Anständiger Schal zu gutem Preis

JayBambo

Well-Known Member
#41
Sie kennen nur Burberry, deshalb ist die Stadt jetzt wieder voll von echten und kopierten Schals dieser Marke an den Hälsen von Leuten, die es nach oben geschafft haben, gern kombiniert zum kamelhaarfarbenen Mantel aus Polyamid.
Aber kostet der Cruciani-Schal nicht locker seine 300,-?
Ein Forist sprach mal vom abnehmenden Grenzwertnutzen teurerer Accessoires.
Ein Kaschmirschal ist doch so ein Fall. Ja, fully canvassed Jacke trägt sich bequemer als fully fused Jacke, das merkt jeder. Ja, Santoni in Sacchetto trägt sich bequemer als Shoepassion in rahmengenäht. Ja, eine mechanische Uhr erzeugt interessantere Gesprächskontakte als eine von Daniel Wellington.
Aber Kaschmirschals? Nenn mich einen Trampel, ich merk den Unterschied zwischen 70,- und 300,- nur am Preisschild. Vielleicht bin ich von den kratzigen Acryl+Baumwolle-Schals meiner Jugend so verdorben, dass mir schon der Kaschmirkaffeerösterschal herrlich vorkommt.
 

Lumpenbub

Well-Known Member
#42
Ein Forist sprach mal vom abnehmenden Grenzwertnutzen teurerer Accessoires.
Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens gilt nicht nur für Accessoires, sondern für alle Güter.
Es widerlegt den beliebten Spruch "You get what you pay for." Man erhält für einen höheren Preis eben keineswegs ein Gut mit entsprechend höherem Nutzen. Eine S-Klasse kostet zwar fünf mal so viel wie ein Skoda Oktavia aber sie bietet eben nicht den fünffachen Nutzen. Ein Paar Schuhe von einem altersschwachen Schuhmacher irgendwo in den Bergen Italiens kostet zwar fünf mal so viel wie ein Paar Lloyds aber es bietet eben nicht den fünffachen Nutzen.

Exklusivität ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass für die entsprechenden Produkte ein Preis jenseits jedes Nutzwerts bezahlt wird.
 

Urban

Well-Known Member
#43
Preisschild? Marken?
Alles Unsinn - ich hatte mir vor 15 Jahren oder so mal 3 Paschminas in Ebay France gekauft - ich glaub für so um die 20 € pro Stola, einwandfreier Zustand, weich und halten wegen ihrer zweimaligen Faltung sehr warm,
praktisch nur bei kaltem Wind tragbar.
Bei uns rennen viele mit Barbour rum, sieht ja auch Burberry zum Verwechseln ähnlich, das Tartanmuster,
wer sich nicht damit auskennt - gibt's auch sehr günstig im Zweibrücker Outlet.
Und immer schön das Etikett nach außen tragen damit auch jeder sieht wie teuer das Teil war.

Ab einem bestimmten Betrag will ich den Schal in die Hand nehmen - online kommt nur dann infrage
wenn ich den Hersteller oder die Händlerin bereits kenne, bei einer Dame aus UK haben auch schon andere
Schals von einem sehr edlen Anbieter erstanden.
Online von irgendeinem box-pusher, der keine Ahnung von dem hat, was er da verhökert und
um die schnelle Mark zu machen das Blaue vom Himmel in seine Textbeschreibungen einpflegt?
Nein, danke, da lasse ich freundlicherweise anderen gerne den Vortritt.

Für den Cruciani habe ich im Sonderverkauf noch 180 € bezahlt - regulär dürfte er locker über 300 € kosten
im Format 180 X 40 cm, Flachstrick aus sehr feinem Garn.
 
#45
Ein Forist sprach mal vom abnehmenden Grenzwertnutzen teurerer Accessoires.
Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens gilt nicht nur für Accessoires, sondern für alle Güter.
Es widerlegt den beliebten Spruch "You get what you pay for."
Exklusivität ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass für die entsprechenden Produkte ein Preis jenseits jedes Nutzwerts bezahlt wird.
Als Ökonom stimme ich an dieser Stelle zu aber muss noch eine Ergänzung anfügen.

Der Grenznutzen hat keinen Zusammenhang mit der Qualität eines Produktes und dem dafür verwendeten Input (Arbeitsstunden, Material) aber ist in diesem Fall trotzdem abnehmend.

