Grundwissen Schuhpflege

An der Schuhpflege scheiden sich traditionell die Geister. Die einen schätzen das meditative Polieren der eigenen Schuhe, erkennen schon im Duft der Lieblings-Schuhcreme den beruhigenden Ausblick auf kontemplatives Bürsten. Die anderen dagegen verabscheuen es, ihre Treter vom Dreck der ungepflegten Straßen sauber zu kratzen und penetrant stinkende Schmiere darauf zu verteilen. Kurzum: Schuhpflege ist gewissermaßen die Kohlroulade der Kleiderwelt — zwischen Liebe und Hass bleibt meist nur relativ wenig Verhandlungsspielraum.

Fakt ist, dass Schuhe genauso pflegebedürftig sind, wie jedes andere Stück der Herrengarderobe auch. Egal, ob man es gerne tut, oder sich am liebsten so lange wie möglich davor drückt — Schuhe ohne Pflege sind wie Autos ohne Karosserie: Hässlich, empfindlich und allenfalls begrenzt alltagstauglich. Der folgende Wegweiser kann Schuhputzmuffeln zwar nicht zwangsläufig die Lust am Treterpolieren vermitteln. Zumindest kann er aber aufzeigen, welche Pflegeschritte nötig sind, um die eigenen Schuhe möglichst lange zu erhalten und dadurch auch im Ansehen der Polierfreaks deutlich zu steigen.

Zuerst einige Worte zur Grundausstattung. Nicht alles, was inzwischen an Pflegeutensilien für Herrenschuhe angepriesen wird, ist im Alltag auch tatsächlich nötig. Ganz im Gegenteil — grundlegende und gute Schuhpflege braucht wesentlich weniger Zubehör, als allgemein vermutet. Eine mittelgroße Schuhgarderobe braucht nicht mehr als die folgenden Utensilien:

– eine Schmutzbürste, besetzt mit Schweineborste
– zwei Glanzbürsten, besetzt mit Rosshaar (eine für helle, eine für dunkle Schuhcreme)
– mehrere Lappen oder Lumpen zum Auftragen oder Auspolieren von Schuhcreme oder Lotion
– eine farblose Pflegecreme oder Lotion für alle glatten Leder
– farblose oder farbige Wachspasten

Alles, was über dieses Repertoire hinausgeht, ist zwar kein übermäßiger Schuhpflege-Luxus, aber dennoch verzichtbar. Wie sie mit diesen Utensilien und einem kleinen Bisschen Mühe Schuhe von „Naja“ zu „Aha“ transformieren, erfahren Sie im folgenden Grundkurs.

Die sinnvolle Reihenfolge jeder gelungenen Schuhpflegeroutine lautet: Reinigen — pflegen — versiegeln — polieren. Sie lässt sich mit geringen Abwandlungen auf jeden Schuhtyp und jedes Leder anwenden — sogar auf Ledersohlen. Zunächst werden die Schuhe rundum mit einer Schmutzbürste von groben Verunreinigungen befreit. Keine Sorge: Dass die Politur dabei vorübergehend etwas stumpf wird, ist ganz normal. Anschließend wird mit einem Lappen oder Lumpen aus Baumwolle eine kleine Menge halbflüssige Pflegecreme oder Lotion in kreisenden Bewegungen ins Oberleder eingearbeitet. Die Creme sollte vom Leder vollständig aufgenommen werden und keine Schlieren bilden. Nach einer kurzen Trockenphase von etwa zwei bis drei Minuten je Schuh gilt es, die ins Oberleder eingebrachte Feuchtigkeit zu konservieren. Dies geschieht mit Hilfe einer Wachspaste (früher nannte man sie „Schuhwichse“), die ebenfalls sehr sparsam und in kreisenden Bewegungen ins Oberleder einmassiert wird.

Auf eine weitere Trockenphase (sie kann diesmal von einer halben Stunde bis hin zu mehreren Tagen dauern) folgt das, was die meisten Menschen mit Schuhpflege verbinden — die Politur. Hierfür kommt, je nach persönlichem Geschmack, entweder eine Polierbürste oder ein weicher Baumwolllappen zum Einsatz. Achten Sie darauf, möglichst wenig Druck auf das Oberleder auszuüben. Bereits nach kurzer Zeit stellt sich ein seidenmatter Glanz des Schaftleders ein. Liebhaber polieren anschließend mit einem feuchten Lappen so lange weiter, bis die Oberfläche des Schuhs lackähnlichen Glanz annimmt. Diese sogenannte Wasserglanzpolitur ist allerdings nicht jedermanns Geschmack. Für den Alltag oder die Geschäftsgarderobe ist eine einfache Politur jedenfalls ausreichend.

Zum Schluss ein kleiner Tipp: Jede Schuhpflege ist nur so erfolgreich, wie es das Grundmaterial, also der Schuh, zulässt. Wer durch gepflegte Schuhe beeindrucken will, sollte seine Schuhe also pfleglich behandeln. Das heißt zum einen, verschiedene Schuhe möglichst gleichmäßig zu tragen und regelmäßig zu wechseln. So ergeben sich für jedes einzelne Paar Schuhe angemessene Tragepausen zwischen den Zeiten am Fuß. Nasse oder feuchte Schuhe sollen vor dem nächsten Tragen unbedingt vollständig und ohne künstliche Erwärmung durchgetrocknet sein, damit sich das Leder nicht verformt oder brüchig wird. In jedem Fall aber sollten zwischen zwei Trageintervallen eines Schuhpaars mindestens 48 Stunden Zeit liegen, damit sich Nähte, Leder und Fußbett ausreichend erholen können. Kürzere Tragepausen verkürzen die Lebensdauer der Schuhe. Beherzigen Sie diese wenigen und einfach zu befolgenden Trageregeln und Schritte zur Schuh-Kosmetik, steht einem langen Schuhleben nichts mehr im Weg.

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Florian S. Küblbeck

Florian S. Küblbeck ist freier Journalist und schreibt vor allem über Mode, Stil und Genuss. Mit seinem Erstwerk "Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten" gab er 2013 sein Debüt als Buchautor.