Darf ein Absatz leicht kippeln?

Luhmichel

Well-Known Member
Ich hab Chelsea Boots da hebt sich die Sohle sicher um 2-3cm wenn ich auf den Absatz drücke. Waren recht teuer und eigentlich sollte es schon passen finde ich mit dem Stand. Mal davon abgesehen das auch ich 0,0 beim gehen bemerke.
Nur wenn es billige Schuhe gibt Aldi und co. Wo es passt wundert man sich schon ein wenig!
Ich finde aber auch das hier ne zu große Sau durchs Dorf getrieben wird.
 

Don "No Style" Simmons

Well-Known Member
... Grundkenntnisse der Geometrie reichen aus um zu verstehen, dass zwei nicht parallele Flächen nicht "halb aufeinander" liegen können, sondern sich je nach Form maximal entlang einer Linie oder an einzelnen Punkten berühren können.

...
Und wenn man sich jetzt noch vergegenwärtigt, dass diese Flächen beim Gehen (und dafür ist ein Schuh ja gemacht, nicht zum fotografiert werden) nur für den Bruchteil einer Sekunde parallel sein können und sich der ganze Schuh im Abrollvorgang ohnehin verformt, erkennt man, wie wenig Auswirkungen der "falsche Stand" in der Praxis haben dürfte.

Warum neuerdings hier vermehrt dieses Urban-bashing?
...
Netter Witz.
 

lst08

Well-Known Member
Das war kein Bashing meinerseits, schau dir die Beiträge oben an, das ist genau das was Urban immer predigt, nur umständlicher verpackt.
 

JayBambo

Well-Known Member
Ich schätze @Urban sehr für sein enormes Fachwissen und bin froh, dass er es hier teilt, aber er neigt eben zu dogmatischen Schlussfolgerungen. Für ihn spielt der ökonomische Aspekt eine völlig untergeordnete Rolle, darauf haben hier im Forum aber auch schon mehrere Nutzer hingewiesen.
Es müssen ihm einfach deshalb Leute Paroli bieten, weil hier sonst 20jährigen Studenten mit begrenztem Budget eingeredet wird, für weniger als 600,- € könnte man(n) auch gleich bei Badelatschen bleiben. Die hauen dann vielleicht ihr ganzes verfügbares Geld für CJ raus. Anschließend stellen sie am ersten Arbeitstag fest, dass der Chef und der Chef vom Chef in "Boxy Shoes" und Poly-Anzug rumrennen, dafür aber ein großes Haus im Grünen statt eines WG-Zimmers haben.

Und an der Stelle sind wir wieder bei dem von @lst08 verlinkten FAZ-Artikel. Es entspricht m.M.n. nämlich dem dort dargestellten "Premium Mediocre"-Phänomen, wenn sich ein Normalo-Arbeitnehmer zwecks elitärer Ästhetik drei Paar Schuhe à 600,- € kauft, aber echte Investitionsgüter für ihn unerreichbar bleiben oder durch seine Konsumausgaben noch unerreichbarer werden.
Auch die ganz teuren Schuhe sind letztlich nicht viel anders als der "sündhaft teure Blumentopf von Manufactum", wenn man sie nach Feierabend in einen IKEA-Schuhschrank in seinem WG-Zimmer stellt. Man kann das so handhaben, bitteschön, wenn man eben mehr Wert auf gute Schuhe legt als auf gute Möbel, auf viel Wohnraum oder auf Aktienfonds. Dagegen ist gar nichts einzuwenden. Ein ästhetisches Erscheinungsbild ist ein Wert an sich. Man muss nur mit dem Gedanken leben können, dass der Kollege mit den faltigen Klebelatschen, der jeden Monat die 500,- € für Investitionsgüter einsetzt, die man selbst für Bekleidung ausgibt, in 20 Jahren wahrscheinlich finanziell besser dasteht.

