Die richtige Hochzeitskleidung: Teil 1 - Der Anzug

proteus

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Zu keinem Anlass scheint die Unsicherheit der breiteren Masse an Männern so groß zu sein, wie bei der Wahl der eigenen Hochzeitsbekleidung.
Um zu vermeiden, das ständig die selben Fragen gestellt werden, die stets die selben Antworten erhalten, hier nun die wichtigsten Dinge zusammengefasst.

Grundsätzlich ist es so, das jeder zu seiner Hochzeit das tragen kann, was er möchte. Die Heavy Metal Fans werden vielleicht in Lederhose und Slayer T-Shirt heiraten, Manga Fans als Seiler Moon oder man gestaltet ein Kostümfest im Stil des Sonnenkönigs Ludwig. Von diesen Hochzeiten soll hier nicht die Rede sein.

Hier geht es um die „klassische“ Hochzeit in halbwegs festlichem Rahmen, zu der sich auch die Gäste „schick“ machen, also nicht im Flanellhemd und Jeans kommen. Dabei muss sich der Bräutigam bewusst sein, das er nur Staffage ist, also möglichst nicht ( unangenehm ) auffallen sollte, es geht hauptsächlich um die Braut. Er genüge sich an dem Gedanken, das es das Letzte mal sein wird, das die Frau im Mittelpunkt steht.

Die aufgeführten Hinweise sind, mit Abstrichen, auch gültig und anwendbar, wenn man als Gast zu dem feierlichen Ereignis geladen ist, mit der Einschränkung, nicht besser auszusehen als das Hochzeitspaar. Je nach Art der Hochzeit und Gäste, fällt das schwer. Hier ist Vorsicht angebracht. Im Tuxedo zu einer Abendveranstaltung zu erscheinen, bei der die Gäste mit hochgerollten Ärmeln und Turnschuhen Druckbetankung spielen, kann peinlich werden und ist auch nicht im Sinne des Erfinders. Hier gilt es, wie immer bei klassischer Herrenmode, Fingerspitzengefühl zu wahren, getreu dem Motto: „When in Rome, do as Romans do“

Natürlich kann das nur einen Grundstock vermitteln, es gibt zahllose Kombinationsmöglichkeiten, Individualisierungen und der eigene Geschmack spielt auch immer eine Rolle. Dieser Artikel wendet sich jedoch nicht an die Erfahrenenen, sondern soll dem Anfänger oder Unsicheren die ersten Schritte erleichtern.

Die eigene Hochzeit ist weder der geeignete Ort noch die geeignete Zeit, um mit Experimenten zu beginnen.


Heute ist es häufig so, das keine kirchliche Hochzeit mehr stattfindet, sondern nur noch die standesamtliche Trauung. Diese wird entsprechend festlich „aufgeblasen“. Letztlich handelt es sich aber nur um einen Verwaltungsakt, entsprechend sollte die Kleidung nicht zu festlich sein, aber das entscheidet das Brautpaar.

Ein paar Grundsätze gilt es zu beachten:

- Weniger ist IMMER mehr. Damit wäre schon alles gesagt.
- Man trägt niemals einen braunen Anzug zur Hochzeit, egal welcher Art, vor allem nicht zu seiner eigenen.
- Von jeglicher Art „Hochzeitsanzügen“ und allem, was von Wilvorst kommt, ist DRINGENDST abzuraten, das wird nie gut aussehen.
- Ein Smoking wird in Europa nur Abends getragen, bei Hochzeiten über Tag verbietet er sich. Gleiches gilt für den Frack.
- Sinn der Kleidung bei der Hochzeit ist nicht, auszusehen wie ein Clown, ein
Gebrauchtwagenverkäufer oder der Zauberer von Oz, sondern elegant und glücklich.
- Die Schuhe, gleich welcher Art, sind immer schwarz.
- Seine Kleidung farblich auf die Braut oder, als Gast, seiner Begleitung abzustimmen, ist spießig.
- Experimentieren kann man zu anderen Anlässen, man sollte auf altbewährtes zurück greifen. Zeit,
sich auszuleben oder zu verwirklichen, hat man immer noch.
- Bilddokumente der Hochzeit begleiten eines sein ganzes Leben und halten meist länger als die Ehe.
Dies gilt es zu bedenken, will man sich nicht irgendwann vor seinen Kindern blamieren.


