Max Dietls Sakko-Ansichten, Teil 3

16. Natürlich sollte das Sakko genug Taillenweite haben, da es sonst spannt und beengt. Ich lasse es aber so zuschneiden, dass ich es spüre, also schon dicht am Körper. Und wenn ich es zugeknöpft habe, muss auf dem Schließknopf ein ganz kleines bisschen Zug sein. Mein Vater hat das auch so bevorzugt.

17. Außer beim Autofahren ziehe ich das Sakko nie in der Öffentlichkeit aus. Heute ist es ja sehr weit verbreitet, im Büro oder Restaurant nach kurzer Zeit abzulegen. Meiner Meinung nach gehört sich das nicht und ist auch überflüssig. Wenn das Sakko richtig sitzt und der Stoff zur Jahreszeit passt, stört es einen nicht.

18. Für meinen Geschmack sollte das Sakko mit zwei Seitenschlitzen gearbeitet sein. Erstens ist das beim Hinsetzen bequemer und es verzieht sich nichts, wenn man in die Hosentasche greift. Zweitens gefällt mir die Rückenpartie mit Seitenschlitzen einfach besser. Der Mittelschlitz ist weniger vorteilhaft, weil er den Blick auf die Hinterseite freigibt, sobald man in die Hosentasche fasst.

19. Als echtes „Don’t“ empfinde ich doppelreihige Sportsakkos mit Goldknöpfen, die sind dem blauen Blazer vorbehalten. Genauso schlimm sind Doppelreiher, bei denen die Revers wie beim einreihigen Sakko geschnitten sind, zum zweireihigen Sakko, z. B. dem Marine-Blazer, gehört das spitze Revers.

20. Ich lasse meine Sakkos nur mit drei Innentaschen arbeiten. Eine an der Brust für meine Mini-Brieftasche, eine kleine für den Füllfederhalter und links unten, wo früher die Zigaretten reinkamen, eine Tasche für das Mobiltelefon. Rechts habe ich gar keine Taschen. Es gefällt mir nicht, wenn die Brustpartie durch vollgestopfte Taschen ausgebeult wird, das ruiniert vollkommen die Linie des Sakkos. Man sollte die Taschen auch nie so stark beladen, dass sich das Sakko nach einer Seite verzieht.

21. Zum Sakko gehört das langärmelige Hemd, entweder mit Knopf- oder mit Doppelmanschette. Es sieht einfach furchtbar aus, wenn aus dem Sakkoärmel der nackte Arm hervorschaut, z. B. wenn der Kurzarmhemdenträger die Hand zum Gruß ausstreckt. T-Shirts unterm Sakko à la „Miami Vice“ finde ich auch ganz schrecklich. Das war schon in den Achtzigern nicht sehr schön, jetzt ist dieser Look erst recht untragbar.

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Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel schreibt über Herrenmode und verschiedene Stilfragen. Der Bildband "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" ist seine bekannteste Publikation, sie liegt in fast 20 Übersetzungen vor.