Scabal hört auf...

chh

Well-Known Member
Und gemacht werden sie in meiner Heimatstadt Saarbrücken.
Wieder ein Standort weg.
Müsste vielleicht mal bei TAILOR HOFF FABRIKVERKAUF vorbeischauen, solange er noch da ist.
 

SteveHH

Well-Known Member
Hat das der MTM-Anbieter verhunzt oder die Firma Scabal? Scabal-MTM wird ja bundesweit von vieler Anbietern verkauft. Deshalb tragen die Sachen ja immer die Handschrift der Person, die die Maße genommen hat. Wenn die das nicht gut kann wird aus einem schönen Stück schnell ein Desaster.
Grundsätzlich sind die Sachen von Scabal eigentlich gut.
Scabal hat es verhunzt. Das Teil sass komplett schief. Dann hat man versucht zu retten, was zu retten ist - war auch nix.
Ich bin dann auf ein Sakko von Eduard Dressler umgeschwenkt. Das hat beim ersten Versuch super gepasst. Zwei kleine Nachbesserungen und dann war alles super.
 

MBuerkle

Active Member
Scabal hat es verhunzt. Das Teil sass komplett schief. Dann hat man versucht zu retten, was zu retten ist - war auch nix.
Ich bin dann auf ein Sakko von Eduard Dressler umgeschwenkt. Das hat beim ersten Versuch super gepasst. Zwei kleine Nachbesserungen und dann war alles super.
Das wird aber eher an dem liegen, der die Maße genommen hat. Wenn es "total schief" war, da hat das ja scheinbar mit Haltungsproblemen zu tun, die der Maß nehmende Anbieter erkennen müsste.
 

Tittapå

Well-Known Member
Vielleicht sollten wir mal davon ausgehen, dass Hoff in den letzten Jahrzehnten viele Zehntausende Maßanzüge hergestellt hat, die nicht nur auf einem anständigen hohen Niveau waren, sondern auch in 9x% aller Fälle hervorragend gepasst haben.

Weiter sollte man Bedenken, dass wohl mehrere Faktoren zur Schließung von Hoff geführt haben. Hierzu zählen mindestens mal die allgemeine Marktsituation, Corona, Mietverträge und Zukunftsperspektiven.

Was zu beachten ist, Scabal hat mit den Schritt zum eigenen Werk einen wichtigen in Richtung Zukunft gemacht. Scabal hat also mehr investiert als verloren.

Ich persönlich bedaure nicht nur diesen Schritt. Ich halte ihn auch für den falschen Weg. Aber meine Meinung zählt da leider nüschts :)

Scabal steht jetzt vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen!

Das Produkt selbst muss gepflegt und ausgebaut werden, der veränderte Markt muss endlich mal neu analysiert und bewertet werden. Die daraus resultierende Erkenntnisse müssen umgesetzt werden. Qualität(skontrolle) muss stark ausgebaut werden. Trotz all den Investitionen darf man bei einem Wechsel zu einer kostengünstigeren Produktion im Ausland nicht die Preise anheben ohne die Kunden zu verschrecken!

Ich glaube der gesamte Handel hofft und Bangt aktuell. Die allerersten Eindrücke waren eher so naja. Vielleicht hört man da etwas zu viel auf die gewohnten Fachleute und etwas zu wenig auf den kleinen Einzelhändler und seine Wünsche.

Ich wünsche Scabal jedenfalls das Allerbeste!
 

MBuerkle

Active Member
Ob die "Miete" eine so große Rolle gespielt hat bei einem Werk, daß seit Jahrezehnten im Besitz des Eigentümers ist, wage ich mal zu bezweifeln. Die angehängt Tabelle über die verkauften Anzüge in Deutschland zeigt deutlich, woran es hapert. Der Anzug erleidet aktuell das Schicksal, das vor ihm Hut, Fliege & Krawatte getroffen hat. Das Thema ist einfach (leider) weitestgehend durch. Selbst in der Businessstadt Frankfurt, bei vielen Investmentbankern (der herkömmliche Banker trägt schon lange keine Anzüge mehr) sieht man immer weniger Herren im Anzug. Die Wenigsten in wirklich guten und passenden Anzügen. Und wieviel Menschen sind dazu bereit, Scabalanzüge ab 1500,- Euro kaufen?
Ich weiß auch nicht, welche "Wünsche" der Einzelhändler an Scabal haben könnte? Scabal hat ja keinen Einfluss auf die Nachfrage und vor allem nicht auf gesellschaftliche Entwicklung zu "immer weniger Anzug".

Für passionierte Anzugträger ist das wirklich traurig.
 

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Tittapå

Well-Known Member
Ob die "Miete" eine so große Rolle gespielt hat bei einem Werk, daß seit Jahrezehnten im Besitz des Eigentümers ist, wage ich mal zu bezweifeln.
Haupteigentümer von Hoff ist Scabal. Hoff hat allerdings nie die Immobilie aus den Händen gegeben. Von daher spielten Mietzahlungen garantiert eine nicht unwesentliche Rolle. :)
Die angehängt Tabelle über die verkauften Anzüge in Deutschland zeigt deutlich, woran es hapert. Der Anzug erleidet aktuell das Schicksal, das vor ihm Hut, Fliege & Krawatte getroffen hat.
Anzug allgemein ja. Aber wie schaut es mit dem Segment MTM aus. Ich habe keine Zahlen zur Hand. Da aber MTM Urgesteine wie Kuhn, Cove etc. durchaus in den letzten Jahren Wachstum hatten was die reine Stückzahl angeht, denke ich mal, dass es innerhalb eines Segments zu unterschiedlichen Richtungen geführt hat.