Stellt sich die Frage, was man“n“ denn nun tragen sollte.

Anzug:

Eigentlich immer eine gute Wahl. Bei vielen wird es so sein, das Sie selten Anzug tragen, sich eventuell sogar verkleidet oder unwohl fühlen oder im täglichen Leben wenig Verwendung für einen solchen haben. Gerade dann sollte man auf Smoking oder Cut verzichten, dazu später mehr.

Wenn dem so ist, kann ich nur empfehlen, den Anzug einige Zeit vor dem Ereignis zu kaufen und schon einmal einzutragen, um am entscheidenden Tag natürlich zu wirken und sich darin wohl zu fühlen. Einen Anzug kann ich zudem auch weiter nutzen, die meisten werden für einen Tuxedo oder Cut nur selten Verwendung haben, wenn auch jeder Mann einen guten Smoking haben sollte.

Der Anzug ist vorzugsweise einreihig, mit fallendem Revers ohne modische Extravaganzen ( Ticket Pocket, aufgesetzte Taschen usw. ), sondern so schlicht als möglich. Das ist kein Widerspruch zum feierlichen Anlass, die elegantesten Kleidungsstücke sind immer sehr schlicht, siehe den Smoking. Der Zweireiher soll hier keine Rolle spielen. Wer sich unsicher ist oder selten Anzug trägt, ist mit einem Einreiher bestens bedient, die anderen wissen, ob Sie einen tragen können oder nicht.

Ich kann nur dringend von ultramodischen Anzügen abraten, sgn. Slim Fit Anzüge sind derzeit en vogue und zeichnen sich durch extrem kurze Sakkos, sehr dünnes Revers und extrem körperbetonten Schnitt aus. In spätestens 5 Jahren sind die out und man wird beim Betrachten der Hochzeitsfotos in einigen Jahren das selbe Gefühl haben wie heute bei Fotos aus den Siebzigern. Besser auf Nummer sicher gehen und einen klassischen Anzug wählen, also etwas länger, mit zum Körperbau passendem Revers und ohne modische Eskapaden. Wer nun partout nicht auf einen extrem modischen Anzug verzichten mag, dem sei das natürlich freigestellt - auf eigene Gefahr des Hohn und Spott seiner Sprösslinge.

Eine Weste ist in der heutigen Zeit nicht mehr üblich, die meisten Anzüge von der Stange haben auch keine. Wenn man unbedingt eine Weste tragen möchte, sollte man einen dreiteiligen Anzug mit passender Weste kaufen. Eine andere Weste unter dem Sakko zu tragen, geht fast immer schief. Besonders warne ich vor hellen, glänzenden Westen aus „seidenähnlichem Stoffen“, damit sieht man aus, als habe man die Weihnachtstischdecke um den Bauch gebunden.

Besonders zu „Hochzeitsanzügen“ werden gerne Gehröcke getragen. Direkt vergessen. Zum einen sind das in der Regel keine Gehröcke, sondern nur unförmige Sakkos, zum Zweiten sind die ebenso unsinnig wie fies.

Der Anzug ist aus 100% Schurwolle in guter Qualität, etwas anderes kommt nicht in Frage. Die gerne genannten S-Qualitäten sagen im Übrigen nichts über die Qualität des Stoffes aus. Ein S-100 oder S120 ist alltagstauglich, alles darüber bedarf erhöhter Pflege. Die meisten erhältlichen Anzüge haben zwei Knöpfe, damit sind die meisten Männer gut beraten. Drei Knopf Sakkos muss man anprobieren, es kommt sehr auf den Schnitt an.
Die Hose sollte keinen Umschlag haben. Flatfront, also ohne Bundfalten, ist moderner und macht einen schlanken Unterbau, wer Bundfalten bequemer findet, kann auch gerne dazu greifen. Die meisten Anzüge haben heute allerdings Hosen ohne Bundfalten.

