handgefertigter Maßanzug

Maxomoto

Member
Nachtrag zu Richard: Der Punkt ist sicher richtig, allerdings trifft der imho genauso auf die häufig ziemlich inkompetenten "Schneider" zu, die einem die Maßkonfektion verkaufen. Ich wurde von denen am Anfang in etliche Fehlinvestitionen reingetrieben. :(

Ich denke, wenn man das Geld hat und zu einem ERFAHRENEN Schneider geht (der auch regelmässig Anzüge macht und verkauft), dann läuft selbst ein totaler Anfänger mit einem sehr guten Ergebnis raus (wenn der Anfänger den Einsatzzweck wie von deRemy aufgeführt schildert). Es gibt Beispiele aus teh internet (SF), wo Leute bei Ihrem ersten Maßanzug sehr gute Ergebnisse hatten (z.B. bei Mahon oder London House würde ich mir da eher keine Sorgen machen).

My 2 cents

Max
 

pierino

Member
Nachtrag zu Richard: Der Punkt ist sicher richtig, allerdings trifft der imho genauso auf die häufig ziemlich inkompetenten "Schneider" zu, die einem die Maßkonfektion verkaufen. Ich wurde von denen am Anfang in etliche Fehlinvestitionen reingetrieben. :(

Max

Yep. sehe ich genauso. Auch ich habe zunächst viel "Lehrgeld" bei einigen Anbietern von Maßkonfektion bezahlt. Zuletzt hatte ich aber auch recht gute Ergebnisse. Der Anbieter muss halt zu einem passen. Anbieter heißt in diesem Fall sowohl Verkäufer (bzw. der Maßnehmende) als auch der Hersteller (Konfektionär).


Sehr unglücklich gewählt finde ich die gewählte Abgrenzung von Benjamin. Er unterscheidet zwischen "handgeschneidert" und "konfektioniert". Es gibt allerdings auch Konfektion, die zumindest zu einem gewissen Anteil handgeschneidert ist.
Der Bergiff Konfektion drückt lediglich aus, dass Kleidung "in Serie" hergestellt wird. Ob dies dann zu 100% maschinell oder anteilig mit Handarbeit geschieht, hat mit dem Begriff Konfektion meiner Meinung nach nichts zu tun.

Dass ein handgeschneiderter Anzug faltiger und welliger sitzt als ein (maschinell) gefertigter Konfektionsanzug, halte ich ebenfalls für so nicht richtig.
Ein billiger und schlecht gemachter (natürlich verklebter) Industrieanzug wirft garantiert keine Falten. Er sitzt einfach wie er will auf einem drauf und sieht scheußlich aus.

Just for the sake of completeness: Es gibt natürlich auch gut gemachte und zum jeweiligen Träger passende Konfektion (mitunter auch maschinell verabeitete).

Ciao, p
 

XUITS

Member
Hi Max,

wir machen Maßkonfektion.

Ein Anzug mit Fixiereinlage wird nur dann Probleme haben, wenn die Fixierung falsch aufgebracht ist oder wenn zu heiß gereinigt wird. Ich habe das in meiner Laufbahn ein oder zwei Mal gesehen, das letzte Mal glaube ich an einem Boss-Anzug. Das kann passieren, ist aber extrem selten.

Weitaus häufiger ist, dass Anzüge ohne Fixiereinlage beim Nähen an den Kanten leicht unterschiedliche Spannungen hatten. Die entstehenden Wellen bügelt der Schneider einfach weg. Dumm nur, dass diese Wellen nach jeder Reinigung und nach jedem Feucht-Werden des Anzuges wiederkommen. Dieses Problem habe ich mehrfach mit hochwertiger, unfixierter MTM erlebt, es aber auch schon an "Schneideranzügen" gesehen.

Welligkeit: der Hauptvorteil eines geschneiderten Anzuges ist für mich die Leichtigkeit und Beweglichkeit. Diese wird aber immer mit entsprechend weniger "Innenleben" erkauft. Ich denke, dass die Welligkeit vielleicht eher daher rührt als an der Schneiderverarbeitung. Allerdings benutzt die Konfektion auch andere Maschinen als der Schneider - eine industrielle Schulterpresse kann den Stoff einfach besser in Form bringen als ein Bügeleisen.