Und wieviel Menschen sind dazu bereit, Scabalanzüge ab 1500,- Euro kaufen?
Die Frage muss lauten; wie viele können sich einen 1.500€ leisten. Das sind immer mehr. Die Bereitschaft muss ja geweckt werden. Das ist dann Marketing etc...
Ich weiß auch nicht, welche "Wünsche" der Einzelhändler an Scabal haben könnte? Scabal hat ja keinen Einfluss auf die Nachfrage und vor allem nicht auf gesellschaftliche Entwicklung zu "immer weniger Anzug".
Für passionierte Anzugträger ist das wirklich traurig.
RTW vs MTM.
Es ist eine Frage der Ausrichtung und der Aufstellung. Sowie der Möglichkeiten und der Erfüllung von Wünschen.
Da hat der Markt und die Hersteller aktuell ein kleines kommunikatives Problem.
 

Newton

Well-Known Member
Der zahlungskräftige Kunde wünscht Individualitätder zumindest das Gefühl von Individualität.

Er sieht es nicht ein, Aufpreise für etwas zu zahlen, was andere um ihn herum günstiger bekommen. Vielmehr will er sich unterscheiden, sich aus der Masse hervorheben. Entweder laut und kreischend oder still genießend.

Das erstere befriedigt Camp David, etc. zweiteres MTM, Schuhe aus Montegranaro, Krawatten von Shibumi, Hemden von Luxire, aber durchaus auch Luxusmarken und sogar das hochwertige Schnäpchen von ebay (ich erkenne Qualität, die andere nicht sehen ...).

Das erleben wir ja eben auch hier im Forum: Das beste Produkt, bezahlbar. Etwas, womit man sich im Kreis von Freunden oder Arbeitskollegen hervortun kann. Idealerweise auch noch smart, weil man Hochwertiges und Besonderes für kleines Geld gefunden hat (siehe ebay, Ripani, etc.). Wenn man dann auch noch ökologisch (Nachhaltigkeit) und sozialwirtwchaftlich ( Unterstützung des ehrlichen Handwerks) argumentieren kann, dann ist das quasi die Quadratur des Kreises für das eigene Selbstwertgefühl ;-)

Individualität und Differenzierung, verbunden damit, mit seinem Geld sich selbst, aber auch anderen Gutes getan zu haben, das ist der (Marketing-) Stoff mit dem morgen, aber auch heute schon Geld verdient wird.
 

MBuerkle

Active Member
Haupteigentümer von Hoff ist Scabal. Hoff hat allerdings nie die Immobilie aus den Händen gegeben. Von daher spielten Mietzahlungen garantiert eine nicht unwesentliche Rolle. :)

Die Miete in einem Vorort von Saarbrücken wird sicherlich große Löcher gerissen haben.

Anzug allgemein ja. Aber wie schaut es mit dem Segment MTM aus. Ich habe keine Zahlen zur Hand. Da aber MTM Urgesteine wie Kuhn, Cove etc. durchaus in den letzten Jahren Wachstum hatten was die reine Stückzahl angeht, denke ich mal, dass es innerhalb eines Segments zu unterschiedlichen Richtungen geführt hat.

Für MTM gibt es diese Zahlen leider nicht in der Form.
Dolzer ist insolvent gewesen. Kuhn kämpft ebenfalls. Cove hat ebenfalls erhebliche Probleme damit, klassische Anzüge in Frankfurt zu verkaufen. Wie es an B & C-Standorten wie Bochum aussieht weiß ich nicht.
Die aktuelle Coronakrise mit Orientierung in Richtung Casual macht selbst in Frankfurt den Händlern sehr zu schaffen.

Die Frage muss lauten; wie viele können sich einen 1.500€ leisten. Das sind immer mehr. Die Bereitschaft muss ja geweckt werden. Das ist dann Marketing etc...

Die Bereitschaft, Anzüge zu tragen, wird sicher nicht oder nur schwer "geweckt". Woher auch? Wenn ganze Industriezweige den Anzug nicht mehr verpflichtend ansehen und abschaffen besteht kaum Bereitschaft, sich so zu kleiden. Mit welchen Marketingmitteln soll man da einen Bedarf wecken (in einem Land, in dem der Anzug ja ohnehin eher als notwendiges Übel angesehen wurde, und nicht als schickes Kleidungsstück)?
Ich würde da als Händler oder Anbieter nur schwer erkennen, wie ich Männer dazu animieren sollte, wieder Anzug zu tragen.
Selbst in Frankfurt fällt man ja mittlerweile auf und wird blöde angeschaut, wenn man einen "perfekten" Anzug mit Krawatte & Einstecktuch trägt.


RTW vs MTM.
Es ist eine Frage der Ausrichtung und der Aufstellung. Sowie der Möglichkeiten und der Erfüllung von Wünschen.
Da hat der Markt und die Hersteller aktuell ein kleines kommunikatives Problem.
 
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