Was trägt der Herr im Sommer?

John_Jarndyce

Well-Known Member
Nun, es ist zwar fast November - aber umso näher ist der nächste Juni. Und irgendwie hat dieser Text in meinen Entwürfen geschlummert. Hiermit nun teile ich ihn mit dem Forum - und freue mich auf hoffentlich nicht zu frostige Diskussionen zu einem heissen Thema:

Was trägt der Herr im Sommer?


Hier soll dem Suchenden mit einigen grundlegenden Hinweisen der Einstieg erleichtert werden, was guten Kleidungsstil bei warmen Temperaturen auszeichnet. Eine Vorbemerkung: Es geht nicht darum, was „man“ im Sommer trägt, sondern was man _als Herr_ im Sommer trägt - schließlich geht es um klassische Herrenmode. Was ist ein Herr? Hier soll es nicht um Charakterfragen a la „Gentleman“ gehen, sondern allein um Stil. Insofern ist ein Herr ein Mann, der sich von der Kleidung her an den Formen orientiert, die größtenteils in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren noch heute gültigen Ausdruck gefunden haben. Es geht dabei nicht um Nostalgie oder eine vermeintlich gute Zeit (eine derartige Illusion ist abgeschmackt und zurückzuweisen), sondern um Zeitlosigkeit und eine Formsprache, die ganz nebenbei auch den unterschiedlichen Staturen gerecht wird, die Männer nun einmal aufweisen.

Was, wenn man den Herrn als Ideal ablehnt? Dann bitte in Foren für (wahlweise) Gangsterrapper, Investmentbanker, Emo-Kids oder Rollenspieler weiterlesen.

Bezugspunkt der Formsache des Herrn ist letztendlich _immer_ der Anzug, die Ritterrüstung des Mannes. Dazu ist auch die weniger strenge Form der Kombination aus Sakko und Stoffhose zu zählen. Wichtig ist aber, dass Anzug und Kombination weder als Kleidung nur für die Arbeit oder für die Festivität gesehen werden, sondern als Standard. Das ist deswegen wichtig zu betonen, weil sich aus der Herrenmode alles andere daraus ableitet, auch die Abweichungen sind immer Abweichungen in Bezug auf die Vollständigkeit eines Anzugs.

Kann man im Anzug overdressed sein? Das spielt für den Herrn eigentlich keine Rolle, weil overdressed, zumal heute, kein Konzept ist, das ihn beschäftigt. Der Herr misst sich an seinem eigenen Maßstab. Wohl aber kann man den falschen Anzug zu einer gegebenen Gelegenheit tragen. Somit gilt: Anzug geht eigentlich immer, der Anlass bedingt die eine oder andere Anpassung. Ein Herr durch und durch wie David Niven sieht deswegen in hochgekrempeltem Hemd am Strand vollständig angezogen aus, weil man ihn als jemanden erkennt, der im Anzug jederzeit eine gute Figur macht - eine Frage der Haltung.

Der Anzug oder die Kombination aus Sakko, Stoffhose sowie Hemd und guten Schuhen ist die Basis auch für den Sommer. Dazu kommen nach Bedarf und Laune Krawatte, Einstecktuch und ein Hut.



- Das Sakko/der Anzug

Nein, der Sommer ist keine Zeit, auf Anzug oder Kombination zu verzichten, auch in der Freizeit nicht. Falls das andere Geschlecht eine Rolle spielen sollte, merke: Frauen lieben es, wenn Männer gutsitzende Anzüge tragen. Anzüge und Sakkos gibt es angepasst auf verschiedene Temperaturen. Für den Sommer gibt es leichte Stoffe.

Zitat bluesman528:
Wenig Futter, vielleicht sogar unkonstruiert nehmen und feine Kammgarnwollstoffe vermeiden, dafür lieber zu Leinen, Baumwolle oder Wolle/Leinen/Seide etc. greifen.
Für die Arbeit in konservativen Branchen gelten eigentlich die gleichen Farbhinweise wie im Winter, aber in leichterer Stoffqualität - ist also einfach. Für die Freizeit ist es etwas anders. Hier gibt es im Sommer eine etwas andere Skala als im Herbst und Winter - helle Brauntöne, Sandfarbe, frisches Grün, helles Blau und einiges mehr - alles ist grundsätzlich möglich, es ist auf den eigenen Typen und den Anlass abzustimmen.

Zum Einstieg ist hier Suitsupply eine mögliche Adresse, die besseren Adressen wie Scabal und andere haben sie natürlich ebenfalls im Sortiment. Die Frage, ob verklebte Leinen-Sakkos auch bei 30 Grad aufwärts genügend Lüftung bieten, wurde jüngst hier diskutiert, aber nicht final entschieden.

Wir klammern Ereignisse wie Beerdigung und Hochzeit hier aus, dafür gibt es separate Hinweise.