Als Farben empfehle ich dunkelblau, navy, anthrazit. Abzuraten ist von Stahlblau, Dunkelgrau und Schwarz.
Völlig ausblenden sollte man alle anderen Farben, insbesondere Silber, Weiß, Perlmutt und welche anderen sartorialen Scheusslichkeiten die Hochzeitsindustrie sonst noch gebiert. Generell sind glänzende Stoffe zu meiden, sie sehen fast immer billig aus, auch wenn sie teuer waren.

Ein heller Anzug aus Baumwolle oder Leinen kann unter Umständen getragen werden, wenn es extrem heiss ist oder man in den Tropen heiratet. Wird die meisten nicht betreffen, wir bleiben bei Blau.

Hier noch ein Wort zu den Marken. Wichtiger als eine prominente Marke ( immer gerne genannt und ebenso schlecht wie überteuert: Boss ), ist eine gute Passform, eine gute Stoffqualität und ein zum Körper passender Schnitt ( in dieser Reihenfolge ). Jeder Hersteller hat seinen Hausschnitt, man sollte ausreichend Zeit einplanen um anzuprobieren und den Anzug auszuwählen, der vom Typ am besten passt. Für einen akzeptablen Anzug sollte man mindestens 400 Euro einplanen, darunter bekommt man meist nichts vernünftiges. Über 1.000 Euro für einen Anzug von der Stange auszugeben ist aber auch nicht erforderlich, qualitativ verbessert man sich höchstens noch in Machart und Details - und bezahlt den Namen, die Werbung und das Image.

Wie die Passform bei einem gutsitzenden Anzug sein sollte, kann an verschiedenen Stellen nachgelesen werden.

An dieser Stelle noch ein Hinweis: Häufig befinden sich am Ärmel Schilder des Herstellers. Die dienen dazu, auf dem Ständer im Laden den richtigen Anzug zu finden. Dieses Schild macht man natürlich ab. ( Erschreckend, das man darauf immer noch hinweisen muss )

Von den MTM ( Made to Measure - individualisierte Stangenanzüge ) Angeboten im Internet ist zu diesem Anlass abzuraten, wenn man mit dem Anbieter noch keine Erfahrungen hat. Anders als suggeriert, handelt es sich weder um Maßanzüge noch um qualitativ besonders hochwertige Ware. Ein MTM für 200 Euro KANN nichts vernünftiges sein, also spart man das Geld besser oder geht zu einem örtlichen MTM Anbieter.

Für eventuelle Änderungen, die meisten Anzüge von der Stange müssen noch optimiert werden, sucht man einen guten Schneider. Um Gottes Willen nicht zum Schnellschneider an der Ecke mit angeschlossenem Schlüsseldienst. Für die Änderungen sollte man ca. 100 Euro einplanen und beim Budget bedenken. Besser einen etwas günstigeren Anzug anpassen lassen, als in einem teureren aussehen wie ein Konfirmant, der sich verlaufen hat.

Man sollte den besten Anzug kaufen, den man sich leisten kann. Ist das Budget begrenzt, ist es umso wichtiger, genügend Zeit für die Suche einzuplanen, um das Beste für sein Geld zu bekommen. Übrigens: Das Sakko ist im Stehen immer geschlossen.

Zusammengefasst: Einreihiger dunkelblauer 2-Knopf Anzug ohne modische Extravaganzen, Hose ohne Umschlag mit Flatfront und bester erreichbarer Passform.