Viele Grüße

Benjamin
 

XUITS

Member
Hi,

Asche auf mein Haupt. Die Abgrenzung ist eine enorme Vereinfachung, ja. Es gibt sowohl bei Konfektion enorme Unterschiede als auch bei Schneiderei. Ich kann noch nicht einmal "Handarbeit" definieren. Zählt z.B. eine Nähmaschine zu Handarbeit oder zu Maschinenarbeit? Ich ging jedenfalls davon aus, dass "Konfektion" auch "mehr Maschineneinsatz" bedeutet und "Schneiderei" gleichzusetzen ist mit "mehr Handarbeit".

Viele Grüße

Benjamin
 

Algernon Worthington

Gast
Hi Max,

wir machen Maßkonfektion.

Ein Anzug mit Fixiereinlage wird nur dann Probleme haben, wenn die Fixierung falsch aufgebracht ist oder wenn zu heiß gereinigt wird. Ich habe das in meiner Laufbahn ein oder zwei Mal gesehen, das letzte Mal glaube ich an einem Boss-Anzug. Das kann passieren, ist aber extrem selten.

Weitaus häufiger ist, dass Anzüge ohne Fixiereinlage beim Nähen an den Kanten leicht unterschiedliche Spannungen hatten. Die entstehenden Wellen bügelt der Schneider einfach weg. Dumm nur, dass diese Wellen nach jeder Reinigung und nach jedem Feucht-Werden des Anzuges wiederkommen. Dieses Problem habe ich mehrfach mit hochwertiger, unfixierter MTM erlebt, es aber auch schon an "Schneideranzügen" gesehen.

Welligkeit: der Hauptvorteil eines geschneiderten Anzuges ist für mich die Leichtigkeit und Beweglichkeit. Diese wird aber immer mit entsprechend weniger "Innenleben" erkauft. Ich denke, dass die Welligkeit vielleicht eher daher rührt als an der Schneiderverarbeitung. Allerdings benutzt die Konfektion auch andere Maschinen als der Schneider - eine industrielle Schulterpresse kann den Stoff einfach besser in Form bringen als ein Bügeleisen.

Viele Grüße

Benjamin

Von was für einer Welligkeit reden Sie hier eigentlich? Ich kann beim besten Willen keine Wellen an meinen Sakkos erkennen. Wie kann eine industrielle (!) Schulterpresse den Stoff besser an die die individuelle (!) Schulterform eines Kunden anpassen als ein Schneider?
 

XUITS

Member
Auf dem ersten Bild ist der Anzug eines bekannten italienischen Politikers zu sehen, der u.a. aufgrund seiner Eitelkeit bekannt ist. Ich gehe davon aus, dass der Anzug guter Qualität ist. Anlass des Fotos ist ein Treffen mit dem damaligen amerikanischen Präsidenten. Bitte beachte die Nähte an den Taschen und am Revers. Hier ist keine Einlage eingearbeitet, entsprechend wellig ist der Stoff. Das ist ein deutliches Merkmal einer Schneiderarbeit - dennoch würden nur wenige Kunden einen solchen Anzug im Kaufhaus haben wollen.

Das zweite Foto zeigt den Anzug des amerikanischen Präsidenten George W. Dieser ist offensichtlich mit kräftigen Fixierungen versehen. Der Oberstoff bewegt sich keinen Millimeter.

Die Oberseite der Anzugschulter hat nie die Form der Schulter des Kunden, sondern ist immer deutlich größer, weil sie die Schulter ja betonen soll. Sie ist deswegen auch nicht besonders individuell, sondern einfach nur kleiner oder größer.

Viele Grüße

Benjamin
 

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Kann bitte mal jemand diesen gezielten Missinformationen, die wohl nur wieder der Werbung für das eigenen Produkt dienen, Einhalt gebieten?
 

XUITS

Member
Kann bitte mal jemand diesen gezielten Missinformationen, die wohl nur wieder der Werbung für das eigenen Produkt dienen, Einhalt gebieten?

Hi,

welche Missinformationen? Wenn du einen Fehler findest, argumentiere bitte.

Zur Klarstellung: ich mag handgemachte Anzüge und finde einen schönen Schneideranzug bewunderns- und beneidenswert. Und ich bin neidisch, dass wir ein solches Produkt bislang nicht liefern können.

Allerdings weiß ich auch, dass ca. 90% der Verbraucher einen solchen Anzug nicht zu schätzen wüssten, weil er "mangelhaft", nämlich nicht industriell ist.

Viele Grüße

Benjamin
 
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