Der Grenznutzen beschreibt den Zugewinn an Nutzen durch eine zusätzliche Einheit des Gutes.
Das erste Paar rahmengenähte Schuhe hat einen Grenznutzen von 182,5 Tragetagen pro Jahr. Man will die Schuhe schließlich so oft wie möglich am Fuß haben aber die Ruhe- und Trockenzeiten (jeder 2. Tag) werden natürlich eingehalten. Ein zweites Paar bringt nun nochmals einen Grenznutzen von zusätzlichen 182,5 Tragetagen. Das zweite Paar wird immer an den Ruhetagen des ersten Paares getragen und hat ansonsten selbst eine Auszeit. Der Grenznutzen durch den Kauf eines dritten Schuhpaares wäre nun bei 0 Tragetagen. Ich bin komplett mit rahmengenähten Schuhen eingedeckt, kann diese durchgehend tragen und die Ruhezeiten dennoch einhalten. Natürlich könnte ich jetzt die Tragezeit von Paar 1&2 reduzieren und trotzdem ein 3. Paar kaufen. Der Gesamtnutzen ließe sich dadurch jedoch nicht maximieren. Ich kann schließlich nur maximal 365 Tage/Jahr ein Schuhpaar tragen und bin für diesen Zeitraum mit einer ausreichenden Menge des Gutes versorgt.

"You get what you pay for." spielt in der Ökonomie ebenfalls eine große Rolle aber es handelt sich hierbei nicht um den Grenznutzen sondern eher um das Konzept der "Skalenerträge". Die Skalenerträge für Kleidungsstücke und Accessoires können aus Produzenten- und Konsumentensicht betrachtet werden und sind beide Male abnehmend.

Bei abnehmenden Skalenerträgen wächst der Ertrag nur unterproportional im Vergleich zum zusätzlichen Input. Wenn der Produzent also den Input (Arbeitsstunden, Material) um 50% erhöht und am Ende kein um 50% besseres Produkt herauskommt, liegen solche abnehmenden Skalenerträge vor. Die selbe Beobachtung greift übrigens auch aus Konsumentensicht, wenn ich mein geplantes Budget für einen Schalkauf um 100% erhöhe aber trotzdem keinen doppelt so guten Schal bekomme.
 

Urban

Well-Known Member
#46
Aber Kaschmirschals? Nenn mich einen Trampel, ich merk den Unterschied zwischen 70,- und 300,- nur am Preisschild. Vielleicht bin ich von den kratzigen Acryl+Baumwolle-Schals meiner Jugend so verdorben, dass mir schon der Kaschmirkaffeerösterschal herrlich vorkommt.[/QUOTE]

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Es gibt schon so einige Unterschiede bei den gewebten Schals, sowohl von der Webart, dem Garn,
dem Finish usw. bis hin zu den Fransen und dem Format...
 

lst08

Well-Known Member
#47
Man sehe sich z.B. die handgefärbten Garne bei Begg an um einen stufenlosen Farbübergang zu erreichen. Sehr schöne Sache.
Bin nicht so der Schal Typ, deswegen meistens langweilige Schals, die mir den Hals warm halten. Aber man merkt schon einen Unterschied zwischen Kafferöster und der 300 Euro Klasse. Außer man will es nicht sehen.
Behauptet hier ja auch keiner, sein Kaufhof Kaschmir Pulli könne mit Loro Piana mithalten.
 
#50
Welche Marken fertigen denn sehr gute Schals?
Vielleicht finde ich ja mal einen guten Gebrauchten für die kleine Mark.
Johnstons of Elgin wurde hier schon erwähnt und wäre auch für den Gebrauchtkauf meine Empfehlung.

Die Produkte sind auf jeden Fall von einer guten Qualität. Die Marke ist aber nicht sehr prestigeträchtig (wie z.B. Burberry), die Produkte werden außerdem vergleichsweise häufig verkauft und deshalb sind die Preise für gebrauchte Schals oftmals recht günstig.

Würde im britischen eBay (Heimmarkt von Johnstons) nach einem passenden Schnäppchen suchen. Du hast deutlich mehr Auswahl und die Versandkosten sind nicht wesentlich teurer.
 
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