Plattfüße und rahmengenähte Schuhe

Urban

Well-Known Member
#11
Ja, natürlich!
Dieser Vergleich dient dazu zu zeigen, dass wenn die Schaltafel stabil ist, sich keine Körperkontur in der Matratze abzeichnen kann.
Gerade Neulinge haben ein Problem mit oben und unten, eventuell weil man den Schuh in der Hand drehen und von unten betrachten kann - keine Ahnung.

Ganz schlimm ist eine Korkausballung unter der Ferse, denn dort gehört sie niemals als Ersatz für die beiden Absatzkeder hin.
Die Brandsohle setzt sich ab (bewegt sich nach unten) und der Fuß, speziell die Ferse, sinkt entsprechend tiefer in den Schuh ein und
verliert dadurch seinen Halt. Fersenschlupf entsteht.

Es ist schon merkwürdig wenn den Leuten einerseits "rahmengenähte Schuhe" so als gäbe es keine anderen Macharten für Schuhe empfohlen werden, dabei dann die Korkschicht als Qualitätsmerkmal verkauft wird, sogar als Fußbett - und das Beispiel mit dem Brett auf der Matratze zeigt, dass dies überhaupt nicht sein kann.
Und wenn, dann wäre es lediglich der Abdruck der Zehenballen in der Brandsohle, noch nicht einmal im Kork selbst, denn der ist durch den Kleber zu hart um sich zu verformen, um sich punktuell zusammenpressen zu lassen und dauerhaft die Negativform der Zehenballen anzunehmen.
Er zerbröselt höchstens im Laufe der Zeit.

Die Bettung des Fußes im Schuh geschieht durch die Brandsohlenform und den Schuhschaft, weshalb gut gemachte Maßschuhe von unten eine Bananenform haben, die der Auflagefläche eines (gesunden) Fußes entspricht.

Ist also nix mit Fußbett im Kork - das ist absoluter Unsinn!

Für aber noch viel bedenklicher halte ich es aber wenn ein Schuh nach kurzer Tragezeit, dem Eintragen, bereits so stark aus der Form geht, dass eine Einlegesohle erforderlich wird.
 
Zuletzt bearbeitet:

lst08

Well-Known Member
#12
Es ist doch ganz einfach. Dinge auf die Kunden achten, anspringen und überall propagiert werden:
Rahmengenäht, durchgefärbtes Kalbsleder (stärke und Qualität egal), ordentliche (am besten getunnelte) Sohle.

Wenn man Schuhe im Verkauf für unter 200 Euro inkl. Schuhspanner anbieten will dann muss eben wo anders gespart werden. Ist jetzt keine Neuerfindung der Marktwirtschaft und sicherlich kein Betrug, nur die Anpassung des Produkts an die Nachfrage.

Viel schlimmer finde ich diese ganzen "eleganten" Leisten, die nichts mehr mit anatomisch korrekter Fußform zu tun haben. Die Auswahl von Anbietern mit wirklich durchdachten Leistenformen ist sehr gering. Den meisten Anbietern geht es hier rein um die Optik. Ein moderner Schuh darf nämlich wohl alles sein, aber bloß nicht "klobig". (Von mehreren Kollegen so gehört, und wohl das K.O. Kriterium für jeden modischen Mann.)
 

Urban

Well-Known Member
#13
Dann hat der Fußschlankheitswahn nun wohl auch die Männer erfasst.
Verlängerter Leisten heißt das Zauberwort ganz banal und sehr harmlos klingend unter dem diese Fehlkonstruktionen an die Männer gebracht werden.:D
 
#14
al
Und wenn, dann wäre es lediglich der Abdruck der Zehenballen in der Brandsohle, noch nicht einmal im Kork selbst, denn der ist durch den Kleber zu hart um sich zu verformen, um sich punktuell zusammenpressen zu lassen und dauerhaft die Negativform der Zehenballen anzunehmen.
Zwei späte Nachfragen weil ich gerade diesen Faden lese @Urban und alle: Kann man eine eingelaufene Brandsohle ersetzen?
Habe ein paar gut erhaltene Church's geerbt, die mir sehr gefallen und glücklicherweise passen. Nur die Brandsohle hat eine starke Negativform der Zehen vom Vorbesitzer, sehr unangenehm beim Gehen.

