Durchdachter Kauf der ersten Luxusuhr (gebraucht)

Tilman

Well-Known Member
#21
Danke für die zahlreichen Hinweise. Ich werde das bei Ruhe nach und nach abarbeiten. Gibt wohl doch mehr Fachwissen für diese spezifischen Fragen in diesem Forum - toll!
 

Dukie

Active Member
#22
Das wird so ständig geschrieben, aber richtig logisch ist es nicht. Wenn du mit einer 30 Jahre alten Datejust zu Rolex gehst, knüpfen sie dir 650 Euro für eine Revision ab. Teile inbegriffen. Mit einer neuen kostet es exakt das gleiche. Die Entscheidung, alle zehn Jahre 650 Euro auszugeben, um nicht irgendwann 650 Euro zahlen zu müssen, wird den Hersteller sehr erfreuen, wirtschaftlich sinnvoll ist sie nicht.

Die Rechnung kippt erst bei richtigen Oldtimern. Da sieht es anders aus, aber 30 Jahre sind für eine Rolex keine sonderlich lange Lebensdauer.
Bei Oldtimern habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Revisionen so abenteuerlich teuer werden (z.B. 1.000 Euro für eine Omega-Dreizeigeruhr aus den 50ern), dass die meisten dann eher zu freien Uhrmachern gehen. Der kann Originalteile dann nämlich u.U. einfacher besorgen als der Hersteller, der keine mehr hat und sie dann aufwändig (und teuer) nachbaut.


Nein, kann man nicht. Wenn man eine mechanische Uhr kauft, egal von welcher Marke, ist eine Revision spätestens alle 10 Jahre anzuraten, bei täglichem Tragen öfter. Ansonsten ruiniert man sich das Werk durch Reibverluste an den Zapfen der schneller bewegten Räder und ggfs. am automatischen Aufzug. Natürlich kann man das alles aufwändig nacharbeiten lassen, aber irgendwann ist das wirtschaftlich uninteressant, insbesondere bei älteren Werken, für die Ersatzteile schon knapper werden.

Genau deswegen ist ein Kauf einer älteren Uhr, egal ob von einem Händler oder bei Ebay, eher etwas für erfahrene Uhrenfreunde.
 
#23
Was noch für eine seltene Revision spricht ist die Tatsache das der Wert einer Vintage Uhr höher angesehen wird je weniger poliert und Teile ausgetauscht wurden. Also je mehr Originalzustand &kratzer desto besser..
 

bluesman528

Well-Known Member
#24
Laienfrage: was zählt man in etwa für eine Revision?
Zwischen 200,- und 3000,- würde ich sagen. ;) Es kommt also darauf an.

1.) Lässt man beim Hersteller revidieren oder beim renommierten Restaurationsuhrmacher? Letzteren muss man erst mal haben und er muss auch die Ersatzteile bekommen (u.U. muss er dafür zertifiziert sein). Der Hersteller ist immer teurer und schlechter als ein freier Topuhrmacher und meist besser als irgendein Uhrmacher. Ein unabhängiger Topuhrmacher ist die preiswerteste Wahl bei hoher Qualität. Den nennt Dir aber keiner freiwillig, der einen hat, auch ich nicht, ich warte jetzt schon zwischen 6 und 12 Monaten nach Einlieferung auf eine Uhrenrevision. Statt Mystery Bespoke Tailor hier Mystery Restauration Watchmaker.

2.) Komplikationen an der Uhr machen die Revision immer teurer, ein Uhrwerk mit 100 Einzelteilen ist schneller und einfacher zerlegt, gereinigt, neu geölt und wieder zusammengebaut als eins mit 600 Teilen, okay bei 600 Teilen kostet die Uhr selbst auch schon gut sechsstellige Preise. :) Aber grob kann man sagen, dass ein Chronograph etwa die doppelten Revisionskosten eines Dreizeigerwerks hat.

3.) Der Zustand, in dem eingeliefert wird, spielt eine große Rolle. Wenn alles noch in neuwertigem Zustand ist, ist die Zahl der benötigten Ersatzteile gering. Ist die Uhr lange ohne Wartung runtergerockt worden oder gab es einen Wasserschaden, kommt da einiges zusammen. Sind gar Zapfen auf der Platine eingelaufen, muss evtl. die Platine getauscht werden. Wie viele neue Platinen eines Uhrwerktyps nach 30 oder 40 Jahren noch zu haben sind, kann man sich ausrechnen.