Mehr als 300,- € für ein Paar Schuhe nehm ich erst in die Hand, wenn Urban sein Italien-MTO-Business aufzieht. Bis dahin lass ich mich lieber hier von ihm über die relevanten Merkmale belehren und suche mir dann bei SP im Ladengeschäft die Exemplare aus, bei denen der Fabrikarbeiter einen guten Tag erwischt hat. Dann setze ich mich mit einem Eimer Popcorn in meinen Sessel und lese mir hier durch, wie die Qualität bei 400,- € teureren Church's, CJ, Allen Edmonds und whatever nachgelassen hat.
 

Brad_Majors

Well-Known Member
Man muss nur mit dem Gedanken leben können, dass der Kollege mit den faltigen Klebelatschen, der jeden Monat die 500,- € für Investitionsgüter einsetzt, die man selbst für Bekleidung ausgibt, in 20 Jahren wahrscheinlich finanziell besser dasteht.

Unbestritten, aber worin liegt der alleinige Wert dieser „finanziellen Freiheit“ (um das nervige Modewort mal heranzuziehen) des Kollegen, wenn sie letztlich völlig ungenutzt bleibt? Ein Grundmaß solides Wirtschaften und Vorsorgen vorausgesetzt, ist ein Leben mit guten Schuhen, spannenden Weinen usw. ja deutlich erstrebenswerter als ein dreimal so wertvolles Depot, von dem sich später dann der Schwiegersohn all die Dinge kaufen wird auf die man selbst immer verzichtet hat. ;)
 

Andreas Gerads

Stilmagazin-Inhaber
Offtopic, der Begriff der „finanziellen Freiheit“ wird für mich wohl immer mit Bodo Schäfer verbunden sein, auch wenn ich das Buch nie gelesen habe.

Der Weg zur finanziellen Freiheit: In sieben Jahren die erste Million

Neuer Markt, hach waren das noch Zeiten....da wurden kippelnde Schuhe einfach entsorgt und ersetzt :)
 
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Luhmichel

Well-Known Member
Wenn kippelnde Schuhe 50 Euro kosten wäre das sicher tolerierbar bei 500.- Euro sieht’s scho anders aus.
Problem, bei mir kippeln die billigen nicht. :)
 

Ic3cube3

Active Member
Gestern habe ich auch eine solche merkwürdige Erfahrung gemacht: Rein aus Interesse habe ich mir das untere Ende des unteren Endes der schuhtechnischen Nahrungskette angesehen - die Schuhe von H&M. Kaum ein Schuhpaar kostet mehr als 30€, die Qualität der Schuhe ist wirklich miserabel. Eine Sache ist jedoch durchaus bemerkenswert: Keiner dieser Schuhe hatte einen schlechten Stand. Jeder einzelne von ihnen ruhte sicher auf dem kompletten Absatz und der Ballenlinie.

Die Frage ist nun: Offensichtlich gehört nicht das geringste handwerkliche Können dazu, einen brauchbaren Stand zu fertigen. Es ist offensichtlich auch keine Kostenfrage, weil es selbst bei Schuhen für 30 Euro ohne Probleme in großer Zahl realisierbar ist, dass der Stand stimmt. Warum schafft man es dann gerade bei den rahmengenähten Schuhen der (oberen) Mittelklasse selbst bei zehn Schuhen nicht, auch nur einen herzustellen, der einen brauchbaren Stand hat?

Mir leuchtet das ganze einfach nicht ein. Es muss einen unerklärbaren (mystischen) Zusammenhang zwischen einem (sehr) niedrigen Preis und gutem Stand geben, der mir einfach nicht in den Kopf will.
 

Urs

Well-Known Member
Vielleicht ist es ja Absicht, z.B. weil das Abrollverhalten komfortabler/besser ist, wenn der Schuh nicht am Absatz plan aufliegt oder es ist eine Art absichtliche "Federwirkung", der Stand wird also erst gerade, wenn man den Schuh an den Füßen hat?
 
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