An der Kappe hat mir der Vorbesitzer das Leder auch (mit den Fußnägeln?) schön aufgerubbelt, sodass ich immer gegen das aufgekratzte und aufgeschoben Leder stoße. Kann man das auch richten?
 

ProfStanza

Well-Known Member
#15
Zwei späte Nachfragen weil ich gerade diesen Faden lese @Urban und alle: Kann man eine eingelaufene Brandsohle ersetzen?
Habe ein paar gut erhaltene Church's geerbt, die mir sehr gefallen und glücklicherweise passen. Nur die Brandsohle hat eine starke Negativform der Zehen vom Vorbesitzer, sehr unangenehm beim Gehen.

An der Kappe hat mir der Vorbesitzer das Leder auch (mit den Fußnägeln?) schön aufgerubbelt, sodass ich immer gegen das aufgekratzte und aufgeschoben Leder stoße. Kann man das auch richten?
das geht nur, wenn der Schuh vollständig zerlegt und neu zusammengesetzt wird und lohnt sich wegen exorbitanter Kosten in der Regel nicht
 

Urban

Well-Known Member
#16
Das ist möglich; dabei wird der gesamte Unterbau bestehend aus Absatz, Laufsohle, Korkausballung und Brandsohle demontiert, und übrig bleibt nur der Schaft mit ramponiertem Innenfutter.
Dieser wird am besten auf den Originalleisten oder einen, der ihm sehr nahe kommt, aufgezogen und
der Schuh defacto neu angefertigt.
Da dies hierzulande nur von einem sehr guten Schuhmacher ausgeführt werden könnte,
solltest Du Dich an Church's direkt wenden und dort nachfragen ob sie ein derartiges Refurbishment anbieten
und was das kosten würde.
Rechnest Du Hin- und Rücksendeporto mit ein, dann wirst Du wahrscheinlich in der Preisregion
200.- € + X landen.
Für einen 3/4-tel neuen Schuh?
Mal ganz vom Zustand des Schaftes inklusive Innenfutter, Spitzen- und Fersenkappe abgesehen,
dürfte dies arg an der Schmerzgrenze kratzen.

Man könnte natürlich auch auf die Idee kommen mit sogenanntem Flüssigleder die Dellen aufzufüllen und
plan zu schleifen, dito das aufgeraute Innenfutter, aber niemand weiß wie dann das Gehgefühl sein wird,
denn die Brandsöhlchen sind sehr dünn mit max. 2 mm.
 
#17
Man könnte natürlich auch auf die Idee kommen mit sogenanntem Flüssigleder die Dellen aufzufüllen und
plan zu schleifen, dito das aufgeraute Innenfutter, aber niemand weiß wie dann das Gehgefühl sein wird,
denn die Brandsöhlchen sind sehr dünn mit max. 2 mm.
Also diese Idee ist so abseits von allem Guten, dass sie glatt von mir kommen könnte.


MfG
 
#18
Super. Vielen Dank für Eure Infos. So kann ich das ungefähr einordnen.
Es reizt mich halt sehr, da ein Church's sonst jenseits meiner Gewichtsklasse ist und das Oberleder sonst absolut in Ordnung ist.
In diesem Fall ist dann meine Grenze für den 650-EUR-Schuh bei knapp 200 EUR.
Mensch, jetzt habe ich glatt vergessen, vorher Fotos zu machen. Gibt hier doch diesen feinen Renovierungs-Faden im Forum...
 
#20
Ich denke 200€ ist bei so einer Reparatur noch sehr optimistisch geschätzt, da der Schuh beim Tausch der Brandsohle und des Futterleders quasi komplett neu aufgebaut werden muss.

Die 200€ könnten besser in neues Schuhwerk investiert werden. Für etwa 400€ bekommst du bei Carmina sehr gute Schuhe, die mit den 750€ Modellen von Church's in jeder Hinsicht mithalten können (jedenfalls mit den Aktuellen).



MfG
 
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