Hemd:

Vorzugsweise wählt man ein weisses Hemd aus reiner Baumwolle. Bügelfrei klingt anspruchsloser, ist dafür chemisch ausgerüstet. Reine Baumwolle ist, gerade an wärmeren Tagen, immer noch optimal. Es sollte Umschlagmanschetten haben, also mit Manschettenknöpfen geschlossen werden.
An der Kragenform scheiden sich die Geister. Sie muss zum Gesicht und zum Anzug passen, der Kragen sollte das Gesicht betonen. Die universellsten Formen sind Kent- und Haikragen, jeder Hersteller hat dazu individuelle Formen. Bei diesen Kragenformen wirken die Krawattenknoten in der Regel am Besten.
Zum Anzug trägt man keinesfalls einen Kläppchenkragen, der sollte Smoking und Frack vorbehalten bleiben. Auch sonstige Extravaganzen wirken schnell albern.

Wenn man sehr blass ist oder einen extrem hellen Teint hat, ist es eventuell ratsam, zu einem hellblauen Hemd zu greifen. Allerdings gilt auch für das Hemd: Je schlichter, desto festlicher. Unnötig zu erwähnen, das das Hemd unifarben sein sollte, ohne Streifen, Muster oder Prägungen.

Es ist zudem ratsam, das gewählte Hemd, das optimal passen sollte, zur Anprobe des Anzugs anzuziehen. Das erspart unliebsame Überraschungen.
Gerne wird bei Hemden zu MTM gegriffen, hier sollte ausreichend Zeit für die Herstellung eingeplant werden. wird ein Hemd gefertigt, verzichtet man vorzugsweise auf die, unsinnige, Brusttasche.

Für ein tragbares Hemd sollten mindestens 50 Euro eingeplant werden, qualitativ hochwertige Hemden beginnen bei 80-100 Euro.

Nicht zu vergessen: Gute Manschettenknöpfe. Silber, Weissgold, Platin sind universell, Gold macht die Kombination schon wieder schwieriger. Die Farbe der Knöpfe sollte zu Uhr und Gürtelschnalle passen. Dazu später mehr. Auch hier gilt: je schlichter, desto besser. Ein schöner Stein oder eine Musterung sind ok, Motive, die Größe eines Ziegelsteins oder bunte Knöpfe sollte man vermeiden. Manschettenknöpfe gibt es von 25 Euro bis zum Preis eines Eigenheims. Tipp: Vater, Großvater oder Onkel fragen, vielleicht haben die noch ein paar schöne Erbstücke im Schrank.

Zusammengefasst: Weisses Hemd mit Umschlagmanschetten und Kentkragen, optimaler Passform und aus reiner Baumwolle. Schlichte Knöpfe.

Schuhe:

Ganz kurzes Thema. Oxford, also ein Schuh mit geschlossener Schnürung, in klassischer Machart, möglichst rahmengenäht und grundsätzlich schwarz.

Verzichten sollte man auf „modische Schuhe“, also mit eckiger Spitze im Fliegenklatschendesign, und jede Art von Verzierungen. Die Sohle sollte angemessen dünn sein, ein rustikaler Treter mit doppelgenähter Sohle wirkt zum Anzug nicht gut. Auch, und gerade, beim Schuh gilt: Den besten kaufen, den man sich leisten kann. Natürlich ist er aus Leder, vorzugsweise Kalbsleder. Exotische Ledersorten vermeidet man besser, ebenso natürlich alle Arten von Kunststoffen. Dann geht man am Besten gleich in Turnschuhen.

Was einen guten Schuh ausmacht, wie man die optimale Passform findet und welche Marken es gibt, dazu gibt es zahlreiche Artikel.

Für einen tragbaren Schuh muss man mindestens 180 Euro einplanen, gute Mittelklasse beginnt bei 250 Euro. Gerade bei den Schuhen sollte man aber, wenn möglich, keine Abstriche an der Qualität machen.

Krawatte:

Die Krawatte sollte festlich sein. Eine Fliege zum Anzug wirkt meist clownesk, das muss einem gefallen und muss einem stehen. Bei den meisten Männern ist das nicht der Fall. Noch ein Wort zum Plastron. Dabei handelt es sich um eine Art Krawattenschal, der bevorzugt von überambitionierten Verkäufern empfohlen wird, die einem auch einen Wilvorst Anzug verkaufen - wenn es nicht direkt dabei ist.
Plastron trägt man nur noch zum Cut, und selbst da nur noch zu einigen Gelegenheiten. Das Stück hat sich in der heutigen Zeit überlebt und wirkt zum Anzug, noch dazu ohne Weste, gar nicht. Also, am besten vergessen.