Was ist mit Tweed? Hier sind die Meinungen geteilt, ob Tweed zur gleichen Zeit wie Winterreifen getragen werden sollte (also von Oktober bis Ostern), oder an kühlen Tagen auch im Sommer. Auch bei Tweed gibt es stärkere und leichtere Varianten, und letztendlich ist dies eine Frage der persönlichen Entscheidung.

- Das Hemd

Die Ärmel eines Männerhemds sind immer lang, es sei denn, man möchte aussehen wie ein Busfahrer oder eine Fledermaus. Die Ärmel hochzukrempeln geht in informellen Kontexten und bei hohen Temperaturen in Ordnung, dann aber ohne Krawatte. Das Hemd nicht in der Hose zu stecken sondern schlabbern zu lassen geht gar nicht. Ohne Krawatte ist ein Button-Down-Hemd eine gute Wahl. Im Sommer ist Leinen der für das Hemd zu bevorzugendes Stoff.

Der Kragen des Hemdes hat übrigens vor allem im Sommer im Anzugskontext eine wichtige Funktion: Er hält den Schweiss ab vom Stoff des Jacketts oder auch der Strickware. Ein Hemd lässt sich leicht waschen, ein Sakko nicht. Ein ganz klare Argument gegen reine Rundhalsware.,

- Die Hose

Ist außerhalb von Strand und der Gartenarbeit immer lang. Nein, keine weiteren Ausnahmen, außer vielleicht, man arbeitet auf den Bermudas. Ansonsten gibt es hier Chinos und Leinenhosen in vielfältiger Auswahl, von informelleren Five-Pockets bis zur geeigneten Hose zum Blazer.

Ist eine Jeans eine gute Sommerhose? Nein, abgesehen von ihrer mangelnden Passigkeit in den Anzugskontext sorgt der Stoff nicht für ein gutes Beinklima. Flanell und Cord sollten im Sommer im Schrank bleiben.

- Die Schuhe

Bei den Schuhen gibt es im Sommer eine große Bandbreite. Klassische Sommerschuhe sind Loafer in ihren verschiedenen Varianten (Penny Loafer, Tasse Loafer, …). Diese sind auch gut mit Anzug und Kombination kombinierbar, was für Bootsschuhe z.B. nicht gilt. „Autofahrerschuhe“ / Mokassins. Gehen diese zum Anzug? Riskant, aber kann gehen, wenn ein Mann in der Kleidung steckt und es nicht nach Mens Wear Blogger Geek aussieht. https://www.giorgiobrutini.com/site...blr_l7cwmmDAy31qa2j8co1_400.jpg?itok=COcjL_aw

Sind Loafer nur etwas für Ältere? Nein.

Am Strand können aus praktischen Gründen Desert Boots empfehlenswert sein, da sie als hohe Schuhe den Sand nicht so leicht einlassen wie niedrige Schuhe.

Was ist mit Converse oder Sneakern? Converse gelten ja einigen mittlerweile als klassische Schuhmode, weil sich ihr Aussehen seid ihrer Erfindung nicht verändert hat. Im Kontext des Anzugs ist so etwas abzulehnen, auch wenn Anbieter wie SOR sich mit Anzug/Sneaker-Kombinationen in ihren Prospekten an eine vermeintlich jungbleibenwollende Klientel heranwanzen. Sneaker gehören in den sportlichen Kontext, wer sie tragen möchte, soll auf den Sportplatz gehen oder aber eben im Mainstream der weiße Jeans/Sneaker/T-Shirt-Juvenilität mitschwimmen. Auch wenn James Dean, Paul Newman und andere so etwas trugen, mit klassischer Herrenmode in ihrer Orientierung an der klassischen Formensprache hat dies nichts mehr zu tun - ein T-Shirt ist etwas, was man unter dem Hemd trägt. Lediglich das bretonische Fischer-T-Shirt… - aber lassen wir das fürs erste.

Ach ja: Sandalen, Flipflops? Denk an das Wort „Jesuslatschen“, und vergiss diese Art von "Fußbekleidung“ für immer.

- Das Poloshirt

Das Poloshirt, in seiner lang- wie kurzärmligen Variante, gilt als klassische Mode. Es hat den Vorteil, das man eine kurzärmlige Oberbekleidung mit klassischem Touch hat. Es hat den Nachteil, dass es, wenn es kühler wird, mit seinem speziellen Kragen unter kein anderes Kleidungsstück passt - weder unter leichte Strickware, noch unter ein Sakko - das sieht immer unharmonisch aus. Poloshirt, Chino, Bootsschuhe und Hut können im Sommer eine stimmige Kombination ergeben, zum Abendessen sollte man sich dann allerdings eher umziehen.

Ach ja: NIEMALS den Kragen hochklappen, es sei denn, man möchte wie ein in den 80ern stehengebliebener Schnösel aus Hamburg-Blankenese wirken.

