Brit-Look, Teil 3

Zur englischen Sportjacke passen am besten Kord- oder Moleskinhosen und in Frühjahr und Sommer Chinos. Wer sich traut, greift zu auffälligen Tönen wie Signalrot, Orange, Pink oder Lila, etwas weniger Mut braucht es für Rost, Weizengelb oder Nussbraun. Im Büro sollten es eher graue Flanellhosen sein oder die urbritischen „cavalry twills“ aus unkaputtbaren Wollköperstoffen. Die Tweedjacke lässt sich außerdem mit Jeans kombinieren, dazu passt dann am besten ein Hemd im von Pferdedecken her bekannten Tattersall-Karo. In der Stadt trägt der Brite zum Tweedsakko seine Anzughemden mit Klappmanschetten und einen Binder – mit Streifen, eingewebten Tiermotiven oder Wollstrick in quietschig bunten Bonbonfarben.

Neu und von der Stange sind weder das Tweedsakko noch die Hacking-Jacke leicht aufzutreiben. Kenner suchen solche Raritäten entweder in einschlägigen Secondhand-Läden, z. B. in der Londoner Kult-Boutique von Bertie Wooster, oder lassen sie sich schneidern. In der Savile Row oder bei einem der „bespoke tailors“ in der Provinz. Die Adressen der Kleinstadt-Nadelkünstler werden allerdings wie Geheimtipps gehandelt, insofern spart einem der Gang in die berühmte Schneidermeile langwierige Recherchen. Die Investition in ein handgefertigtes Maßsakko ist nicht unerheblich, dafür bekommt man aber perfekte Passform und die Garantie, wie ein Lord auszusehen. Außerdem hat der Schneider hunderte von Stoffen zur Auswahl, z. B. in den Bündeln der Kult-Weber John G. Hardy, W. Bill oder Haggarts.

Die höheren Weihen in Sachen Brit-Look erhält man durch die Anschaffung eines kompletten Anzugs aus Tweed, am besten mit Weste. Wer befürchtet, damit wie der Freund von Miss Marple auszusehen, hat das Konzept nicht verstanden, denn Brit-Look-Fans wollen genau das. Vor zwei Details des Streichgarn-Dreiteilers sei allerdings gewarnt. Erstens: Bei wärmeempfindlichen Zeitgenossen löst er bei Temperaturen von über 16 Grad Celsius Hitzewallungen aus. Zweitens: Die Tweedhosen können zarte Haut empfindlich reizen. Für Abhilfe kann eine Rundumfütterung des Beinkleides sorgen, was es jedoch noch wärmer macht. Echte Brit-Look-Jünger schert das übrigens nicht, sie tragen ihre Tweedanzüge bis ins Frühjahr hinein, vielleicht ist die daraus resultierende Erhöhung der Körpertemperatur Ursache ihrer typisch rosigen Wangenfärbung.

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Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel schreibt über Herrenmode und verschiedene Stilfragen. Der Bildband "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode" ist seine bekannteste Publikation, sie liegt in fast 20 Übersetzungen vor.