Die Krawatte sollte NICHT glänzen, hoher Glanz ist meist ein Beleg für billiges Material, und aus Seide sein. Gängig sind Krawatten zwischen 8 und 9 cm Breite, es ist abhängig von Statur und Größe, welche Breite am vorteilhaftesten aussieht. Man wählt eine einfarbige Krawatte ohne Muster, Motive und lustige Sprüche. Kleine Punkte oder etwas Struktur in der Seide sind akzeptabel.
Die Krawatte bitte nicht auf die Farbe des Brautkleides abstimmen, das sieht meistens übel aus und wirkt extrem spiessig. Natürlich sollte man sich ein wenig an der Farbwahl der Holden orientieren, mehr auch nicht.

Optimale Farben für den festlichen Anlass sind blau, silber, dezentes Lila oder ganz dunkles Rot. Alle knalligen Farben sind ebenso zu meiden wie Mischfarben.

EST - Einstecktuch:

Zum Anzug gehört zwingend ein Einstecktuch. Dies ist aus Leinen in weiss, eventuell hat es eine farbige Kante. Diese sollte sich an die Farbe der Krawatte anlehnen, aber nicht die selbe Farbe haben. Die ideale Größe ist mindestens 35x35 cm
Farbige Einstecktücher können, müssen aber nicht. Der Novize greift fast immer daneben, dann besser kein EST tragen.
Man faltet das Tuch so, das ein dünner Streifen aus der Brusttasche herausschaut. Das ist die klassischste Trageweise.
Das EST ist KEIN Taschentuch und wird auch nicht herangezogen um sich die Tränen der Rührung ( oder der Angst ) aus den Augen zu wischen, zum Schneuzen schon gleich gar nicht. Dafür hat man, wie der Name es sagt, ein Taschentuch.

Gürtel / Hosenträger:

Die meisten Anzüge sind für das Tragen mit Gürteln konzipiert. Lässt man sich einen Anzug anfertigen oder vom Schneider ändern, kann man die Schlaufen entfernen lassen und Knöpfe für Hosenträger anbringen lassen. Dies setzt einen hohen, stabilen Hosenbund voraus und sieht nicht bei jeder Hose gut aus. Dafür sitzt die Hose in jeder Lage optimal, man übersteht auch das üppigste Hochzeitsdinner ohne Malessen und ist bei Bedarf schneller ausgezogen.

Ich rede von Hosenträgern, also Leder und Stoff zum Knöpfen, nicht diese lustigen Zipper aus Gummi mit Klammern, die in der Kurzwarenabteilung feilgeboten werden.

Der Gürtel ist schwarz, passend zu den Schuhen, und 3-5 cm breit. Je breiter der Gürtel, desto sportlicher. Die Schnalle ist Silbern oder Messingfarben, Uhr und schlicht. Uhr und Manschettenknöpfe orientieren sich an dieser Farbe oder umgekehrt. Das Leder ist glatt, ohne Muster, Maserungen und Embleme.
Ist der Gürtel ausreichend lang, sitzt der Dorn im mittleren der fünf Löcher, die ein Gürtel im Regelfall hat.
Auch hier gilt wieder, den qualitativ besten kaufen, den ich mir leisten kann. Sehr gute Gürtel aus Rindsleder gibt es ab 50 Euro.

Accessoires:

Oft vergessen, aber dennoch wichtig.

Taschentuch: Baumwolle, weiss. Der Herr trägt zwei, eins in der Hosentasche für den Eigengebrauch und ein gefaltet in der Innentasche des Sakkos, um es bei Bedarf der Dame des Herzens ( oder einer anderen Dame ) zu reichen.

