam über Bord geworfen werden. Das ist für Leute wie uns schade, aber normal und leider nicht zu ändern.
 

Newton

Well-Known Member
Veränderungen sind normal. Das gilt natürlich auch für Bekleidung. Doch diese Veränderungen sind nicht so radikal, dass von heute auf morgen bisherige Standards verschwinden. Sie werden stattdessen modifiziert, durchaus auch weiterentwickelt.

Was wir aktuell erleben ist vor allem eine Veränderung der Normen in der Berufskleidung, die auch in den Freizeitbereich ausstrahlt. Menschen, die bisher verpflichtet waren Anzug, Krawatte und Businessschuhe zu tragen, dies aber nicht aus Überzeugung taten, fühlen sich von einem Zwang befreit. Darum ist es in den meisten Fällen nicht schade, denn das was meist zu sehen war, war wahrlich selten eine Augenweide.

Die alte ungeliebte Uniform wurde somit bereitwillig abgelegt. Doch die vermeintliche Freiheit mündet schnell in einer neuen Uniformierung. Etwas Bunter und nun eben bestehend aus entweder Polo Shirt, Jeans und Sneaker oder Hemd, Pullover, Chino und Sneaker. Die Mutigen tragen dazu dann noch ihre Business Sakkos auf

Allerdings nehme ich aktuell bereits einen Gegentrend wahr:

Wenn Differenzierung nicht mehr über Polo Shirt, Jeans und Sneaker funktioniert, dann eben gerade jetzt wieder Anzug, Hemd und hochwertige Schuhe.

Einzig die Krawatte fristet weiterhin ein Schattendasein.
 

Newton

Well-Known Member
Ich wollte den vorherigen Beitrag nicht noch länger machen, daher die zweite Anmerkung gesondert.

Auch in Zeiten, in denen die Masse keine Anzüge mehr kauft, kann sich das Geschäft lohnen. Suitsupply ist das beste Beispiel dafür.

Bei Dolzer habe ich das letzte Mal vor 12 Jahren gekauft. Seither hat sich nicht wirklich viel geändert. Die Bestrebungen online zu gehen waren halbherzig. Stattdessen hat man versucht Kunden mit immer grösseren Rabatten zu ködern.

Dolzer ist eine der Firmen, die in der Mitte aufgerieben wurde. MTM ja, aber qualitativ am unteren Rand angesiedelt. Wer es sich leisten konnte, ging woanders hin. Im Süden beispielsweise zu Kuhn, zu Cove oder eben zum Breuninger oder zu Engelhorn wenn es auch RTW tat. Oder zu billigen Online Maßschneidern.

Dolzer hat es, wie auch Regent im oberen Segment, nicht geschafft, attraktiv für die kaufkräftigen jungen Kunden zu werden, weil sie nicht verstanden haben, was diese Kundengruppe überwiegend will - ansprechende Designs und Schnitte, body fit, hochwertige Stoffe in Asien billig geschneidert zu attraktiven Preisen. Dazu moderne Kollektionen, die auf der Höhe der Zeit sind, vor allem auch was deren Präsentation betrifft, so dass konstant neues Kaufbegehren geschürt wird.
 

MBuerkle

Active Member
Allerdings nehme ich aktuell bereits einen Gegentrend wahr:

Wenn Differenzierung nicht mehr über Polo Shirt, Jeans und Sneaker funktioniert, dann eben gerade jetzt wieder Anzug, Hemd und hochwertige Schuhe.

Einzig die Krawatte fristet weiterhin ein Schattendasein.

Dieser Gegentrend ist jedoch mehr gefühlt als real. Die Verkaufszahlen der Anzüge in Deutschland sprechen nicht dafür, daß hier aktuell zu einem großen Gegentrend kommt.
 

Newton

Well-Known Member
Dieser Gegentrend ist jedoch mehr gefühlt als real. Die Verkaufszahlen der Anzüge in Deutschland sprechen nicht dafür, daß hier aktuell zu einem großen Gegentrend kommt.

Du hast recht. Das ist noch wenig spürbar in Verkaufszahlen außerhalb der hiesigen Forumsmitglieder :)
Aber schau Dich mal in den Büros um. Ganz langsam bewegt es sich wieder weg von zu viel Schlabberlook. Das bedeutet nicht, dass es wieder so wird wie vorher, aber es kommt ein Gegentrend, in dem wieder mehr Wert auf die äußere Erscheinung gelegt wird. Braucht vermutlich noch so ein bis zwei Jahre bis das durchschlägt.

Um ein Beispiel zu nennen: Meine Mitarbeiterinnen finden Männer in Anzügen "cool" (und aktuell werden sehr wenig Anzüge getragen ...)
 

halbes Hemd

Active Member
An einen Trend hin zur Steigerung des Formalitätsgrades glaube ich persönlich nicht.
Aber auf beschädigungsfreie, gepflegte Kleidung will ich weiter hoffen.

Wenn mal eine (meist jüngere) Kollegin eine löchrige Jeans trägt (Kollegen trauten sich das bislang noch nicht), sage ich immer:
"Deine Hose ist kaputt. Soll ich Dir mal die Nummer von meinem Schneider geben? "
Wird verstanden - aber nicht ernst genommen und mit einem Grinsen quittiert.

Modetrends kehren sich um. Wer ein modischer Typ ist, wird vermutlich dem Trend folgen. Das Tragen abgeranzter oder bewußt beschädigter Kleidung ist aber nicht Mode sondern Armutsverherrlichung. Der Träger solcher Kleidung will damit etwas ausdrücken. Wer das heute gut findet, wird morgen nicht zu Anzug oder Kostüm greifen.

Um beim Thema zu bleiben:
Für mittelständische Anbieter gepflegter Herrengarderobe bleibe ich weiterhin 'bearish'
 

Guenter

Well-Known Member
… Wenn mal eine (meist jüngere) Kollegin eine löchrige Jeans trägt (Kollegen trauten sich das bislang noch nicht), sage ich immer: …
Ich bekomme zu den Schnitten und Löchern an den zunehmend gewagten Stellen kein Wort raus …
und das ist auch gut so.

… Das Tragen abgeranzter oder bewußt beschädigter Kleidung ist aber nicht Mode sondern Armutsverherrlichung. Der Träger solcher Kleidung will damit etwas ausdrücken. …
Sehe ich nicht so.
Es geht einfach plump nur ums Auffallen.
Gerade bei "Lochhosen-Trägerinnen" habe ich persönlich nicht den Eindruck …
 
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