- Der Hut

Was für Fortgeschrittene. Im Sommer zu empfehlen, mehr ein anderes mal.

Ich freue mich über die Ergänzungen anderer Experten.
 
Zuletzt bearbeitet:

Tilman

Well-Known Member
Toller Ratgeber! Mir gefallen deine Ansichten sehr.

Was mir noch einfällt: das Unterhemd! Ich finde, im Sommer sollte man gerade bei hohen Temperaturen ein Unterhemd tragen. So wird der Schweiß aufgesaugt und Schweißflecken treten (nach meiner Erfahrung) wesentlich später auf. Zur Farbe: einige meinen, Männer in hautfarbenen Unterhemden seien nicht ernstzunehmen, für mich ist es das Einzige, was gut aussieht. Wer hautfarben lächerlich findet, sollte bei einem normalen Hautton zu hellgrau greifen.
 

Der Hanseat

Active Member
Deine Umschreibungen finde ich sehr passend... nur das Einstecktuch ist (für mich PERSÖNLICH) nicht verhandelbar. Es rundet letztlich das Outfit immer ab.

Sneakers zu einem Anzug sind Anbiederung an die "ewig-jugendlichen" und passen im Kontext überhaupt nicht zusammen...

Gerade was Anzüge und Kombinationen betrifft gibt es zahlreiche Möglichkeiten an Stoffen und Stilen. Z.B. finde ich Baumwollanzüge, als nette Variante im Sommer, sehr gut tragbar - auch der unstrukturierte Sakko ist etwas sehr schönes gerade wenn es heiß ist...
 

art05

Active Member
Sorry, aber das ist doch nichts. Die Formulierungen sind gestelzt und gekünstelt und generell fehlt in jeder Hinsicht die Leichtigkeit, die mit Sommerkleidung verbunden sein sollte.

Man kann eine Kombination auch nicht einfach zum Anzug erklären. Und den Anzug zur einzig akzeptablen Sommerkleidung für den sogenannten Herren. Die richtige Kleidung ist immer situationsabhängig und im Sommer noch vielfältiger möglich als sonst.
 

John_Jarndyce

Well-Known Member
Wo ist hier der Unterschied "Herr" und Rollenspieler? Wenn man diese Anleitung brauchst gibt es erst recht keinen Unterschied.
Guter Aspekt. Allerdings: Es gibt ja den Glauben an Entwicklung. Warum gibt es die Bibel? Aus dem Glauben, dass der, der dieses Buch kennt, ein besserer Mensch wird. Glauben wir doch daran, dass gelebte Erkenntnisse andere weiterbringen können.
 

John_Jarndyce

Well-Known Member
Sorry, aber das ist doch nichts. Die Formulierungen sind gestelzt und gekünstelt und generell fehlt in jeder Hinsicht die Leichtigkeit, die mit Sommerkleidung verbunden sein sollte.

Man kann eine Kombination auch nicht einfach zum Anzug erklären. Und den Anzug zur einzig akzeptablen Sommerkleidung für den sogenannten Herren. Die richtige Kleidung ist immer situationsabhängig und im Sommer noch vielfältiger möglich als sonst.
Ein Herr ist für dich sogenannt? Also ausgestorben?

Welche Vielfalt fehlt? Bitte Beispiele.
 

proteus

Active Member
Schwierig.
Zunächst einmal ist es aller Ehren wert, sich die Arbeit zu machen und solcherart "Content" zum Forum beizusteuern. Aus eigener Erfahrung weiss ich, das man es mit solchen "Anleitungen" niemals jedem Recht machen kann und es immer kontroverse Ansichten gibt ( Was auch gut ist ).
Allerdings habe ich bei der Schreibe ein wenig den Eindruck, als seien hier diverse Textpassagen zusammengestoppelt worden. Man muss sich entscheiden, ob man süffisant oder sachlich schreibt, beides ist kompliziert, zumal der vorliegende Text weitestgehend blasiert wirkt.
Gerade der deutsche Mann im Sommer ist natürlich das sartoriale Armageddon, die Hinweise wirken dadurch völlig abgehoben. Selbst ich trage im Sommer nicht durchgehend Anzug, das ist natürlich kein Maßstab, aber entweder konzentriert man sich auf den Sommeranzug für den Herren - sowohl im beruflichen wie im freizeitlichen Umfeld - oder beschreibt auch die anderen Möglichkeiten umfassend. Binsenweisheiten, beim Polo den Kragen nicht hochzuklappen, bringen wenig, wenn man nicht einmal den Unterschied zwischen Polo und Rugby und deren Einsatzmöglichkeiten klar definieren kann.

Es gibt verbindlichen Dresscodes, die zu beschreiben funktioniert, weil es klare Regeln für deren klassische Anwendungen gibt. Und selbst diese sind heute für 99% der Bevölkerung nicht mehr präsent. Hier wäre weniger mehr gewesen.
 
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