Wieviele Anzüge braucht jeder Mann?

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Das tut man ja auch nur dann aktiv, wenn man sich dazu genötigt fühlt, sich rechtfertigen zu müssen. Und die ökologische Begründung ist für mich dabei auch nur eine getarnte ökonomische mit dem berühmten moralisch erhobenen Zeigefinger, der im Moment sehr in ist, weil er einem ein gutes erhabenes Gefühl gibt, ohne sich inhaltlich umfassender mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen.

Ich erlebe das gelegentlich, wenn mir gut verdienende Kollegen vorrechnen, was ich so in den letzten zehn Jahren für meine Garderobe ausgegeben habe. Das ist dann eine indirekte Form der Rechtfertigung, die ich oben beschrieben habe. ;) Häufiger ist die Feststellung, dass drei qualitativ schlechte Anzüge mit schwacher Passform reichen (und das auch nur in Businessfunktionen, in der IT ist es mehr, "ich sitz' mir hier doch nicht den einen Anzug platt" :)), weil man mehr "nur" für die berufliche Nutzung nicht ausgeben will.
Gut -- dass es Menschen gibt, die sich grundsätzlich nicht besonders um Stil und Kleidung kümmern, ist bekannt. Mit Minimalismus (oder "Minimum-Überlegungen") hängt das nach meiner Erfahrung meist allerdings nicht zusammen. Da hängen eben 68 schlecht sitzende Tchibo-Hemden im Schrank.

Wenn die Kollegen dir vorrechnen, was du über zehn Jahre ausgegeben hast, finden sie deinen -- sicher guten! -- Kleidungsstil wahrscheinlich a bisserl übertrieben, geckenhaft; was nicht weiter problematisch ist, Hobby ist eben Hobby. Bedenklicher find ich's, wenn sie, die offenbar wenig von Stoffen und Schnitten und Verarbeitung verstehen, tatsächlich die Preise kennen und damit rechnen können. Irgendwoher müsste das Wissen ja kommen.

neid muss man sich verdienen......
Vielleicht verkenne ich die Ironie, aber vorsichtshalber: Neid halte ich bei der beschriebenen Lage für unwahrscheinlich.
 
#62
Gut -- dass es Menschen gibt, die sich grundsätzlich nicht besonders um Stil und Kleidung kümmern, ist bekannt. Mit Minimalismus (oder "Minimum-Überlegungen") hängt das nach meiner Erfahrung meist allerdings nicht zusammen. Da hängen eben 68 schlecht sitzende Tchibo-Hemden im Schrank.
Das ist ja auch eine Minimum-Überlegung, aber nicht in Anzahl der Teile, sondern in Geld, vor allem im Einzelkauf.

Wenn die Kollegen dir vorrechnen, was du über zehn Jahre ausgegeben hast, finden sie deinen -- sicher guten! -- Kleidungsstil wahrscheinlich a bisserl übertrieben, geckenhaft; was nicht weiter problematisch ist, Hobby ist eben Hobby. Bedenklicher find ich's, wenn sie, die offenbar wenig von Stoffen und Schnitten und Verarbeitung verstehen, tatsächlich die Preise kennen und damit rechnen können. Irgendwoher müsste das Wissen ja kommen.
Das ist einfach: Die betreffenden Kollegen haben mitbekommen, dass meine Anzüge in Maßkonfektion gefertigt sind und ich meine Schuhe in Budapest bestelle, das assoziieren sie mit viel Geld. Dahinter stecken keine exakten Berechnungen, wohl aber die Erkenntnis, dass sich da einer offensichtlich mit hohem hedonistischen Aufwand um klassisches Auftreten bemüht, während sie es in mindestens vergleichbarer finanzieller Situation nicht tun. Mehr ist da nicht dabei.
 
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