Krawattennadel: Ein Relikt aus den 80ern, oder besser noch den 60ern. Braucht keiner. Tipp: Wer noch eine hat, befestigt bei Essen seine Serviette damit.

Strümpfe: Man kann es nicht oft genug sagen - Strümpfe. Liebe Herren, das sind Socken, die mindestens bis zur Wade reichen und in der Regel nicht beim Discounter zu kaufen sind. Man wählt sie aus Schurwolle oder Seide, entweder in Schwarz oder Dunkelblau. Zur Hochzeit sollte man sich neue gönnen, um eventuellen Löchern vorzubeugen. Kostenpunkt: ab 12 Euro.

Blume: derzeit topaktuell sind bunte Stoffprilblumen. Die wirken super bei der Eröffnung des Kindergartens oder dem Feuerwehrfest, auf der Hochzeit sollten sie nichts zu suchen haben. Allenfalls eine echte Blume kann getragen werden, die Befestigung ist durchaus kniffelig. Tipps dazu können hier ebenfalls nachgelesen werden.

So sollte man sowohl als Gast als auch als Bräutigam gut ausgestattet sein.
Die genannte Kleidung kann man selbstverständlich auch zu allen anderen mehr oder weniger festlichen Anlässen ruhigen Gewissens tragen.


Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit den anderen Optionen des Herren: Smoking, Cut, Frack, Burnus, Kaftan
 
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proteus

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Die Uhr zur Hochzeit

Zunächst muss sich der Bräutigam die Frage stellen, ob er überhaupt eine Uhr tragen muss / möchte.
Früher war das Tragen von Uhren bei festlichen Anlässen, insbesondere Abends, verpönt. Man wollte vermeiden, den Eindruck zu erwecken, auf die Zeit zu achten. Ausserdem kann bei engen Manschetten eine Uhr unpraktisch sein.

Heute ist es durchaus üblich, auch zum Smoking eine Uhr zu tragen, wenn auch stilistisch nicht korrekt.

Möchte man eine Uhr tragen, ist entscheidend, was für eine Art von Uhr.
Die tiefseeerprobte Multifunktionsuhr mit 48mm Durchmesser sollte man ebenso zuhause lassen wie die Breitling oder Rolex im Robert Geiss Design. Auch hier heisst die Formel: Je schlichter desto eleganter und festlicher.

Lederbänder sind Metallbändern vorzuziehen, je schlichter und dünner die Uhr, desto förmlicher wirkt sie. Die Marke spielt dabei zunächst eine untergeordnete Rolle. Die Hochzeit ist der falsche Anlass, um der Welt seine goldene Rolex zu präsentieren.

Als Grundregel gilt, wie immer beim Tragen einer Uhr: Die Farbe des Gehäuses sollte zur Farbe der Gürtelschnalle und der Manschettenknöpfe passen, die Farbe des Armbands zu Gürtel und Schuhen - und umgekehrt.

Bei der Farbe der Schuhe haben wir uns schon auf Schwarz festgelegt, also ist der Gürtel- sofern man einen trägt - auch Schwarz. Bleibt somit auch nur Schwarz für das Armband der Uhr.

Schwarze Armbänder findet man meist mit silbernen Uhren, braune Armbänder sind häufig an goldenen Uhren verbaut. Natürlich kann man seine Uhr auch mit einem beliebigen anderen Band ausstatten. Hier reicht die Bandbreite von 5 Euro bis weit über 300 Euro für ein Krokoband. Ähnlich wie bei den Schuhen sollte ich das qualitativ beste Band kaufen, das ich mir leisten kann, gerade wenn ich die Uhr öfter tragen möchte.
Es ist darauf zu achten, das die Schliesse die selbe Farbe hat, wie das Uhrgehäuse und stilistisch zur Uhr passt. Das Band sollte, wie die Uhr, möglichst schlicht sein. Kunststoffbänder und Natostraps bleiben zu Hause. Neckische Bänder mit Zierrat oder lustigen Bildern trägt man nicht ( Hat man so etwas zu Hause, sollte man es sowieso besser gleich wegwerfen.)