Du hast völlig Recht.
Ich erhöhe um 35 Jahre.

https://uhrforum.de/threads/wie-lange-halten-mechanische-uhren-ohne-revision-durch.63758/

Na spass, stimmst schon. Ich würd auch alle 10 jahre mal gucke lasse :)
Das Problem ist, dass man von außen nicht immer mitbekommt, ob die Uhr schon mit verdunstetem Öl auf Reibungsverschleiß läuft. Werke, die ein vergleichsweise hohes Drehmoment aufbauen (die Rolex-Werke sind z.B. dafür bekannt, das 7750 ebenfalls), schleifen ihr Räderwerk auch gegen höheren Widerstand unerbittlich weiter durch, die Gangwerte bleiben dann aus einer Laienbetrachtung ("geht nur 2s am Tag vor") kaum verändert. Klar können das Uhren auch länger irgendwie überleben, aber innen drin sind sie dann erst mal Buntmetallschrott. Speziell für ältere Uhren ist das mangels ausreichender Ersatzteillage häufig das Todesurteil und selbst wenn man sie irgendwie wieder zum Laufen bekommt, können Amplitude und Gangwerte irreparabel gelitten haben.

Das Interessante an mechanischen Uhren ist, dass man sie mit vernünftiger Wartung quasi ewig in neuwertigem Zustand erhalten kann, sie sind kein Wegwerfartikel und können einen Menschen mühelos überleben. Theoretisch sind 300 Jahre Lebenszyklus kein Problem für eine gute mechanische Uhr. Aber man muss es halt auch wollen.
 

bluesman528

Well-Known Member
#25
Das wird so ständig geschrieben, aber richtig logisch ist es nicht. Wenn du mit einer 30 Jahre alten Datejust zu Rolex gehst, knüpfen sie dir 650 Euro für eine Revision ab. Teile inbegriffen. Mit einer neuen kostet es exakt das gleiche. Die Entscheidung, alle zehn Jahre 650 Euro auszugeben, um nicht irgendwann 650 Euro zahlen zu müssen, wird den Hersteller sehr erfreuen, wirtschaftlich sinnvoll ist sie nicht.
Es hängt halt davon ab, ob man die Uhr technisch im Bestzustand erhalten möchte. Wenn Du eine 30jährige, ungewartete Uhr bei Rolex revidieren lässt, mag das bei denen einen Einheitspreis kosten, aber das Ergebnis wird schlechter sein als bei einer regelmäßig gewarteten Uhr. Und Rolex lehnt bestimmte Modellreihen aus den 1950ern bis Anfang 1960er auch schon ab und revidiert sie nicht. Dort fertigt man nämlich aus Prinzip in Serie keine alten Teile für den Vintage Service nach, was weg ist, ist weg. Das ist bei Omega und IWC anders. Bei JLC, VC, AP, PP kannst Du einliefern, sie sehen sich das an und fertigen dann individuell nach, was an Teilen fehlt. Nachdem Du den Kostenvoranschlag unterschrieben hast. Und der ist immer höher vierstellig.

Die Rechnung kippt erst bei richtigen Oldtimern. Da sieht es anders aus, aber 30 Jahre sind für eine Rolex keine sonderlich lange Lebensdauer.
Bei Oldtimern habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Revisionen so abenteuerlich teuer werden (z.B. 1.000 Euro für eine Omega-Dreizeigeruhr aus den 50ern), dass die meisten dann eher zu freien Uhrmachern gehen. Der kann Originalteile dann nämlich u.U. einfacher besorgen als der Hersteller, der keine mehr hat und sie dann aufwändig (und teuer) nachbaut.
Bei Omega sind die 1000,- durchaus angemessen für das Gebotene. Die versetzen die Uhr in den Neuzustand, originale Teile, Sonnenschliffe auf dem Gehäuse werden mit der originalen Lapidiermaschine wieder hergestellt etc., das ist mit z.B. Rolex überhaupt nicht vergleichbar. Es ist was für Liebhaber.

Meine Erfahrungen mit freien Uhrmachern (mit einer prominenten hochklassigen Ausnahme, die jetzt meine erste Wahl ist, gerade auch für Vintage) waren eher trüb. Das sind überwiegend Eigenbrötler, die aus einer Zeit kommen, wo die Leute ihnen ihre Simpeluhren gebracht haben, damit man sie ihnen wieder irgendwie für ein paar Kröten zum Laufen bringt. Uhrenliebhaber mit ihren Schätzen und den daraus resultierenden Ansprüchen sind die gar nicht gewohnt. Und Uhrmachernachwuchs ist kaum vorhanden.
 
