Darf ein Absatz leicht kippeln?

Sebel

Well-Known Member
Vielleicht ist es ja Absicht, z.B. weil das Abrollverhalten komfortabler/besser ist, wenn der Schuh nicht am Absatz plan aufliegt oder es ist eine Art absichtliche "Federwirkung", der Stand wird also erst gerade, wenn man den Schuh an den Füßen hat?

Das würde dann aber auch nur im stehen funktionieren.
 

lawyered

Well-Known Member
Im Sitzen ist der Stand doch völlig egal?

Man könnte ja auch einfach mal bei C&J nachfragen. Vielleicht erhält man ja eine weiterführende Antwort.
 

brandchr

Active Member
Gestern habe ich auch eine solche merkwürdige Erfahrung gemacht: Rein aus Interesse habe ich mir das untere Ende des unteren Endes der schuhtechnischen Nahrungskette angesehen - die Schuhe von H&M. Kaum ein Schuhpaar kostet mehr als 30€, die Qualität der Schuhe ist wirklich miserabel. Eine Sache ist jedoch durchaus bemerkenswert: Keiner dieser Schuhe hatte einen schlechten Stand. Jeder einzelne von ihnen ruhte sicher auf dem kompletten Absatz und der Ballenlinie.

Die Frage ist nun: Offensichtlich gehört nicht das geringste handwerkliche Können dazu, einen brauchbaren Stand zu fertigen. Es ist offensichtlich auch keine Kostenfrage, weil es selbst bei Schuhen für 30 Euro ohne Probleme in großer Zahl realisierbar ist, dass der Stand stimmt. Warum schafft man es dann gerade bei den rahmengenähten Schuhen der (oberen) Mittelklasse selbst bei zehn Schuhen nicht, auch nur einen herzustellen, der einen brauchbaren Stand hat?

Mir leuchtet das ganze einfach nicht ein. Es muss einen unerklärbaren (mystischen) Zusammenhang zwischen einem (sehr) niedrigen Preis und gutem Stand geben, der mir einfach nicht in den Kopf will.
Absätze sind fertig Produkte in unterschiedlichen Farben und Höhen, die in Massen eingekauft werden und so gut wie nichts kosten. Ich denke es ist eher Zufall ob damit der Stand passt oder nicht, in der Massenverarbeitung kümmert sich wohl niemand extra um den korrekten Stand.
 

Jazznow

Active Member
Wenn ich schuhe die über leisten x gefertigt ist 250 000 paar im jahr verkaufe für 30€ bei materialeinsatz und arbeitseinsatz von vielleicht max 10€, ist es finaziell machbar, auch eine extra für diesen leisten angefertigte sohle mit Absatz zu entwerfen.

Wenn ich nur 1000 paar verkaufe für sagen wir mal einsteiger Segment rahmengenäh 250€. Da hab ich aber einen materialeinsatz und arbeitseinsatz von 100€ lohnt sich das schon weniger.

Jeder leisten braucht für einen optimalen stand eine eigens angefertigte sohle, oder der absatzblock muss aufwändig von Hand geschliffen werden, bis der stand passt. Das ist ein nicht z unterschätzender Kostenfaktor.
 

Lionel_Hutz

Well-Known Member
Gestern habe ich auch eine solche merkwürdige Erfahrung gemacht: Rein aus Interesse habe ich mir das untere Ende des unteren Endes der schuhtechnischen Nahrungskette angesehen - die Schuhe von H&M. Kaum ein Schuhpaar kostet mehr als 30€, die Qualität der Schuhe ist wirklich miserabel. Eine Sache ist jedoch durchaus bemerkenswert: Keiner dieser Schuhe hatte einen schlechten Stand. Jeder einzelne von ihnen ruhte sicher auf dem kompletten Absatz und der Ballenlinie.

Die Frage ist nun: Offensichtlich gehört nicht das geringste handwerkliche Können dazu, einen brauchbaren Stand zu fertigen. Es ist offensichtlich auch keine Kostenfrage, weil es selbst bei Schuhen für 30 Euro ohne Probleme in großer Zahl realisierbar ist, dass der Stand stimmt. Warum schafft man es dann gerade bei den rahmengenähten Schuhen der (oberen) Mittelklasse selbst bei zehn Schuhen nicht, auch nur einen herzustellen, der einen brauchbaren Stand hat?

Mir leuchtet das ganze einfach nicht ein. Es muss einen unerklärbaren (mystischen) Zusammenhang zwischen einem (sehr) niedrigen Preis und gutem Stand geben, der mir einfach nicht in den Kopf will.
Naja, vielleicht ist Dir auch schon mal aufgefallen, dass eine 10 EUR-Quarzuhr vom Grabbeltisch genauer geht als jede Rolex. Gleiches gilt sogar für Fake-Rolexe mit Quarzwerk. Das liegt aber nicht daran, dass das Quarzwerk von einem besseren Handwerker stammt, sondern dass es einfach ein anderes Produkt ist, auch wenn die Funktionalität die gleiche ist.