Bei der Uhr selbst gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Der Mann trägt seine Alltagsuhr, kauft sich eine für den Anlass oder hat ein schönes, altes Erbstück, das er aufträgt.
Der Uhrensammler wird es hier leicht haben, ist aber auch nicht Ziel dieses Ratgebers.
Der Trend geht mittlerweile zu Uhren in Wagenraddimension, 45mm sind heute eher Regel denn Ausnahme und damit für den Anlass viel zu groß. Auch der Trend zur Taucher-, Flieger-, Bergsteiger- und Multifunktionsuhr hat auf einer Hochzeit nichts zu suchen. Ist man Astronaut kurz vor der nächsten ISS Mission oder Tiefseetaucher und heiratet auf einer Bohrinsel, kann man die Uhren natürlich tragen, allen anderen sei zu dezenteren Modellen getragen.

Idealerweise hat die Uhr nur zwei Zeiger, eventuell Sekundenzeiger, und das Zifferblatt ist schlicht in weiss, Perlmutt oder einer anderen unauffälligen Farbe. Eine Uhr mit mechanischem Werk ist schön, muss aber nicht unbedingt sein.
Der Durchmesser sollte zwischen 30 und 35mm liegen, die Uhr möglichst flach sein. Perfiderweise heisst möglichst flach bei mechanischen Uhren automatisch auch immer teurer als hochbauende Werke. Der Gang zu einem Händler für gebrauchte Uhren entlastet die Börse erheblich.

Es muss auch nicht zwingend eine Uhr einer renommierten Schweizer Marke sein. Es gibt sehr hübsche gebrauchte Uhren aus den 60er/70er Jahren, die in der Regel viel kleiner und schlichter sind als aktuelle Modelle und bei Ebay schon für 20 Euro den Besitzer wechseln.

Eventuell hat man noch ein schönes altes Erbstück oderbekommt ein solches anlässlich der Hochzeit. Dann ist es entschuldbar, wenn man Opas alte Submariner trägt, ideal ist eine solche Uhr allerdings auch dann nicht.

Was überhaupt nicht geht: Jede Art von reiner Sportuhr, Digitaluhren ( ausser, es handelt sich um ein Original aus den 70er Jahren) und alle Uhren aus Plastik, Carbon, Fieberglas, Gummi und sonstigen Kunststoffen. Auch die Formel 1 Uhr im Michael Schuhmacher Flair mit Motorgeräusch bleibt im Schrank.

Ein Wort noch zu Taschenuhren. Früher trug man diese zum Frack, später zum Smoking. Das hat mehrere Gründe. Es gab noch keine Armbanduhren, die wenigsten Leute hatten überhaupt eine Uhr, der Frack wurde mit Weste getragen und hat spezielle Uhrentaschen. Auch zum Anzug war die Taschenuhr bis in die 30er Jahre üblich, wurde dann aber von der Armbanduhr verdrängt.
Man kann also durchaus eine Taschenuhr zum Anzug tragen, vorzugsweise zum Anzug mit Weste. Das ist aber unpraktisch, moderne Anzüge haben selten eine Uhrtasche, wenn man eine Uhr tragen möchte, sollte man zur Armbanduhr greifen.

Zusammenfassung: Eine möglichst schlichte Uhr mit zwei Zeigern ( plus Sekundenzeiger ) und schlichtem Uhrblatt, ohne Komplikationen. Gehäusefarbe passend zu Manschettenknöpfen. Armband vorzugsweise in Schwarz, passend zu Schuhen und Gürtel. Die Marke ist weniger entscheidend als die Schlichtheit der Uhr. Jeden Protz vermeiden, kleine Uhren sind besser als Große.
Optimal ist, an dem Tag völlig auf die Uhr zu verzichten und keine zu tragen.
 

Günther R.

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Vielen Dank!

Lieber proteus,

vielen Dank für Deine Empfehlung, die mich zum passenden Rahmen meiner wunderbaren Braut machte.

Liebe Grüße, Günther R.
 

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