#26
Meine Erfahrungen mit freien Uhrmachern (mit einer prominenten hochklassigen Ausnahme, die jetzt meine erste Wahl ist, gerade auch für Vintage) waren eher trüb. Das sind überwiegend Eigenbrötler, die aus einer Zeit kommen, wo die Leute ihnen ihre Simpeluhren gebracht haben, damit man sie ihnen wieder irgendwie für ein paar Kröten zum Laufen bringt. Uhrenliebhaber mit ihren Schätzen und den daraus resultierenden Ansprüchen sind die gar nicht gewohnt. Und Uhrmachernachwuchs ist kaum vorhanden.
Es ist also das gleiche Elend wie bei Schuhen, ja?
 

Dukie

Active Member
#27
Woher hast du solch absonderliche Informationen? Das stimmt schlicht nicht. Die fangen ja nicht an, da irgendwelche Zahnräder zu restaurieren, sondern schmeißen alle abgenutzten Teile weg und ersetzen sie. Dasselbe mit Zifferblättern, Krone etc. Das Gehäuse wird poliert, und ob nun alle zehn Jahre ein bisschen runtergerubbelt wird oder nach 30 Jahren ordentlich ist vom Effekt her gleich.

Das Thema Revisionen scheint so langsam endgültig ins Esoterische abzugleiten.

Wenn Du eine 30jährige, ungewartete Uhr bei Rolex revidieren lässt, mag das bei denen einen Einheitspreis kosten, aber das Ergebnis wird schlechter sein als bei einer regelmäßig gewarteten Uhr.
 

bluesman528

Well-Known Member
#28
Woher hast du solch absonderliche Informationen? Das stimmt schlicht nicht. Die fangen ja nicht an, da irgendwelche Zahnräder zu restaurieren, sondern schmeißen alle abgenutzten Teile weg und ersetzen sie. Dasselbe mit Zifferblättern, Krone etc.
Mechanische Uhren sind mein wahres Hobby, schon viel länger als Kleidung. ;) Es ist schlicht wirtschaftlich nicht möglich, jeden Verschleiß "auszutauschen", weil sich das nicht auf Kleinteile wie Räder und Triebe beschränkt. Dazu hält gerade Rolex Ersatzteile zentral nur 25 Jahre nach Referenzende vor. Danach gehen die noch vorrätigen Teile an die Landesorganisationen und die brauchen das dann auf. Dann war's das.
 

stilolfski

Well-Known Member
#29
Mir wurde mal gesagt, dass das Verflüchtigen der Schmieröle moderne Uhren nicht mehr betrifft, da sich auch bei den Schmierstoffen einiges getan hat. Ein erhöhter Verschleiß ist mit zunehmendem Alter des Öls also nicht automatisch zu erwarten und daher kann eine moderne Uhr ruhig so lange getragen werden, bis sich Gangabweichungen ergeben. Ein erhöhter Verschleiß sei vorher nicht zu erwarten. Kann es aber auch nicht mit eigener Expertise belegen und nur so wiedergeben.
 

bluesman528

Well-Known Member
#30
Mir wurde mal gesagt, dass das Verflüchtigen der Schmieröle moderne Uhren nicht mehr betrifft, da sich auch bei den Schmierstoffen einiges getan hat. Ein erhöhter Verschleiß ist mit zunehmendem Alter des Öls also nicht automatisch zu erwarten und daher kann eine moderne Uhr ruhig so lange getragen werden, bis sich Gangabweichungen ergeben. Ein erhöhter Verschleiß sei vorher nicht zu erwarten. Kann es aber auch nicht mit eigener Expertise belegen und nur so wiedergeben.
Das ist so nicht ganz richtig. Moderne Schmierstoffe neigen nicht mehr zum Verharzen, d.h. nach der Verflüchtigung der flüssigen Anteile bleiben keine harten Feststoffe mehr zurück, die die Abrasion noch zusätzlich fördern. Das hat die Revisionsintervalle im Vergleich zu früher schon erheblich verlängert auf das heutige Niveau (und es ist nicht auf moderne Uhren beschränkt, Vintageuhren mit modernen Schmierstoffen behandelt profitieren ebenfalls davon). In den 1960er Jahren lag eine Uhr nicht selten alle zwei bis drei Jahre auf dem Uhrmachertisch.

Aber auch die heutigen Uhrenöle verflüchtigen sich und verfließen weiterhin, physikalische Prozesse kann man nicht außer Kraft setzen. Eine lange ungewartete, deshalb weitgehend schmierstofffreie, aber trotzdem regelmäßig getragene, konventionelle mechanische Uhr verschleißt nach wie vor auf gleiche Weise. Das hat sich auch dadurch ein wenig verschärft, dass moderne Uhren im Schnitt mit deutlicher höherer Frequenz (28.800+ A/h statt 18.000/19.800 A/h) laufen als in den 1950er/60er Jahren.
 
Oben