Bei H&M-Schuhen würde ich nicht von handwerklichem Können reden, daran ist ja nun wirklich gar nichts handwerklich. Man sagt ja auch nicht, dass PVC Leder überlegen sei, weil es wasserdicht ist und irgendein handwerklicher Pfuscher es nicht hinbringt das natürliche Leder vernünftig wasserdicht zu kriegen.

H&M-Schuhe haben geklebte Sohlen, dünnes, weiches Leder (wenn überhaupt und ich bin ziemlich sicher, dass die Sohle und das Oberleder einfach so vernäht und geklebt werden und eben nicht das Oberleder auf einen Leisten gezwickt wird, dann die Sohle angebracht und der Schuh ausgeleistet wird. Letzteres dürfte aber genau das Problem der Einstiegsklasse handwerklicher Arbeit sein. Es wird relativ festes Leder unter Spannung auf den Leisten gezwickt. Während es unter Spannung an den Leisten genagelt bleibt, wird eine Sohle angenäht, die Nahtspannung variiert womöglich im Verlauf der Naht und nach dem Ausleisten ist das ganze dann halt etwas verzogen.

Wer das Ding direkt locker zusammenleimt, hat das Problem natürlich nicht. Plastikfolien haben zB auch keine Webfehler, sind aber auch nicht Ergebnis handwerklichen Könnens.
 

Jazznow

Active Member
Einen Schuh ohne Leisten zu fertigen ist zwar möglich, sieht aber in der Regel nicht nach nem normalen Schuh aus. Du kannst ruhig davon ausgehen, dass auch der größte Teil der Billig Schuhe über einen Leisten gefertigt wird. Wie gesagt, die großen Hersteller können es sich halt leisten, für jeden Leisten ne extra entworfene Sohle zu machen, während die Hersteller in unserem Bereich fertige Absatzblöcke (Holz, Lederfaser oder tatsächlich mehrere Schichten Leder) kaufen, die von der Höhe nur vielleicht passen. Diese müssen aber jedes Mal auf Stand geschliffen werden (oder eben auch nicht :D).
 

Ic3cube3

Active Member
Ab wann spricht man denn von einem "großen Hersteller"? Offensichtlich scheinen ja weder Doc Martens noch Shoepassion oder Crocket & Jones dazuzugehören. Wie viel Geld muss man denn für ein Paar eines solchen Herstellers bezahlen?

Mittlerweile bin ich nämlich so weit, dass mich der ganze Pfusch aus der Preisklasse unter 300€ einfach nur noch massiv stört. Alleine die Notwendigkeit, dass man beim Kauf eines solchen Schuhs erst eine ellenlange Checkliste abarbeiten muss, damit man überhaupt die Chance auf einen halbwegs brauchbaren Schuh hat, an dem nicht noch drei mal etwas gebastelt werden muss, frustriert mich definitiv mehr als nötig.
 

Lionel_Hutz

Well-Known Member
Einen Schuh ohne Leisten zu fertigen ist zwar möglich, sieht aber in der Regel nicht nach nem normalen Schuh aus. Du kannst ruhig davon ausgehen, dass auch der größte Teil der Billig Schuhe über einen Leisten gefertigt wird. Wie gesagt, die großen Hersteller können es sich halt leisten, für jeden Leisten ne extra entworfene Sohle zu machen, während die Hersteller in unserem Bereich fertige Absatzblöcke (Holz, Lederfaser oder tatsächlich mehrere Schichten Leder) kaufen, die von der Höhe nur vielleicht passen. Diese müssen aber jedes Mal auf Stand geschliffen werden (oder eben auch nicht :D).
Gut, einen Leisten im weiteren Sinne gibt es normalerweise immer, nur wird der Schuh mE trotzdem ganz anders aufgebaut, da eben nicht das Oberleder auf Spannung draufkommt, um dann eine Sohle anzunähen, sondern soweit ich mich an solche Videos erinnere im Prinzip mit der Brandsohle angefangen wird auf die dann über den Leisten das Oberleder geklebt wird und den Leisten dann rauszuziehen sah immer sehr einfach aus, im Gegegnsatz zu dem Ausleisten beim Schuhmacher. Mir scheint es jedenfalls naheliegend, dass bei Nähtechniken und wahrscheinlich vor allem der Rahmennaht (ob mit Risslippe oder Gemband) das Problem eines unebenen Standes wesentlich leichter auftritt als bei Klebearbeiten (und ich würde vermuten, dass es bei durchgenähter Machart und vielleicht auch Blake Rapid weniger problematisch ist).

Und was fertige Absatzblöcke angeht: Interessanter Gedanke, dann würde mich mal interessieren, ob das Problem bei bestimmten Herstellern vor allem bei bestimmten Schuhgrößen auftritt, denn dann ist ja einer der wesentlichen Faktoren die Schuhgröße und bei bestimmten Größen würde es dann "eh" passen, bei anderen nicht.
 
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